Fazit.

Vergangenen Montag hatte ich meinen letzten Praktikumstag und ich kann sagen: Jeder Tag dieses Praktikums hat sich angefühlt wie Nachhausekommen. Wir erinnern uns: Die Einrichtung habe ich im vergangenen Spätsommer bereits kennen gelernt, damals im Rahmen eines Orientierungspraktikums, das mir sehr viel Aufwind gegeben hat. Deswegen war mir auch recht schnell klar, dass ich gerne in diesem Jahr zurückkehren würde, was auch auf Seiten der Einrichtung auf Begeisterung stieß.

Ich empfinde es als spannend, in was für einer veränderten Rolle ich in die Einrichtung zurückgekehrt bin. Hatte ich in meinem Orientierungspraktikum zwar auch das Gefühl, dass mir viel zugetraut wurde und ich viel machen und auch erproben durfte, dann habe ich jetzt das Gefühl, dass man mich dieses Mal wirklich als (angehende) Erzieherin wahrnimmt. In der ersten Woche, die von der Uni her zur „Orientierung“, als zum Kennenlernen von Abläufen, Kolleg*innen, Kindern und der Einrichtung an sich, vorgesehen ist, habe ich zum Teil Dinge gemacht, die ich bisher nicht einmal in meinen beiden bezahlten Anstellungen gemacht habe: Längere Zeit alleine im Schlafraum 20 Kinder über 3 beaufsichtigen etwa. Oder vier U3-Kinder komplett alleine in den Mittagsschlaf begleiten. Ich habe das Gefühl, dass ich noch einmal ganz viel Erfahrung, Selbstvertrauen und Neugier auf Mehr aus diesem Praktikum mitnehmen werde. Erstmals verspüre ich den starken Wunsch, selbst gestalten zu wollen: Mir einen Lieder-Ordner anzulegen, spontan Bastelangebote mit den Kindern umzusetzen, Elterngespräche führen… Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es nicht mehr lange dauert und ich mich wirklich als Erzieherin sehe, als bereit für das, was da auf mich warten mag, als fertig.

Vor kurzem ist „Das Spiel- und Bewegungsliederbuch“ ins Haus geflattert, weil ich mehrfach die U3-Kinder ins Bett gebracht und beim Einschlafen begleitet habe. Wo da der Zusammenhang besteht? Ich habe gemerkt, dass ich – danke katastrophales Textgedächtnis! – auch nach einem Jahr im Kitabereich quasi kein einziges Lied oder Fingerspiel auswendig kenne, das ich mit den Kindern vorm Einschlafen zum Runterkommen hätte singen oder gestalten können. Nun also mein Vorsatz: Zwei Lieder/Fingerspiele pro Woche bis zum Jahresende neu lernen. Mal gucken, wie wacker ich mich dabei schlage – begonnen habe ich mit „Das Lied über mich“, das ich tatsächlich auch schon mit den Kindern gesungen habe. Dabei mal wieder festgestellt: Klappt zwar besser als am Anfang, aber Singen wird vermutlich nie meine große Leidenschaft.

Natürlich habe ich auch Praktikumsaufgaben von der Uni mit in die Einrichtung gebracht, darunter etwa die Gestaltung eines Angebotes, basierend auf einer wahrnehmenden Beobachtung. Sagen wir so: Dieses Wochenende bin ich sehr damit beschäftigt, zu reflektieren, warum das, was ich mir vorgenommen hatte, so absolut gar nicht geklappt hat. Die Idee war eigentlich: Mit den Kindern ein Bild malen und es dann zu einem einfachen Puzzle zerschneiden (je nach Alter des Kindes zwischen 8 und 20 Teilen). Eine wahrnehmenden Beobachtung, die mich auf so ein Interesse hingewiesen hatte, hat es natürlich auch gegeben: Ich habe gesehen, wie Kinder am Maltisch Bilder gestalteten und sie dann zerschnitten oder auch zerrissen und teilweise versuchten, sie wieder zusammenzusetzen. Außerdem habe ich einige ältere Kinder begeistert Puzzlen sehen. Kurz: Die Idee, ein Puzzle mit den Kindern zu gestalten war relativ naheliegend und in sich schlüssig. Aber wenn ich eines aus der Arbeit mit Kindern mitnehme, dann, dass Pläne ziemlich unsinnig sind. Die Kinder zeigen und sagen einem schon ziemlich deutlich, worauf sie heute Lust haben. Worauf sie Montag definitiv keine Lust hatten? Auf Puzzle. Irgendwie hat sich am Basteltisch eine Eigendynamik entwickelt, die ich weder richtig stoppen konnte, noch wollte, da unsere Vorgabe war, den Interessen der Kinder zu folgen. Deswegen habe ich mit insgesamt 7 Kinder die hässlichsten Masken gebastelt, die ich jemals gesehen habe (ich war schließlich nicht darauf vorbereitet, sowas zu basteln und sie hatten auch ihre ganz eigenen Vorstellungen, wie ihre Masken so aussehen sollten…). Ansonsten habe ich mich noch in einer Frühstücksszene mit den Kindern filmen lassen, die wir im Nachbereitungsseminar analysieren werden. Solche Situation sind immer reichlich chaotisch und unübersichtlich und wenn man sich dann auch noch etwas von der Kamera beobachtet fühlt… Puh!

Vermutlich ist dieses Ungeplante, dieses Situative und Spontane, das, was mir am Wechsel meines Arbeitsumfeldes am schwersten gefallen ist. Zuvor habe ich mir Teile meines Lebensunterhaltes mit dem Schreiben verdient: Für die Lokalpresse schrieb ich über tagesaktuelle Geschehnisse und für eine Computerfirma Marketingtexte. Dort war mein Arbeitsalltag stets durch Termine oder durch Abgabefristen strukturiert. Natürlich: Jeder Tag sah irgendwie anders aus. Aber: Der Rahmen war stets der gleiche und es gab selten Faktoren, die alles, wirklich ALLES, auf den Kopf gestellt haben. Kinder sind solche Faktoren. Kein Tag gleicht dem anderen, kein Plan verläuft so, wie er im Kopf ausgeklügelt wurde, sei er in der Theorie auch noch so klug und toll für alle. Den ersten Aha-Moment hatte ich, als ich mit einer 3-jährigen im vergangenen Winter versucht habe, Halli Galli zu spielen. (Ein Spiel, das ich wirklich, wirklich, WIRKLICH verabscheue.) Erst hatte ich „Hilfe, die versteht die Regeln nicht, wie erkläre ich ihr das jetzt, kann doch nicht sein, dass wir kein Spiel hinbekommen“-Panik, dann habe ich festgestellt, dass es manchmal ganz clever ist, einfach dem zu folgen, was das Kind für richtig hält und schließlich haben wir nach ihren recht kreativen und ziemlich dürftigen Regeln gespielt, aber irgendwie Spaß dabei gehabt. (Vor allem sie und das ist doch das wichtigste!) Regeln erlernen, dass können Kinder im Laufe ihrer Kindergartenzeit – das muss nicht von den einen auf den anderen Tag alles klappen. Wäre schließlich auch ziemlich langweilig.

Ich habe lange überlegt, wo mein zweites Blockpraktikum stattfinden soll. Ich habe an Waldkindergärten gedacht und an Bauernhofkitas. Wirklich überzeugt hat mich keine Lösung, die meisten dieser doch eher exotischen Einrichtungen liegen geographisch nicht in Reichweite, vor allem auch, da ich meine Semesterferien gerne in der Heimat verbringe. Also werde ich nun abklären, ob es von Uniseite her möglich ist, zwei Praktika in der gleichen Einrichtung zu absolvieren. Klar, sonderlich freuen wird sich die Praktikumsberaterin darüber nicht, aber da ich bisher keine Regelung schwarz auf weiß finden konnte, denke ich nicht, dass es irgendeine Handhabe gegen meinen Wunsch gibt. Ich sehe ein, dass wir im Rahmen von Praktika viele verschiedene Einrichtungen kennen lernen sollen, aber das tue ich im Rahmen meiner Arbeit schon, die bisher ja durch befristete Verträge gekennzeichnet ist. Aktuell bin ich im Bewerbungsprozess auf eine Stelle als Ergänzungskraft in einer Krippe, die zum neuen Jahr in Frankfurt neu eröffnet. Ich denke, das wäre eine richtig spannende Erfahrung: Eine Einrichtung von Tag 1 an irgendwie mit zu begleiten.

Was sonst noch in meinem Leben passiert ist? Da wir uns dieses Jahr über einen riesengroßen Ansturm an neuen Erstsemestern in unserem Studiengang erfreuen dürfen, bin ich nun tatsächlich Mentorin für eine Gruppe neuer Studierender, die ich ab Montag unter meine Fittiche nehmen werde. Das dazugehörige Mentor-Training hatte ich Dienstag und Mittwoch und weiß nun so ziemlich alles, was man über Prüfungsordnungen, Studienverlaufspläne und Hierarchien an der Uni wissen kann.

Am Donnerstag stand außerdem ein Besuch in meiner alten Krippengruppe an. Wir haben zusammen gefrühstückt und waren spazieren und ich muss echt sagen, dass ich mich total gefreut habe, die Kinder und Kolleginnen wieder zu sehen. So ganz loslassen kann ich irgendwie doch nicht, obwohl ich dort Ende Juli meinen letzten Tag hatte und mein Zepter an eine Anerkennungspraktikantin abgegeben habe.

Nach der Begleitung der Einführungswoche geht auch für mich die Uni wieder los – dieses Semester mit einem Stundenplan, der mir jetzt schon erste Schweißperlen auf die Stirn treibt. Diverse Klausuren, Referate, Essays, Hausarbeiten… Wenn ich jetzt nicht endlich lerne, strukturierter in den Unialltag zu gehen, werde ich vermutlich spätestens im Januar einen mittelschweren Nervenzusammenbruch erleiden. Warum mein Stundenplan so voll ist? Weil ich die spontane Eingebung hatte, Veranstaltungen aus dem 5. Semester vorzuziehen, da ich gerne nach hinten raus mehr Luft hätte (auch zum Arbeiten, aber ebenso für meine Bachelorarbeit und die Suche nach meiner ersten richtigen Festanstellung) und lieber zwei krasse Semester durchziehen möchte, als vier weitere Semester irgendwie so vor mich hinzudümpeln. Blockseminare stehen auch noch zwei auf dem Programm, sodass auch vier Wochenenden dahin sind. Aber insgesamt überwiegt aktuell die Vorfreude: Ich freue mich, endlich voran zu kommen in meinem Studium und wenn diese beiden Semester „überstanden“ sind, werde ich über eine ganze Menge Wissen verfügen und in den Endspurt meiner Ausbildung starten.
Außerdem wird in der Woche auch mein Job in einer Kita 30 Kilometer von Gießen entfernt weitergehen, wo ich im vergangenen Semester nur wenige Stunden pro Woche neben meinem Job in einer Krippe gearbeitet habe. Bis Ende des Jahres werde ich das Team dort, nun primär ebenfalls in der Krippe, etwa 10 Stunden pro Woche unterstützen.

Außerdem gibt es endlich mal konkretere Pläne, Freund*innen wiederzusehen, die ich schon seit einigen Monaten bis hin zu über einem Jahr nicht mehr gesehen habe. Ein Besuch in meiner alten Studienstadt Göttingen steht auf dem Plan, ebenso wie der Kongress Macht.Wachstum.Glück, auf den ich mit einer lieben Freundin fahren werde. Thematisch passt mir der Kongress ganz wunderbar in den Kram, bin ich doch immer noch dabei, fleißig zu reduzieren, Kaufentscheidungen viel genauer zu hinterfragen und gefühlt kistenweise Dinge zu verschenken. Ich habe mich sogar spontan dazu entschlossen, mein altes iPhone reparieren zu lassen und wieder darauf umzusteigen, das neuere Gerät verkaufe ich nun. Nach einer Lösung, das frisch gesplitterte Display meines iPod Touch der 3. Generation zu reparieren, bin ich noch auf der Suche. Vielleicht im Repair-Café auf dem Kongress? Falls jemand einen anderen Tipp hat: Immer her damit, das Teil macht zwar in Elektrogerätjahren Jopie Heesters Konkurrenz, bis auf den Displayschaden tut es aber noch ganz wunderbare Dienste.

Viel steht an in den nächsten Wochen, bis Ende Februar wird vermutlich wenig Raum zum Durchatmen bleiben, aber nützt ja nichts, also: Packen wir’s an!

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