Happy Midyear V.

2. Juli 2014. Sechs Monate gelebt. Happy Midyear.

Dieses Jahr kam „Midyear“ so plötzlich, dass ich erst jetzt dazu komme, mich hinzusetzen und meine Gedanken zu dem halben Jahr, das hinter mir liegt, zu sortieren. Ich habe mich auch hingesetzt, um noch einmal die letzten vier Midyear-Postings zu lesen. Wie weit ich gekommen bin, wie viel ich erlebt und gesehen habe, wie anders mein Leben heute ist. Und: Wie anders es jedes Jahr aufs Neue war.

2010, Jahr 1:
Meine Ziele sind klarer als jemals am Horizont.
In ziemlich genau einem halben Jahr bin ich 18. Noch 22 Monate, dann habe ich die Abiturprüfungen hinter mir.

2011, Jahr 2:
Ich habe viel ausgehalten und ausgesessen, aber noch viel mehr habe ich in die Hand genommen, bezwungen, erlebt, erfahren.
Einmal blinzeln und ich habe Abi.
Ich hoffe, dass ich in 6 Monaten immer noch sagen kann: Dieses Jahr, das hat mir gehört.

2012, Jahr 3:
Ich bin froh, dass für mich und die Schule ein Happy End vorgesehen war. Ich bin froh, froh, froh und atme durch und werfe die Unibewerbungen in den Briefkasten, bald.
Musik, Musik ist wichtiger denn je. Band-Shirts und Festivals, warum seid ihr erst so spät zu mir gekommen? Aber: Besser spät als nie.
Ich werde umziehen, mit dem Studieren beginnen (sehr wahrscheinlich Politikwissenschaft und Philosophie, in Göttingen, hoffentlich), ein bisschen zur Ruhe kommen, vielleicht.
Das Jahr ist noch lang. Das Leben hoffentlich auch.

2013, Jahr 4:
Zeit, ein Fazit zu ziehen, ein erstes, vorsichtiges. Zeit, dorthin zu gehen, wo es zwickt: Dahin, wo ich immer wieder gescheitert bin, in den letzten Wochen.
Der Gedanke, dass ich vor einem Jahr davon überzeugt war, einen Bachelor in Philosophie und Politikwissenschaft zu machen: Ziemlich, ziemlich verrückt.
Wenn Plan A nicht klappen sollte, liege ich vermutlich einen Monat heulend im Bett.
Wenn ich mit etwas umzugehen gelernt habe, dann ist es Unverständnis. Es gibt kein schöneres Gefühl, als das „Das ist es. Das ist es sowas von“-Gefühl.

Wow. Gänsehaut. Das „Das ist es. Das ist es sowas von“-Gefühl hat mich keinen Tag verlassen, den ich in der Kita gearbeitet habe. Keinen Tag bin ich mit schlechter Laune hingegangen oder nach Hause gekommen. Ich freue mich jeden Morgen beim Aufwachen (aktuell sind es drei Tage, die für mich in der Kita beginnen) auf „meine“ Kinder und die Vorstellung, dass mein Arbeitsvertrag in der Krippe zum 31.7. ausläuft, also nur noch 6 Arbeitstage vor mir liegen, macht mich wirklich traurig. Das Abschiednehmen beginnt jetzt schon langsam. Ich mache mir Gedanken darüber, welchen Kuchen ich zum Abschied backen will, welches Bilderbuch oder Puzzle ich den Kindern schenken möchte. So viele letzte Male, in dieser Einrichtung, mit diesen Kindern. Aber: Mein anderer Job wird zum Herbst eventuell verlängert, so ganz wird mich die Praxis also auch im dritten Semester nicht gehen lassen.

Ich habe im März dem WG-Leben den Rücken gekehrt. Hoffentlich endgültig, aber das kann man ja nie so genau wissen. Ich wohne mittlerweile in einer gemütlichen, frisch und energieeffizient sanierten Einzimmerwohnung in einem etwas abseits gelegenen Stadtteil meiner Studienstadt. Dort ist alles eher klein und beschaulich, wenn ich Joggen gehe, dann bin ich in drei Minuten im Grünen. Ich liebe es, alleine zu wohnen, das Gefühl, die Tür hinter mir zu schließen und jetzt einfach mal nur für mich zu sein. Meine Wohnung, meine Regeln, meine Pflichten. Sollten keine höheren Mächte dazwischenfunken, dann werde ich dort für den Rest meines Studiums wohnen bleiben. Dass ich in zwei Jahren, wenn alles gut läuft als Kindheitspädagogin, der Stadt den Rücken kehren werde, kristallisierte sich aber schon recht bald heraus. Ich freue mich darauf, in zwei Jahren zurück nach NRW zu gehen, meine Zelte vielleicht in Münster, Köln oder Düsseldorf aufzuschlagen. Wo auch immer ein reizvoller Krippenjob auf mich warten mag.

Was mir in der ersten Hälfte des Jahres passiert ist, lässt sich schwer in Worte fassen. Anstrengend waren die ersten sechs Monate des Jahres, voll, erschöpfend, manchmal fast überfordernd. Ich musste gut organisieren und planen, um dem gerecht zu werden, was ich von mir, meinem Leben und meinem Alltag erwarte. Kein Tag glich dem anderen, es erwarteten mich stets neue Herausforderungen. Aber: Das war auch das Tolle. Das letzte halbe Jahr war voller Abenteuer, voller Zaubermomente, die man am liebsten für immer bannen wollte, voller Glück, Freude und Lachen. Es darf gerne so weitergehen, in der zweiten Hälfte 2014: Anstrengend, aber glücklich.

Reisen kommen in diesem Jahr – leider! – relativ kurz. Potenzielle Reisepartner*innen und ich sind terminlich einfach nicht auf einen gemeinsamen Nenner gekommen und deswegen ist es gut möglich, dass das Meer und ich dieses Jahr nicht Wiedersehen feiern können. Die Festivalsaison gestaltet sich dieses Jahr irgendwie auch recht beschwerlich: Zwei Festivals, für die eigentlich schon Tickets vorhanden waren, fanden und finden ohne mich statt. Was die Vorfreude aufs Appletree Garden Festival (das dritte Jahr in Folge, hallo Tradition!) ins schier Unermessliche hat wachsen lassen. Freund*innen, Campen, interessante Bands, tolle Atmosphäre… Hach! Außerdem: Im September Berlin Festival. Zum ersten Mal Berlin dieses Jahr – auch hier: Vorfreude.

Wie in den vergangenen Jahren möchte ich auf mein kulturelles Halbjahr zurückblicken. Optimistisch würde ich schätzen, dass ich etwa 10 Bücher gelesen habe. Über die Qualität dieser Bücher möchte ich aber nicht näher sprechen. Um wieder mehr zu lesen, habe ich gerade aber ein kleines Projekt gestartet, dass mich durch den Sommer begleiten wird. Zudem habe ich mir vorgenommen, neben Unterhaltungsliteratur und veganen Koch- und Backbüchern, künftig auch immer mal wieder pädagogisch spannende Bilder- und Kinderbücher zu rezensieren. Die Serienwelt hat mich auch gelegentlich begrüßen können, wenngleich auch eher für Rewatchs. Meistens komme ich abends ziemlich kaputt nach Hause und dann genieße ich es, in mir bekannte Wohlfühlwelten einzutauchen (Stars Hollow, immer wieder!). Einige neue Serien habe ich für die nächsten Wochen aber dennoch auf dem Schirm, auch wenn ich ziemlich sicher bin, dass Serien auch in Zukunft keinen so hohen Stellenwert mehr genießen werden, wie in früheren Jahren.

Ich freue mich auf das, was die nächsten Monate für mich bereithalten werden: Zum ersten Mal Drittsemester sein (und somit im fünften Hochschulsemester, uff!), laut Modulhandbuch warten endlich spannendere und in der Praxis dienlichere Veranstaltungen auf mich, vor allem auf den zweiten Teil des Professionalisierungs-Moduls freue ich mich irrsinnig. Vielleicht bald Freundinnen winken, die zum Studieren in die Nähe zu ziehen planen. Mein Studienpraktikum in der Einrichtung, in der ich im Orientierungspraktikum so viel Bestärkung erfahren habe. Kurz: Viel Neues wartet auf mich. Das Leben hört niemals auf, Neues bereitzuhalten. Ich umarme das Neue und habe Vertrauen.

Happy Midyear.

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