Worüber wir uns freuen…

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…, wenn Sie uns Ihr Kind anvertrauen:

– Wenn nicht die erste Frage „Wann sind wir denn wohl so mit der Eingewöhnung durch? Ich muss nämlich *hier sehr baldiges Datum einsetzen* un-be-dingt wieder im Office sein!!!!!“ ist. Die Frage, wann wir „durch“ sind, die kann und wird Ihnen nur Ihr Kind beantworten können.
– Wenn Sie drei Minuten Zeit für ein Tür-und-Angel-Gespräch mitbringen – und Verständnis, wenn uns mal die Zeit dafür fehlt, weil die Liste derer, die nicht krank sind, kürzer ist.
– Über Wechselwäsche. Sie ziehen dieses Kind groß, Sie wissen, wie viel nicht da bleibt oder dort landet, wo es sollte.
– Im Sommer: Über ein eingecremtes Kind mit Kopfbedeckung. (Wir schreiben diese schönen Infozettel, auf denen sogar das Wort ‚bitte‘ steht, nicht zu unserer eigenen Belustigung. Irgendwo habe ich bestimmt noch einen Flyer zum Thema Hautkrebs, ich gehe mal suchen.) Wir binden unsere Tücher gerne um den Kopf Ihres weizenblonden, hochroten Kindes, wenn wir spazierengehen, aber irgendwie ist das etwas … unpraktikabel.
– Überhaupt: Über der Jahreszeit angemessene Bekleidung. Das mag jetzt vielleicht eine Überraschung sein, aber: Wir heizen drinnen. Echt jetzt. Niemand braucht im Oktober drei Strumpfhosen und darüber noch eine viel zu enge Röhrenjeans, die bei Zweijährigen eher für motorische Unsicherheiten sorgt, als für Coolness. Überlassen Sie uns die Strumpfhosen lieber für die Wechselwäsche, Sie erinnern sich.
– Wenn wir das Frühstück nicht stellen, über jedes Stück Apfel und jede Scheibe Gurke. Wirklich. Worüber wir weniger jubeln: Milchschnitte, Laugenbrezel ohne alles (jeden Tag einer jeden Woche, ohne Ausnahme), Fruchtzwerge, Capri Sonne, alles von Ferrero, Kindermilch… (Und Leberwurst, aber das ist vermutlich was Persönliches.)
– Die Öffnungszeiten sind keine Empfehlung. Wenn Sie das auch so sehen, dann können wir die nächsten Jahre gut miteinander auskommen.
– Wenn Sie ein bisschen Vertrauen in uns haben. Wir vielleicht neu in der Einrichtung, haben selbst keine Kinder oder den falschen Haarschnitt, aber oftmals steckt viel pädagogisches Wissen und jahrelange Erfahrung hinter unserem Handeln. Wenn die 14jährige Schulpraktikantin Ihnen allerdings sagt, dass Sie als Eltern voll ‚ablosen‘ und der Name Ihres Kindes beschissen sei, dürfen Sie aber natürlich gerne vehement widersprechen.
– Wenn Sie sich trauen, Probleme, Sorgen und Kritik zu äußern. Manchmal sind wir betriebsblind und sehen Dinge nicht – und schon gar nicht so, wie Sie sie sehen. Wir wünschen uns eine Erziehungspartnerschaft, kein Gegeneinander und auch kein „Hinter-dem-Rücken-des-Anderen“. Wir fordern viel von Ihnen, also fordern Sie auch etwas von uns.
– Wenn Ihr Kind in der Aufführung beim Sommerfest eine angepummelte Raupe spielt, dann kommen Sie und klatschen. Oder schicken jemanden, der kommt und klatscht und sich ehrlich freut.
– Wenn Sie uns keine Freundschaftsanfragen auf Facebook schicken und uns nicht nötigen, ein Entwicklungsgespräch im Supermarkt zwischen Tiefkühlpizza und Katzenstreu zu führen.
Wenn Sie sich gut überlegen, als was Ihr Kind sich zu Karneval verkleidet.
– Wenn Sie Ihren Kindern nicht den Kontakt zu anderen Kindern verbieten, nur weil Sie deren Eltern nicht gut finden. Nur weil Sie den zweijährigen Karl-Friedrich von und zu gut finden, heißt das nicht, dass Ihre Tochter ebenfalls mit ihm im Sandkasten abhängen und ihre Förmchen teilen möchte.
– Wenn Sie sich von der Idee verabschieden, Ihr Kind so wieder mit nach Hause zu nehmen, wie Sie es abgegeben haben. Wir sind manchmal so dreist, dass wir Ihrem Kind sogar erlauben, sich schmutzig zu machen. Schock schwere Not, der gute Calvin Klein Mini Cardigan!
– Wenn Sie Namen in die Sachen Ihres Kindes schreiben. Wir denken dann nicht, dass Sie denken, bei uns würde geklaut, sondern freuen uns, dass wir nicht an irgendwo vergessenen Pullis schnüffeln müssen, um zu raten, zu welchem Kind die wohl gehören mögen.
– Wenn auch am Spielzeugtag die Kinder-Tablets und anderes Elektrospielzeug zu Hause bleibt, das lauter ist, als wir (vor allem zu Grippezeiten).
– Wenn Sie Ihr Kind wickeln, bevor Sie es uns übergeben. (Sie glauben nicht, was für Windelinhalte man manchmal zu sehen bekommt, kaum dass man das Kind in Empfang genommen hat.) Außerdem: Überfordern Sie Ihr Kind nicht in Bezug aufs Trockenwerden. Halten Sie es aber auch nicht klein. Informieren Sie uns über Ihre Schritte, wir unterstützen Sie und Ihr Kind, so gut es geht.
– Wenn Sie uns Ihr Kind guten Gewissens jeden Morgen vorbeibringen. Oder wenn Sie uns erklären, was Ihnen Bauchschmerzen bereitet. Ihr Kind kommt nur gerne, wenn Sie hinter uns stehen.

Selbst wenn Sie mal gegen das eine oder andere verstoßen: Wir mögen Ihr Kind immer noch verdammt gerne, es ist nämlich unglaublich großartig und das sehen wir auch, wenn es ohne Sonnenhut, in einer kackbraunen Cordhose aus unserem Wechselsachenfundus, in der Ihr Fratz schier untergeht, und mit einem Feuerwehrauto mit echter Sirene durch die Kita stolpert. Wir haben auch viel Verständnis für Sie, wir haben schließlich selbst viele Alltagsprobleme zu bezwingen, die uns Dinge vergessen lassen – wenn manche Versäumnisse allerdings nicht zur Regel werden! Wir wünschen uns nur manchmal ein bisschen Urlaub vor Ihnen, aber das beruht beim obigen Forderungskatalog vermutlich auf grenzenloser Gegenseitigkeit.

(Bild via Greh Fox.)

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2 Kommentare

  1. Ahh, wir suchen für L. gerade einen Kita-Platz (und haben wahrscheinlich einen guten gefunden, yay!:)) und ich werde mir die Punkte sehr zu Herzen nehmen im Sommer:)

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