Antworten ohne Zögern.

Gerade ist bei mir ziemlich los, ziemlich vieles ist im Umbruch, in Bewegung, in irgendeinem Prozess, in den ich zu sehr involviert bin, als dass ich abschätzen kann, wie er wohl ausgehen könnte. Ich sortiere Zwischenmenschliches, Besitztümer und Pläne von rechts nach links und wiege ab, was bleiben darf, was kommen soll, was zu viel ist. Auf viele Fragen habe ich sehr konkrete Antworten. Antworten, die ohne Zögern kommen und die sich so richtig anfühlen, dass ich mit Konfetti werfen und alle Herzensmenschen anrufen und ihnen darüber das Ohr abkauen möchte. Andere Fragen, zu deren Beantwortung muss ich da hin gehen, wo es weh tut – und vielleicht noch einen Schritt weiter. Es geht um Befindlichkeiten und darum, dass die eigenen Zwanziger vielleicht auch bedeuten, zu lernen, wie man Nein sagt, wie man die eigenen Grenzen absteckt, wie man Schlussstriche zieht unter die Dinge, die mal richtig waren, unter zwischenmenschliche Beziehungen, die man unter der Kategorie Anker verbucht hatte und die einen mittlerweile eher runterziehen, als ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln.

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Ich blicke vorfreudig über den Kalenderrand und freue mich auf 2015. Ich freue mich sogar sehr. Zum einen, weil ich Anfang Januar einen neuen Job antrete, der ziemlich viel von dem mitzubringen verspricht, was ich mir für eine Kita – genauer noch: eine Krippe, denn ich werde nur mit Kindern unter 3 Jahren arbeiten – erhoffe. Eine junge, neue und dynamische Einrichtung, mit der ich die ersten Schritte gehen darf. Und wer weiß: Vielleicht wird daraus ja auch die erste richtige Vollzeitstelle? (Etwas, das ich mich im Moment nur zu flüstern traue, aber wenn alles so läuft, wie ich mir das gerade vorstelle, dann suche ich ab nächsten Spätsommer eine Beschäftigung in Vollzeit, da ich wahrscheinlich nur noch meine Thesis schreiben muss und mir der Tipp gegeben wurde, mich mit vorläufigem Zeugnis zu bewerben.) Etwas anderes, das Vorfreude schürt: Ich habe mich entschieden, die Weiterbildung zur Familienbegleitung von Anfang an bei der Gesellschaft für Geburtsvorbereitung zu machen. Das bedeutet für mich zwar konkret erstmal, dass ich ein bisschen mein Geld zusammenhalten muss, aber auch Dank des neuen Jobs und größerer Ersparnisse, bin ich da optimistisch und relativ unbesorgt. Im April habe ich einen Einführungstag und dann werde ich entscheiden, ob ich diesen Weg wirklich gehen möchte (aktuell gehe ich fest davon aus und bin ein Vorfreudebündel). Ziel dieser Weiterbildung ist es, die Kompetenz zu erwerben, „Mütter und Väter in der Zeit der Schwangerschaft, Geburt, des Wochenbetts und in der Anfangszeit des Elternseins kompetent durch Kursangebote oder mit Einzelangeboten zu begleiten“. Ich bin ziemlich aufgeregt, mit was für Leuten ich in der Weiterbildung so zusammensitzen werde, da diese ab 23 Jahren ist und ich erst Ende nächsten Jahres diesen Geburtstag feiern darf. Werde ich das Küken sein? Wie wird die Atmosphäre sein? Werden die Inhalte gut und didaktisch überzeugend vermittelt? Wird es mir leicht fallen, nach der Weiterbildung in die Familienbildung einzusteigen, was ich aktuell als zweites Standbein plane? Fragen über Fragen und so viele Unwägbarkeiten, die es nun erstmal auszuhalten gilt.

Manche (Arbeits-)Wochen sind wie verhext. Zwistigkeiten im Kollegium. Eltern, die so wenig weiter wissen, dass das Wort Arschlochkind fällt, über das eigene Kind, und Tränen fließen. Momente, in denen ich geduldiger hätten sein sollen (tut mir leid, S., dass deine nach dem Händewaschen plötzlich nassen Jackenärmel mich etwas ungehalten haben werden lassen, weil ich mich so schlecht in das Problem hineinfühlen konnte, dabei hätte mein Dreijähriges Ich dir bestimmt sofort zugestimmt, dass das alles kakapupsdoof ist und man unter keinen Umständen mit minimal feuchtem Anorak wieder in den Sand gehen kann). Manchmal strengt es an, in jeder Gruppe ein bisschen und in keiner so ganz zu sein, aber ich will mich nicht beschweren: Dafür bin ich als Springkraft da, dadurch habe ich über 100 einzigartige Kinder und sehr gegensätzlich arbeitende Kolleginnen kennen lernen und von ihnen lernen dürfen. Meine letzten Tage sind in dieser Einrichtung gezählt – obgleich ich eventuell noch ein paar Stunden pro Woche ab irgendwann nächstes Jahr angeboten bekommen werde und ich sehen muss, ob dieses Angebot in meinen Zeitplan passt. Ansonsten habe ich auch noch vor ein paar Tagen ein Angebot der Einrichtung, in der ich das erste Halbjahr 2014 im Krippenbereich gearbeitet habe, in meinen E-Mails gehabt, dort wird eine Krankheitsvertretung gesucht. Es bleibt also durchaus spannend und kann gut sein, dass ich neben dem neuen Krippenjob noch einer alten Wirkungsstätte erhalten bleibe.
Die letzten Tage, die ich nun de facto in meiner aktuellen Einrichtung verbringe, will ich vor allem das Schöne genießen: Zu zweit mit zwei Krippenwagen die entlegensten Ecken der Stadt erkunden, sodass ich am nächsten Tag mit Muskelkater in den Armen aufwachte (zusammen seid ihr so viel schwerer und stärker als ich, verrückt!). Bilderbücher vorlesen bis zur Heiserkeit, mit Glitzerstaub Klebebilder verzieren, zehn Runden Halli Galli spielen, obwohl das Spiel Albtraumpotzenzial hat. Besonders inbrünstig Weihnachtslieder schmettern. Die Kolleginnen fragen, wie sie Weihnachten feiern. Abschied nehmen – von Kindern, Kolleginnen und dem Ort, in den ich ein Jahr lang immer wieder gefahren bin und den ich vermutlich nicht erneut aufsuchen werde, wenn dieser Job ausläuft. Verrückt, wie schnell ein Jahr rumgeht. Verrückt, von wie vielen Kindern ich schon Abschied nehmen musste (und in den nächsten vielen Berufsjahren noch Abschied nehmen werde).

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Auch an der Uni gibt es solche und solche Wochen. Manche Wochen geben Aufwind, machen Spaß, sind lehrreich und wecken fast ein bisschen Wehmut, dass es bald vorbei sein wird (und abgesehen von der Thesis sogar zwei Semester eher, als vorgesehen). Andere Woche sind fies. In diesen Wochen rennt man vor institutionelle Wände, hört sich schlechte Referate an, zankt sich mit Lehrenden, mauschelt sich irgendwie durch, wird von der Aufgabenlast erschlagen, kriegt Atemnot vor lauter Klausurpanik, obwohl bis dahin noch zwei Monate Zeit sind, geht sich gehörig selbst auf den Keks und ist so, so froh, dass es bald vorbei sein wird. Noch eine Woche bis zu den Weihnachtsferien – die zwar zum Krafttanken vorgesehen sind, die aber auch schon sehr aktiv zur Klausurvorbereitung genutzt werden müssen, wenn ich im Februar nicht heulend von allen Klausuren zurücktreten will.

Auch 2014 möchte ich mich wieder bei euch bedanken: Für die lieben Worte, fürs stille Andiehandnehmen, fürs Zuhören und Anschubsen, immer dann, wenn es nötig war. Ich wünsche euch schöne letzte Dezembertage und hoffe, dass ihr auch ein wenig zur Ruhe kommen könnt, um mit viel Energie in 2015 zu starten.

Eure Mirka

(Bilder via landerer und Helgi Halldórsson)

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2 Kommentare

  1. Also, ich find dich gut. Danke für anregende Tweets. Die taten mir oft gut. Dein Sprachgebrauch haut mich immer wieder um. Jemand der im Alltag an deiner Seite sein darf, hats gut. Die besten Wünsche für 2015!

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