Geschichte schreiben.

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Mir ist es mit den Jahren zunehmend wichtig geworden, meine Geschichte festzuhalten. Natürlich: Ins Internet habe ich schon immer viel geschrieben und schreibe auch immer noch einiges auf. Um auf das dort Zusammengetragene zurückzublicken, nutze ich seit einiger Zeit die App Timehop. Ich habe mit Timehop meine Instagram-, Facebook und Twitter-Accounts verknüpft. Um auf sehr alte Tweets zurückgreifen zu können, muss das Archiv angefordert und als ZIP-Datei hochgeladen werden – jetzt kann ich fast 26.000 Tweets (uff!) aus fünf Jahren Revue passieren lassen.

Das Jahr 2014 habe ich schon vielfältig in diesem Blog reflektiert und auch einen ersten, vorsichtigen Ausblick auf 2015 gewagt. Für mich privat werde ich das in diesem Jahr aber auch erstmals tun: Anhand der in diesem Blogpost formulierten Fragen. Schöne Fragen sind das, Fragen, die zum Nachdenken anregen und Antworten produzieren, die man vielleicht lieber wirklich nur mit sich selbst ausmachen sollte. What one event, big or small, are you going to tell your grandchildren about? oder If someone wrote a book about your life in 2014, what kind of genre would it be? A comedy, love story, drama, film noir or something else? zum Beispiel. What advice would you give your early-2014 self if you could? und Did any parts of your self or your life do a complete 180 this year? Und über How do you want to remember the year 2015 when you look back on it 10/20/50 years from now? denke ich immer noch nach.

Wenn ich in den vergangenen Jahren eines gelernt habe, dann, dass das Internet zwar einen relativ großen Platz in meinem Leben einnimmt, aber mein Leben keinen großen Platz im Internet braucht. Darüber habe ich hier schon einmal ausführlich geschrieben und jetzt, ein Dreivierteljahr später, ist dieser Artikel immer noch so wichtig und konkret für mich wie an dem Tag, an dem ich ihn – nachdenklich und zweifelnd, aber auch optimistisch und nach vorne blickend – verfasste. Lese ich fünf Jahre alte Texte oder auch drei Jahre alte, dann bin ich fasziniert von diesem Mädchen, das alles ins Internet hinausschrie, aber auch ein wenig besorgt. Ich möchte diesem Mädchen sagen: Pass auf dich auf. Pass auf das auf, was nur dir gehören sollte. Geh raus und mach deine Erfahrungen, anstatt sie dir zusammenzuspinnen. Und andererseits sitze ich heute nur als diese junge Frau, in dieser Version – der bestmöglichen? – hier und schreibe diese Zeilen, weil ich all diese Mädchen war, über die ich in der Retrospektive den Kopf schüttele, denen ich eine Standpauke halten will, die Wege gegangen sind, die von vornherein zum Scheitern verurteilt waren. Ich habe viel gelernt, in den vergangenen Jahren. Was ich tue: im freien Fall, im Angesicht ungewissen Ausgangs, während Konflikten, wenn ein Kind ausrastet, wenn jemand einfach so geht, auf endlosen Reisen, vor großen Herausforderungen, als Freundin, während eines Studienabbruchs, auf mich alleine gestellt… Vor einigen Tagen stolperte ich über diesen schönen Artikel, in dem eine große Schwester 50 Wünsche äußert, die sie für ihre kleine Schwester hegt. Rückblickend sind das Dinge, die ich mir für das Mädchen wünsche, das ich war, bevor all das passierte, was passiert ist. 1. The ability to fall in love with herself first. Ja, ja, ja!

Wie also will ich 2015 festhalten? Auch auf diesem Blog, ja, aber: Nicht nur. Ich habe einen Kalender und ein wunderschönes Notizbuch, ein Lesetagebuch und reflektiere seit einiger Zeit jeden Tag mit Hilfe von One Line A Day. Jedes Jahr nehme ich mir vor, ein Foto- und Erinnerungsalbum anzulegen. Vielleicht ist 2015 endlich das Jahr für diesen großen Wunsch? Ich will durch die letzten Jahre blättern können, mir beim Wachsen nachspüren können, innehalten, wenn ich an dieses eine Konzert denke oder an diesen einen Moment, bevor die Kamera klickte. Minimalisieren heißt für mich, sich von Ballast zu trennen, aber nicht, seine Erinnerungen wegzugeben. Nur durchs Erinnern vergesse ich nicht, warum ich leicht leben möchte.

Ich wünsche euch, dass ihr 2015 auch möglichst viele schöne Erinnerungen sammeln könnt und für euch passende Wege der Reflexion und Konservierung findet. Füllt leere Seiten, schießt Fotos mit Bedeutung (nein, das ist selten das 378. Instagram-Selfie mit X-Pro-Filter!), lest Bücher, die euch bis ins Mark treffen, umarmt, wer genug Gegendruck ausübt, steht immer einmal mehr auf, als ihr hinfallt. Atmet.

 

(Bild via shutterhacks.)

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3 Comments

  1. Und dann, am Ende des nächsten Jahres wird das Zurückblicken umso schöner – ich liebe das einfach, durch meinen abgenutzten Kalender am Ende des (Schul-)Jahres zu blättern und die Zeit Revue passieren zu lassen

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