Pflichtlektüre, Teil 2.

Irgendwie springen mir immer wieder schöne, bewegende und nachdenklich machende Artikel vor die Augen. Da ich finde, dass sowas unmöglich ungeteilt bleiben kann, hier mal wieder eine Zusammenstellung mit Tipps, was ihr am Wochenende so lesen könntet. Einige Texte sind schon etwas älter, aber nicht weniger relevant.

Kultur & Lifestyle

Hakan hat einen großartigen Text darüber geschrieben, was es bedeutet, durch das Leben, das man lebt (und noch dazu gerne), immer und immer wieder den eigenen Vater zu enttäuschen, dessen Vorstellungen fest von Glauben und Tradition geprägt sind. Und was das für alle Beteiligten bedeutet. Und warum sogar der Satz „Ich wünschte, du hättest nur einen Hauptschulabschluss“ gefallen ist.

Über „Mathe für Ausländer“ berichtet Deniz Yücel in der taz. Dass seine Lehrerin tatsächlich „Schämt euch, der Türke weiß es besser als ihr!“ sagte, sollte ebenfalls Erwähnung finden.

Mir fällt es etwas schwer, Julia Friedrichs Artikel „Entschleunigung – Die Welt ist mir zu viel“ prägnant zusammenzufassen. Kurz könnte man vielleicht sagen: Es geht darum, was wir tun, wenn die Welt zu viel wird. (Moderner Biedermeier ahoi?)

„Das moderne Leben kommt ihr vor wie eine gigantische Beschäftigungsmaßnahme, die die dröhnende Leere im Inneren der einzelnen Individuen überbrüllen soll. Unsere Welt sei krank, findet Laura, und sie weiß, dass inzwischen viele denken wie sie. „Die Klamotten, die wir tragen, die Autos, die wir fahren, die Dinge, die wir essen, die Berufe, die wir erschaffen haben, Berufe, in denen man 50 bis 60 Stunden pro Woche arbeitet und dann kein normales Leben mehr meistert. Weshalb man die Wäsche in die Wäscherei bringt, das Essen nur noch to go holt, die Wohnung von der Putzfrau sauber machen lässt.“ Wer diese Welt verändern will, findet Laura, muss sich zwangsläufig von ihr entfernen.“

Diesen Artikel teilte ich vor einigen Wochen auf Facebook – und wurde sogar in der Uni darauf angesprochen: „Ich habe geheult, wegen dem Artikel, den du geteilt hast!“ Sagen wir so: Für Tränenbäche übernehme ich keine Haftung, wenn ihr lest, was Greta (79) und Hans (81) über die Liebe, das Leben und das Bis-zum-Ende-Lieben zu sagen haben. Ebenfalls übers Altwerden schreibt eine Enkelin auf ihrem Blog Hegestufe II. Diese andere Seite habe ich in meiner Familie, ebenfalls als Enkelin, begleiten dürfen – und kann viele ihrer Gedanken so gut nachempfinden!

Eine Freundin postete mir diesen schönen Artikel vom Festivalguide auf die Pinnwand: „Festivalfeeling in der kalten Jahreszeit – 5 Tipps gegen den Winterblues„. Besonders Indoorcamping ziehe ich ernsthaft in Erwägung!

Konsum

Warum wir bald vermutlich alle unterschiedlich viel Geld für die gleichen Produkte zahlen werden und was das mit Big Data zu tun hat, darüber schreibt Hannes Grassegger auf Zeit Online.

Fixe Preise schaffen einen versteckten Sozialvertrag, wie einheitliche Krankenkassenprämien. Hinter Einheitspreisen in Supermärkten, Bahnhöfen und Drogerien steckt ein Gesellschaftskonzept: Alle Käufer sollen gleich sein.Einheitspreise schaffen Gewinner und Verlierer – dem einen ist etwas eigentlich mehr wert, dem nächsten ist es fast zu teuer. So subventionieren wir einander, vom Joghurtkauf bis zur Taxifahrt. Am meisten profitiert der Durchschnittsmensch. Im Massenmarkt seien personalisierte Preise bislang technisch unmöglich, sagt Florian Stahl, weil sie das Wissen über die Wertschätzung des Käufers für ein bestimmtes Produkt zu einem bestimmten Moment voraussetzten. In diese Wertschätzung könne theoretisch alles einfließen, bis hin zur Wetterlage, wie bei Eis oder Jacken. „Den individuellen Höchstpreis zu erkennen, ist eigentlich ein unendliches Problem“, sagt Stahl.

Um das Thema Konsum geht es auch in „Was sollen wir kaufen?„, ebenfalls bei Zeit Online erschienen. Darf man ein Buch über den „moralisch aufgeladenen Konsumalltag“ bei Amazon kaufen?, so der erste Satz. Viele Themen werden am Rande angeschnitten und ich überlege, das besagte Buch „Verbraucherdemokratie“ von Jörg Lamla tatsächlich zu lesen.

Wer lieber etwas sehen möchte, dem sei die halbstündige Doku Neuland – Zu viel ist nicht genug ans Herz gelegt.

Wir arbeiten. Wir konsumieren. Immer schneller und immer mehr. Die Dokumentation „Neuland – Wie viel ist genug?“ stellt Menschen vor, die über die Befreiung vom Überfluss nachdenken.

Der Frage, ob Besitz glücklich macht, wird hier nachgegangen:



„Steht ein hungriger Esel zwischen zwei Heuhaufen. Kann sich nicht entscheiden. Verhungert. Das Gleichnis von Buridans Esel kommt einem in den Sinn, hier am Eingang der Drogerie, vor dem Deo-Regal. Für Männer, für Frauen, für 24 Stunden Schutz, für 48 Stunden Schutz, sensitiv oder normal, Spray oder Roller: Fast 300 Deos stehen da. Auf wie viele unterschiedliche Arten können Menschen eigentlich schwitzen?“ Das und anderes könnt ihr hier nachlesen. Ich habe zunehmend weniger Lust, einkaufen zu gehen. Zumindest in Supermärkten.

Kinder

Mareice schrieb auf ihrem Blog Kaiserinnenreich mal wieder über behindernde Momente – und verlinkte zu einem alten Artikel in der taz, in dem sie über die Suche nach einem Kitaplatz für ihre große Kaiserin schrieb. Mein Wunsch, mal in eine inklusive Einrichtung reinzuschnuppern, wächst. Eine mindestens genauso inspirierende Dokumentation mit dem Titel „Kinderleben mit Behinderung“ hat der NDR gedreht.

Dieses Video hat mir ein bisschen Hoffnung geschenkt – und mich wütend gemacht, denn es zeigt sehr gut, dass das Spielzeug, das Kindern in der Regel zum Spielen zur Verfügung gestellt wird, Schönheitsidealen entspricht, die Kinder so (noch) gar nicht zwingend haben…



Film, Serie, Literatur

Auf diesen Film freue ich mich aktuell (und höre das Buch gerade als Hörbuch):

Wirklich zum Heulen gebracht hat mich ausgerechnet diese Geschichte, die der Frage nachgeht, was passiert wäre, wenn Petunia bezüglich Harrry andere Entscheidungen getroffen hätte. So traurig, so schön, so lesenswert: What if, when Petunia Dursley found a little boy on her front doorstep, she took him in? Not into the cupboard under the stairs, not into a twisted childhood of tarnished worth and neglect—what if she took him in?

Habt ihr auch Link-Tipps, die ich un-be-dingt kennen sollte? Lasst sie mir gerne in den Kommentaren hier!

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