I don’t know about you, but I’m feeling 22.

Everything will be alright
If we just keep dancing like we’re
22, ooh-ooh
22, ooh-ooh

Ich habe ziemlich gerne Geburtstag. Ich mag es, dass es an diesem einen Feiertag mal nur um einen selbst geht – was nicht heißen soll, dass ich um jeden Preis im Rampenlicht stehen will. Im Gegenteil, meistens bin ich mit der kleinen Bühne ziemlich zufrieden, ich muss nicht immer der Hauptact sein. Das haben mir Festivals und das Leben gleichermaßen gelehrt. Auf den billigen Plätzen sind die netteren Leute, auf den kleinen Hochzeiten gibt’s die schöneren Bräute. Ich schlafe lieber im Zelt als im teuren Hotel, die schönsten Dinge der Welt bekommt man ohne Geld. So oder so ähnlich ist es. Nichtsdestotrotz mag ich es, an diesem Tag innezuhalten und dankbar zu sein. Für das Leben, das mir geschenkt wurde und durch das ich mich eigentlich bisher ziemlich gut hindurchmanövriere. (Sieht man von kleineren Kollateralschäden ab jedenfalls. Und die geben bekanntlich Fahrpraxis und Sicherheit.)

Eine Freundin schrieb: ‚Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft und Ausdauer im Alltag und bei all deinen Plänen (und Nicht-Plänen), die deinen Beruf betreffen.‘ Das Wort Nicht-Pläne hat mich zum Schmunzeln gebracht. Sie gehen vielleicht nicht so weit, wie die mancher in meinem Umfeld, die auf „Hast du Freitag Zeit?“ ein absolut nicht böse gemeintes „So weit plane ich nicht“ antworten. Ich bin immer noch ein Listenmädchen, ein Kalendergirl, ein kleiner Kontrollfreak, der mit Karacho versucht, seinen persönliches Tanzbereich flauschig und heimelig zu machen und auszuloten, wer wie weit hineintanzen darf, in welchem Stil, zu welcher Musik, wie lange und was passiert, wenn nichts von dem stimmt, was eigentlich Gültigkeit hat. (Regeln sind dazu da, gebrochen zu werden.)

Weiter schrieb sie: ‚Du hast ja immer gesagt, dass du dich darauf freust, älter zu werden und ich hoffe, einfach, dass wir gemeinsam älter werden und ich dabei sein kann, bei deinem Weg.‘ Das hoffe ich auch. Ich werde wirklich gerne älter. (Noch?) Auch wenn ich zunehmend irritiert davon bin, von Kommiliton*innen gesiezt zu werden, die aussehen wie 16. („Können Sie mir sagen, welchen Bus ich zur Uni nehmen muss?“ Nein.) In den letzten Jahren wurde ich für 27 gehalten und, so erinnerte mich eine Freundin, erkundigte sich einst ein Bankberater, ob er sich verhört habe, da er davon ausging, ich sei 1982 geboren. (Ich weiß leider auch nicht mehr, was ich im Tag des Mauerfalls gemacht habe, fragen Sie gar nicht erst.) Ich schiebe das einfach mal alles auf meine alte Seele. Anti-Aging ist was für Weicheier.

We’re happy, free, confused, and lonely in the best way
It’s miserable and magical.

Als ich die Lyrics zum Taylor Swift Song googelte, stolperte ich auch über ’22‘ von Lily Allen, die in ihrem Lied einen ziemlich anderen Ton anschlägt.

When she was 22 the future looked bright
But she’s nearly 30 now and she’s out every night
I see that look in her face she’s got that look in her eye
She’s thinking how did I get here and wondering why

Vielleicht lesen wir uns einfach in 8 Jahren an dieser Stelle wieder und ich erzähle euch, wie es mir seitdem ergangen ist. Vielleicht habe ich in 8 Jahren eine eigene Familie und eigene Kita. (Ein optimistischer Fleck in meinem Herzen denkt immer noch, dass man diese verflucht große Alles haben kann, aber das werden wir dann sehen und nicht heute.) Vielleicht habe ich in 8 Jahren alle meine Pläne und Nicht-Pläne über den Haufen geworfen und gegen Neue ausgetauscht, vielleicht gibt es für mich im Jahr 2022 keine Pläne mehr, sondern nur noch den Moment. (Wer es so lange an meiner Seite aushält, bekommt einen Kuchen. Versprochen.) Ich bin ziemlich sicher, dass ich in 8 Jahren und an vielen Tagen, die es bis dahin zu durchleben, durchlieben und durchleiden gilt, ein Fazit ziehen werde, das Licht und Schatten hat. Ein Fazit voller Höhen und Tiefen. Wer wird noch an meiner Seite sein? Wer kommt neu dazu? Wo wache ich auf? Neben wem? Womit verdiene ich mein Geld? Habe ich mir endlich einen Hund erlaubt? Fragen über Fragen. Aufregung, wenn ich an die achtjährige Beantwortung denke, die vor mir liegt. Ein bisschen Ehrfurcht, bei der Vorstellung, was in acht Jahren alles passieren könnte. Optimismus, dass alles wird, wie es werden soll oder zumindest gut.

Im Februar möchte ich einen Brief an mich selbst schreiben, den ich in zehn Jahren öffnen werde. Zehn Jahre, wow, das ist eine verdammt lange Zeit. (Vielleicht sagen wir auch einfach, ich öffne ihn an meinem 30. Geburtstag?) Doch wenn ich überlege, in was für einem Tempo die letzten vier Jahre vergangen sind, dann frage ich mich manchmal, wie lange ich mich auf dieses Älterwerden wohl noch freuen werde. Wann ich das erste Mal denken werde: Das geht mir jetzt alles irgendwie einen Schritt zu schnell. Wo ist die Notbremse? Kann mal kurz wer mein Airbag sein? Manchmal würde ich gerne zu dieser kindlichen Unbedarftheit zurück, besonders im Hinblick auf Zeitempfinden. Erinnert ihr euch noch an diese schier endlos scheinenden Nachmittage im Garten? An Sommerferien, die so lang waren und fast frei von Verpflichtungen, dass ihr an manchem lauen Juliabend das Gefühl hattet, sie würden niemals enden? An das Warten auf Weihnachten? Ich will das zurück. Ich will nicht mit dem Kopf bereits im Februar sein, bei den Klausuren. Im Sommer bei meinem Pflichtpraktikum. Ich will im Hier und Jetzt sein. Und andererseits will ich Dinge, die das Schweben über der Zeit unmöglich machen. Ich will Weiterbildungen machen und mein Studium nicht nur bezwingen, sondern auch meistern. Ich will arbeiten und auf Festivals fahren und in 2015 ein paar mehr Lieblingsmenschen herzen, als es mir in diesem Jahr, aus unterschiedlichen Gründen, möglich war. Ich will, ich will, ich will. Mein Kompromiss ist: Pläne für die nächsten 12 Monate machen und zu so ziemlich allem danach vorläufig „Nein“ sagen. Gedanken wie „Doch noch einen Master machen?!“ oder „Wird es mir gelingen, ein zweites Standbein im Fortbildungsbreich aufzubauen“ habe ich liebevoll aber bestimmt in die letzte Ecke meines Hinterkopfes verbannt, wo sie bleiben dürfen, bis ihre Zeit gekommen ist. Und jetzt male ich in dem Malbuch für Erwachsene, das ich heute geschenkt bekommen habe. Mit Geschenken hatten meine Menschen dieses Jahr wirklich ein Händchen: Ich habe einen selbstgebastelten Kalender bekommen, der weitestgehend ein riesengroßer Insider ist und auf dem bei jedem Monat mein geplantes kleines Projekt vermerkt ist. Wein (Lasagne ohne diesen Wein? Kaum mehr vorstellbar!) und Schokolade. Ein Festivalticket, eine riesengroße Mohnblumentasse, die, so möchte man meinen, für zwei Portionen Tee reicht und etwas Geld. Selbstgestrickte Socken. Kurz: Viel, das in die Kategorie Verbrauchsgegenstand fällt oder einen bestimmten Zweck erfüllt, mir eine mutmaßlich fantastische Erinnerung beschert oder für schöne, entspannte Stunden sorgt. Über meine viel zu große Tassensammlung mache ich mir erst Gedanken, sobald sich mein Hausrat nicht mehr auf zwei Haushalte verteilt… (Die komischen Diddl-Tassen aus den 90ern lasse ich einfach künftig strategisch in den Kitakaffeeküchen stehen, die meinen Berufsweg pflastern werden…)

Dass mein Geburtstag so dicht am Jahresende liegt, lädt immer wieder dazu ein, das Revuepassieren des Lebensjahres mit dem des Kalenderjahres gleichzusetzen. Ob ich das wohl anders handhaben würde, wenn ich ein Sommerkind wäre? Jedenfalls werde ich mich jetzt hinsetzen und in dem Büchlein blättern, in das ich vor einem Jahr Wünsche für das kommende (Lebens)Jahr schrieb. Wünsche – nicht Pläne, Ziele, feste Vorhaben. Ein paar Ideen, was gut und glücksstiftend für mich in 2015 sein könnte, habe ich damals dort notiert und mit niemandem geteilt. Mit keiner Freundin. Keinem sozialen Netzwerk. Mit niemandem. Ein paar Wünsche habe ich als in Erfüllung gegangen im Hinterkopf. Und, sein wir ehrlich: Das waren so ziemlich die verrücktesten Wünsche, als ich meinen Wunschzettel niederschrieb. Ich hoffe, diese Verrücktheit begleitet mich, wenn ich gleich einen neuen schreibe und nimmt mich ohne Rücksicht auf Verluste im neuen Lebensjahr an die Hand. Ich habe keine Lust, mich in eine Koalition mit Angst, Zweifel und Elend zu begeben. Die 365 Tage, die mich von der 23 trennen, sollen fabelhaft werden. Oder zumindest: So fabelhaft wie möglich. Ich will für 2015 und für das neue Lebensjahr nicht alles, aber viel.

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