Diese Momente…

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Diese Momente, in denen man sich wie Falschgeld fühlt, werden wohl nie ganz vorbei sein. Momente, in denen alles zerrt und zwickt, in denen man vor einschüchternden Bergen voller unlösbarer Herausforderungen und Erwartungen, Ängsten und Problemen steht und sich einfach nur wünscht, jemand würde einem Wanderschuhe reichen, sie vielleicht sogar für einen an die wunden, aufgeschürften Füße schnüren. Sich wünscht, da wäre jemand, der mit einem den Gipfel stürmen und einen oben lachend ins Gras schubsen würde, um einfach mal einen Moment liegen zu bleiben und zu verweilen. Merken, dass man jemanden braucht, der einen am Boden hält, wenn der Kopf mal wieder in den Wolken tanzt und ein bisschen zu wenig Sauerstoff bekommt – oder zu viel. Jemanden, der jedes „Aber“, jedes „Was wenn…?“, jedes „Ich schaff das nicht“ mit einem aushält und daraus ein „Doch“, ein „Dann machen wir…“, ein „Wir schaffen das zusammen!“ macht.

Die neue Stadt ist alt geworden, obwohl kaum mehr als ein Jahr vergangen ist. Sie ist zu klein geworden, obwohl die Wohnung endlich nach einem selbst aussieht, man jede Abkürzung, jede Busverbindung, jeden Gratisparkplatz kennt und sogar die schönen Ecken. Spannend war sie nie, das war vom ersten Moment an klar. Manchmal nachts wachliegen und sich vorstellen, wie es wäre, jetzt in eine U-Bahn zu steigen und ganz weit zu fahren, bis da kein Mensch mehr ist oder alle, je nachdem. Und dann fällt einem ein, dass schon seit Stunden kein Bus mehr fährt.

Zwei Wochen frei haben und irgendwie in lethargische Langeweile verfallen, obwohl durchaus etwas zu tun wäre. Etwas genug, sogar. Aufschieben, wegschieben, sich hin und her schieben, aber nichts so sehr schieben, dass es passt. Mit voller Wucht zurückgeholt werden, in den Alltag, in dem nichts alltäglich ist. Überlegen, Dinge zu verändern. Zu einem Treffen einer jungen Initiative gehen, die sich für Flüchtlinge einsetzt. Zusagen, bei der Begleitung einer Afghanin mit vier Kindern zu Ämtern zu unterstützen. (Aufregung!) Über ein dreimonatiges Praktikum in Finnland nachdenken. (Noch mehr Aufregung!) Vorsichtig überlegen, umzuziehen. (Erwähnte ich schon meine Aufregung?)

Diese Momente, in denen man innehält und sich nicht sicher ist, ob das 14-jährige Ich von dem, was man da gerade tut, enttäuscht, angeekelt oder beeindruckt wäre. Diese Momente, in denen man innehält und feststellt, dass man plötzlich Träume träumt, die man im Traummemory immer den Anderen zugeordnet hätte. Diese Momente, in denen man innehält und nichts, ja, gar nichts ist mehr wie zuvor.

(Bild via TexasEagle.)

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1 Comment

  1. Du gehst deinen Weg und das ist genau richtig so. 🙂 Ich begleite dich nun schon ganz schön lange (meine Güte, fünf Jahre!!) hier in diesem großen, weiten Internet und ich finde dich bewundernswert. Es macht große Freude, deine Worte zu lesen und zu sehen, wie du dich selbst und dein Leben weiterentwickelst. Geh deinen Weg, triff deine Entscheidungen weiter mutig und auch, wenn du mal zweifelst, am Ende wird jeder Schritt richtig gewesen sein. ❤

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