An und auf und aus.

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Manchmal schreibst du mir genau in dem Moment, in dem ich an dich denke. Das könnte natürlich auch daran liegen, dass ich viel öfter an dich denke, als du mir schreibst. Manchmal bist du ein offenes Buch für mich und dann plötzlich wieder eines mit sieben Siegeln, das zusätzlich noch in Sanskrit abgefasst wurde. Manchmal will ich so laut schreien, dass du es hören kannst und dann habe ich Angst, dass du herausfinden könntest, wie laut ich eigentlich schreien kann.

Wir haben genug Gegendruck für einander, die Nacht ist weniger furchteinflößend, obwohl ich schon wieder nicht schlafen kann. Dieses Mal, immerhin, vor lauter Aufregung und Wollen und Ehrfurcht. Das ist schön. Du bringst meinen Schlafrhythmus völlig durcheinander und ich unternehme nichts dagegen. Um 5 Uhr morgens ruht mein müder, voller, lauter, glücklicher Kopf an deiner Schulter und ich warte auf den Schlaf in den ersten Minuten der Dämmerung.
Du ziehst mich an und auf und aus und genau die richtigen Strippen.

Manchmal glaube ich, mein Ballast könnte etwas zu schwer sein, um dich um Hilfe beim Tragen zu bitten – andererseits: wenn du nicht dazu bereit bist, zumindest mich anzuschieben, dann will ich das alles vermutlich gar nicht. Manchmal sehe ich etwas – ein Buch, einen Artikel, ein Video, ein Kind, das seltsam-lustig geht und dabei „Wer hat an der Uhr gedreht“ singt – und möchte vor allem eines tun: Es dir zeigen. Und dann habe ich Angst, dass du gehst, wenn ich dir zu viel zeige: Vom Leben, von mir, von der Art, wie ich liebe.

Im Flur küsst du mich zum Abschied. Vielleicht ist das ein gutes Zeichen. Zum ersten Mal hat ein Kuss das Schlafzimmer verlassen und wenig mit Sex, aber viel mit Vermissen zu tun. Ich kriege deinen Geschmack nicht aus meinem Mund und dich nicht aus meinem Kopf.

Manchmal habe ich vor lauter Glück Angst. Und trotz Angst Glück.

(Bild via aftab.)

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5 Comments

  1. Es gibt einige Texte von dir, die lassen mich immer sprach- und kommentarlos zurück, weil sie mich so berühren, mir so nahe gehen. Das ist wieder einer davon. Danke! 🙂

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