Sogar meine Schlaflieder singen inzwischen Fremde.

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Manchmal wünscht man sich ja, man könnte sich wieder mit dem gleichen kindlichen Urvertrauen an jemanden lehnen, wie damals: Die Tränen an der Schulter versiegen lassen, die Nase in die Halsbeuge des Anderen kuscheln, warten, bis der eigene Atem etwas gleichmäßiger wird und vielleicht sogar kurz einschlafen. Sogar meine Schlaflieder singen inzwischen Fremde.

Ich will die gleiche Distanz zu meinen Gefühlen, wie ich sie zu meinen Texten habe, aber nicht so viel wie zu meiner Familie. Stattdessen pule ich die Krusten meiner Wunden ab und gebe meinen Verletzungen Kosenamen.

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An Tagen, die erst vorbei sind, wenn eigentlich schon ein neuer begonnen hat, denke ich besonders oft an dich. Ich habe so viele Fragen, doch du gibst mir kein -zeichen. Ich will, dass du ja oder nein zu mir sagst und nicht immer nur vielleicht und ich will, dass du mit diesen Wörtern das gleiche meinst wie ich. Manchmal frage ich mich, ob der Superlativ von Leidensgeschichte Meidensgeschichte ist.

Es könnte ein Problem sein, dass in meinen Plänen zu oft das Wort Ich fällt. Ebenso könnte es eines sein, dass du keine hast. Probleme sind dazu da, gemacht zu werden.

Über meine Mauern sagt niemand „Ich glaube … das gilt ab sofort“. Aber ein Einreisevisum wäre ich dir zu erteilen bereit gewesen. Blöd, dass du dich zum Klassenfeind mauserst.

Du rufst in mir das gleiche Gefühl hervor, das man empfindet, wenn man krampfhaft versucht, beim Pinkeln bloß nicht den vollgesifften Toilettensitz zu berühren, egal mit welcher Körperstelle. Du bist für mich wie ein Schwebebalken, der den einzigen Notausgang blockiert. Vielleicht sprenge ich das gesamte Gebilde einfach in die Luft. Du bist und ich auch und genau da beginnen die Probleme. Luft.

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3 Comments

  1. Ich mag diesen Post.. Ich glaube, weil ich mich da ein wenig wieder erkenne.. Gerade das „An Tagen, die erst vorbei sind, wenn eigentlich schon ein neuer begonnen hat, denke ich besonders oft an dich.“ brachte mich zum lächeln.. auch wenn es vllt ein kleines deprimierendes lächeln ist.. Ich bin froh, dass ich seine neue Nummer nicht mehr habe, dann bin ich nicht mehr ganz so verwundbar und leichte Beute.. -.- 😀

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