Alle Augen auf dich – Gina Meyer.

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Alle Augen auf dich von Gina Meyer
336 Seiten, (Jugend-)Thriller
erschienen am 21. Juli 2014

Inhalt: Eine Entführung, die online übertragen wird; Lösegeld, das per Crowdfunding finanziert werden muss – Gina Mayer erzählt einen spannenden psychologischen Thriller über das Verbrechen im Zeitalter von YouTube und Facebook. Myriam Bellinger, Star der Internetserie Missing, wurde entführt. Die Täter hinterlassen keine Spuren, und Hauptkommissarin Amelie Fröhlich, die die Ermittlungen leitet, tappt völlig im Dunkeln. Da erscheint auf der Fanpage der Serie ein Videoblog. Man sieht – Myriam Bellinger, gefesselt, misshandelt und gefangen in einer winzigen Zelle. Tag für Tag kann die schockierte Öffentlichkeit Myriams Leiden nun online mitverfolgen. Dabei scheint sie sich zunehmend in einen ihrer Entführer zu verlieben. Die Kommentare der Internetgemeinde werden immer emotionaler, und die Klickzahlen schießen in die Höhe. Erst recht, als die erste Lösegeldforderung eintrifft: Zwei Millionen Euro, zu finanzieren über Crowdfunding!

Meinung: Eine entführte Jungschauspielerin, ein verzweifelter Freund mit Erinnerungslücken, ein ratloses Ermittlerteam – alle haben sie den selben Feind: Die Zeit. Jede Minute, die Myriam Bellinger, Darstellerin in einer Low-Budget-Serie, die im Internet gestreamt werden kann, in der Gewalt unbekannter Täter verbringt ist eine Minute zu viel. Vor allem, wenn die Ermittelnden vollkommen im Dunkeln tappen.

Ich lese relativ selten Krimis und Thriller, „Alle Augen auf dich“ hat mich aber von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen. Mir gefällt, aus welchen Perspektiven die Geschichte erzählt wird. Zum einen schauen wir Hauptkommissarin Amelie über die Schulter, die einen Haufen privater und beruflicher Komplikationen mit sich bringt, und die immer wieder das Gefühl hat, dem Bellinger-Fall nicht gewachsen zu sein, vor allem auch, da ihr intern Steine in den Weg gelegt werden. Zum anderen ist da Jo, der Partner von Myriam Bellinger, der einen relativ lockeren Umgang mit Alkohol und Drogen pflegt und immer wieder auf Erinnerungslücken stößt, die es zu füllen gilt. Diese Mischung – das offizielle Ermitteln Amelies und das unprofessionelle Zusammenpuzzeln von Erinnerungsfetzen Jos – hat mir extrem gut gefallen, da sich so nach und nach ein Gesamtbild zusammenfügt.

Im Laufe der Geschichte entwickeln sich immer neue Thesen, wer für Myriams Entführung verantwortlich sein könnte (es gibt zahlreiche Personen mit einem glaubwürdigen Motiv). Die Auflösung hatte ich eingangs bereits kurz vermutet, irgendwann aber wieder verworfen, sodass ich am Schluss doch ein wenig überrascht war. Gefallen hat mir auch, dass das Internet eine relativ große Rolle spielte, dadurch, dass Myriams Entführung teilweise via Webcam übertragen wurde und dass versucht wurde, sie mit Crowdfunding freizubekommen. Auch den Einblick in die Welt kleiner Streamingserien fand ich schön.

Eine Zielgruppe würde ich nicht explizit eingrenzen. Ich denke, regelmäßige Thriller-Leser*innen dürften hier Tempo und Brutalität vermissen, wer aber gelegentlich in dieses Feld abtaucht und vor allem auch Interesse an privaten Hintergründen aller Beteiligten hat, der ist genau an der richtigen Adresse bei „Alle Augen auf dich“. Ich lege es außerdem allen ans Herz, die beim Lesen Zerstreuung suchen, etwas, das man als Ausgleich zum stressigen Alltag gut weglesen kann, ohne das Gefühl zu haben, eine anspruchslose, vor sich hinplätschernde Geschichte serviert zu bekommen – spannend ist Gina Meyers Werk nämlich definitiv und ich werde auch ihren anderen Jugend-Thriller bei Zeiten lesen.

Herzlichen Dank an Script5 für das Leseexemplar.
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