Über mich

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Alexandra Pater (*1992)
 Krippenpädagogin 
 bloggt seit 2009
 isst, liest und liebt viel

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Wieder ist ein Jahr ins Land gezogen, mein Blog feiert dieser Tage seinen vierten Geburtstag. Vier Jahre, in denen mein Leben manches Mal Kopf stand und nur der Blog es war, der das Chaos – und mich – zusammen hielt. Vier Jahre voller Abenteuer, Selbsterfahrung und nicht zuletzt auch Kehrtwenden, dem Negieren von Sichergeglaubtem, dem Beschreiten neuer, unvorhersehbarer und überraschender Wege. Wir schreiben November 2013, ich werde in wenigen Wochen 21 und ich habe bereits das erste Studium abgebrochen. Schwarz auf weiß klingt das nach einer Geschichte des Scheiterns, nach einem „Ich habe es nicht gepackt und deswegen …“. Ja, das Studienjahr 2012/13 ist der erste Bruch in meinem Lebenslauf, das ist Fakt. Fakt ist aber auch, dass dieses Jahr mir, besonders rückblickend, mehr gegeben hat, als ich, zuvor, aber auch währenddessen, für möglich gehalten hätte.
In das Wintersemester 2012/13 startete ich als Studentin der Politikwissenschaft und Philosophie in Göttingen. Meine Erwartungen waren seltsam ungreifbar, irgendwas zwischen „Schauen wir mal, was es da so gibt“ und „Wird schon, bisher hat ja immer alles irgendwie gepasst“. Hinter mir liegen frustrierende Seminare, überfüllte Hörsaale, unauffindbare Ansprechpartner*innen, Mitstudierende, die in ihrem akademischen Habitus meine Schmerzgrenzen überschritten. Ich schaffte es nicht, mindestens 150 Seiten pro Woche für meine Seminare und Vorlesungen zu lesen. Ich schaffte es nicht, mich mit Begeisterung in Referatsthemen einzuarbeiten, sie mit Überzeugung zu halten. Irgendwann schaffte ich es auch immer seltener, den Weg zur Uni finden. Diverse Fachwechselversuche (Geschlechterforschung ist spannend, dabei bleibe ich!) später, habe ich dann eine Kehrtwende gemacht, in einem frühpädagogischen Studiengang an einer Fachhochschule hospitiert und dort mehr Spaß gehabt, als in sämtlichen Monaten in Göttingen zusammengenommen. Fest stand: Ich würde weggehen, meine Zelte und dieses Studium abbrechen. Nach einer relativ chaotischen Studienortsuche entschied ich mich schließlich für Gießen und den Studiengang „Bildung und Förderung in der Kindheit“. Der schönste Satz des Spätsommers: „Ich komme gleich, ich muss mich nur noch eben kurz exmatrikulieren.“ Die ersten vier Wochen Uni liegen bereits hinter mir und es fühlt sich an, wie Nachhausekommen. Nach Hause an einen Ort, an dem ich zuvor noch nie gewesen bin, aber an den ich schon immer gehört habe. Dass mit dem Studienfachwechsel auch das Verabschieden alter Träume einher ging, ist klar. Aus „Irgendwas mit Kulturjournalismus, Buchkritiken, Ausstellungseröffnungen, Bandinterviews!!!!“ wurde „Irgendwas mit Kindern, vielleicht irgendwann eine eigene Kita, mit Schwerpunkt auf U3-Betreuung“. Für mich fühlt sich dieser Abschied von alten Zielen und Zukunftsvisionen nicht an wie eine Niederlage, so, als würde ich etwas aufgeben. Im Gegenteil. Sechs Wochen verbrachte ich als Praktikantin in einer Kindertagesstätte und hatte die besten Arbeitsstunden meines Lebens. Auf viel zu kleinen Stühlen, umgeben von Saftpfützen und Kopffüssler-Bildern, von Zankereien um Spielzeuge und Fingerspiele („Mit den Fäusten, mit der flachen, flachen Hand!“), von vollen Windeln und aufgeschlagenen Knien blühte ich auf, etwas, das ich nie für möglich gehalten hätte. Würde mein 14-jähriges Ich mich jetzt treffen, wäre ich vermutlich die größte Enttäuschung meines Lebens für es: Auf dem Weg, eine studierte Erzieherin zu werden. Aber wie sagt man so schön: Früher oder später muss man lernen, mit Enttäuschungen umgehen zu können.

Manche Dinge haben sich im vergangenen Jahr aber nicht geändert: Ich bin immer noch begeistert vegan, liebe die Welten, die Bücher und Serien für mich eröffnen, habe diesen Sommer auf mehr Festivals getanzt, als für mich gut gewesen sein kann und die Wahrscheinlichkeit, mich essend anzutreffen, liegt unverändert bei 99,37 Prozent. Esse ich nicht, dann koche oder backe ich oder kaufe Dinge ein, die ich kochen oder backen kann. Weitere Disziplinen, in denen ich olympiareif bin: Teetrinken, Schaumbäder nehmen, todesmutig mit dem Auto Großstädte bezwingen (Berlin, Hamburg, Frankfurt, Düsseldorf, Köln, Brüssel, ich kenn‘ sie alle!) und Terminkalenderlückeneliminierung.

‚Ich wohne irgendwo, bin irgendwer, hoffe auf das große „Mehr“, irgendwann, aber bitte in nicht allzu ferner Zukunft.‘, so begann ich im Oktober 2009 meine Vorstellung.

Ich bin heute eine andere. Ich bin nicht mehr das Mädchen, das ich 2009 war – und das ist auch gut so. Ich bin selbstbewusster und ausgeglichener, ich mache mir weniger Gedanken darüber, welchen Eindruck Außenstehende von mir haben könnten und mache, was mich glücklich macht. Und das bin ich auch: Glücklich. Vielleicht irgendwann sogar mit Mann, drei Kindern und GLS-Gemeinschaftskonto, vielleicht aber auch mit einem Golden Retriever, schrulligen Blümchenvorhängen und ganz viel Zeit für mich ganz alleine.

Ich bekomme und beantworte übrigens auch sehr gerne E-Mails. Obgleich mensch auf meine Antwort manchmal ein halbes Jahr warten muss… pater.alexandra@gmail.com.