Tweets sind keine Bastelvorlagen.

Gestern habe ich den Fehler gemacht, darauf hinzuweisen, dass es irgendwie eher uncool ist, fremdes Eigentum für sein eigenes auszugeben. Es ging um diesen Beitrag, der bei ‚Dinge, die eine Erzieherin nicht sagt‘ erschienen ist:

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Gleich als ich das las, dachte ich „Kenne ich doch. Habe ich doch neulich noch gefavt.“ Eine Woche zuvor nämlich, der Tweet ist von @PatzillaSaar.

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Ich kommentierte sinngemäß mit „Das wurde wohl von hier geklaut“ nebst Link. Ein paar Stunden später war mein Kommentar verschwunden und dass ich Dinge like oder kommentiere ich wohl auch nicht mehr erwünscht, dafür wurde ich nämlich anscheinend gesperrt – teilen kann ich noch, aber sein wir ehrlich: Darauf habe ich ziemlich wenig Bock, nicht nur, weil die Seite unter anderem auch Werbung für Billigschuhe macht und die Diskussionskultur unter den Beiträgen manchmal etwas … abenteuerlich ist. Wäre all das nicht passiert (das Löschen meines Kommentares sowie Sperren meiner Partizipationsfunktionen auf der Seite), hätte ich mir nicht die Mühe gemacht, diesen Blogeintrag zu schreiben, sondern hätte einfach seufzend hingenommen, dass mal wieder jemand etwas geklaut hat, der noch nicht verstanden hat, dass Tweets keine Bastelvorlage sind, die man nach Gutdünken kopieren kann. Das ist leider zu sehr Alltag.

Und dennoch: Eigentlich reicht das doch schon dazu aus, sich aufzuregen. An der Uni bringen sie uns bei, dass Plagiieren dazu führen kann, dass wir unser Studium nicht fortsetzen dürfen und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass in der Fachschulausbildung in Hausarbeiten/Facharbeiten die Gedanken von Montessori oder Hurrelmann für die eigenen ausgegeben werden dürfen. Diverse Politiker*innen haben wegen Plagiatsgeschichten ihre Ämter aufgegeben, das war so groß in den Medien, wer das nicht mitbekommen hat, der sollte mal sehr tief in sich gehen. Kurz: Es dürfte bekannt sein, dass es ziemlich daneben ist, geistiges Eigentum zu klauen. (Dieses Argument habe ich übrigens bei meiner Freundin Marina geklaut, um meine eigenen Quellen hinreichend offen zu legen.) Genauso uncool ist es, jemanden zu sperren, der Kritik äußert: Ich habe ehrlich gesagt ein wenig Bauchweh, wenn ich mir vorstelle, dass so unreflektierte und wenig kritikfähige Menschen mit Kleinkindern arbeiten. Vermutlich ist es in deren Einrichtungen auch erlaubt, Spielzeug ungefragt mit nach Hause zu nehmen, seinem Sitznachbarn das Butterbrot abzuziehen und in der Handtasche der Erzieherin nach spannenden Fundstücken zu wühlen. Würde ich jetzt mal so annehmen. Oder? Oder? Mhm?

Ich habe jedenfalls jetzt mein „Gefällt mir“ entfernt und lerne weiter. Irgendwo steht bestimmt eine kluge Passage zu Selbstreflexion, die twittere ich dann und tue so, als wäre sie von mir.

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5 Comments

  1. Dieses Klauen nervt, ärgert den Autor und ist noch dazu meist eine Urheberrechtsverletzung.

    Mir ist kürzlich folgendes passiert: Eine bekannte deutsche Nachrichtenseite hat einen meiner Blogartikel übernommen, 100 % sinngemäß, teilweise auch wortwörtlich. Habe es nur mitbekommen, weil mich einer meiner Leser drauf hingewiesen hat. Habe dann die Nachrichtenseite drauf hingewiesen. War dem Chefredakteur sehr peinlich. Wir haben uns dann auf ein Honorar geeinigt und das mein Name genannt wird und mein Blog verlinkt wird.

    Viele Grüße

    Christof

  2. Natürlich ist „klauen“ nicht in Ordnung und die Quelle zu nennen sollte natürlich Standard sein. Ich finde aber den Ärger um Tweetklau ein bisschen abgehoben. Allein vom Aufwand kann man das ja schon mal gar nicht mit wissenschaftlichen Arbeiten vergleichen. Wenn ich einem witzigen Gespräch lausche und dann darüber twittere, frag ich die Quelle auch nicht nach Erlaubnis oder nenne ihren Namen. Es geht schließlich um Likes oder Favs und nicht um Geld oder Titel.
    Der wichtigste Punkt ist aber wohl, dass es diese Art von Witzen, die gerne mal geklaut werden, schon ewig gibt und nicht besonders originell sind. Solche Tweets gibt es doch in ähnlicher Art häufig.
    Ich kann den Groll verstehen, aber länger als 5 Minuten sollte man sich über so etwas Profanes nicht aufregen.

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