Mirkas fabelhafter Festival-Guide.

Dass ich Festivals verehre und in vollen Zügen genieße, dürfte in den vergangenen Jahren klar geworden sein. Inspiriert zu diesem kleinen Festivalguide wurde ich durch diesen Artikel, in dem sehr unterhaltsam geschildert wird, wie man sich jenseits der 20 auf einem Festival verhält. 20130725_160332 1. Irgendwann siehst du ziemlich durch aus. Finde dich damit ab. Mädels, die die ganze Zeit in sauberen weißen Kleidchen und zarten Schühchen, eine Blumenkette in der Wallemähne drapiert, über das Festivalgelände schweben, schlafen entweder im Hotel oder stehen zwei Mal am Tag mehrere Stunden in der Duschschlange. Meine Haare sehen spätestens an Tag zwei mittelmäßig katastrophal aus, riechen leicht künstlich nach Beeren-Trockenshampoo und die Hälfte meiner Klamotten ist dreckig oder zumindest irgendwie zerlebt. Blumenketten und Römersandalen lehne ich auf Festivals kategorisch ab. 2. Nimm Essen mit. (Nichts, was schnell auslaufen kann. Ich habe bereits ein Zelt an Zuckerrübensirup verloren! Relativ unverderblich sollte es auch sein, ich empfehle Brot, Aufstriche, Müsli, kleine Päckchen Sojamilch zum Drüberkippen, falls ihr grillt, vegetarische, eingeschweißte Würstchen, die man nicht im Kühlschrank lagern muss, Chips…) Und genug Wasser. Wasser ist super, gerade, wenn man morgens aufwacht und sich fühlt, als hätte man eine große Ladung Grillasche gegessen. 3. Sei nicht zu eitel, um abends warme Pullover und bei Regen komische Capes zu tragen, sonst bist du entweder an Tag 2 krank oder vegetierst hinterher mindestens eine Woche elendig zu Hause vor dich hin. 4. Teile und tausche, wenn jeder alles dabei hat, dann passt die fünfte Person nicht mehr ins Auto. 5. Überhaupt: Lass zu Hause, was unter keinen Umständen verloren oder kaputt gehen darf. Wenn du beabsichtigst, sehr betrunken zu werden oder allgemein nicht immer ganz zurechnungsfähig bist, dann schließe Wertgegenstände im Handschuhfach des Autos, mit dem du im Idealfall gekommen bist, ein. 20130620_140428 6. Womit wir beim nächsten Punkt wären: Versuche unter allen Umständen, im Auto anzureisen. Wer schon einmal mit fettem Trekkingrucksack, Zelt, Isomatte, Schlafsack, einer Palette Bier, Campingstuhl und weiterem Kleinscheiß mit den Öffis in die Pampa gepilgert ist, hat mindestens sehr gelitten. Hat niemand ein Auto zur Verfügung: Sucht nach Mitfahrgelegenheiten! 7. Kondome. Verhüte immer. I M M E R. 8. Nimm dich vor dem Typen mit Wasserpistole, Schaufel und niedriger Hemmschwelle in Acht. Es könnte sein, dass er Dinge mit Eigenurin macht, die du nicht näher erläutern möchtest oder versucht, Frauen namens Wilma ins gemeinsame Zelt abzuschleppen. 9. Sonnencreme. Sonnenbrand ist ätzend, Hautkrebs ist scheiße. (Für euch getestet: Nach 8 Stunden in der prallen Sonne kann man auch am Haaransatz Sonnenbrand kriegen. Neu auf der Packliste: Strohhut!) 10. Gummistiefel. Dicke Socken. Kuscheldecke. Kurz: Wohlfühldinge für Frostbeulen. Gerade empfehlenswert, wenn das Festival im Norden oder Ende Mai stattfindet. 20130726_205530 11. Lass dich zu nichts überreden. Wenn du keinen Bock auf Saufen hast, dann lässt du es. Wenn dich der über Anarchismus faselnde Typ, der plötzlich einfach da war, nervt, dann wirfst du ihn aus deinem Camp. Du bist dort, um Spaß und eine gute Zeit zu haben und nur du kannst definieren, wie das aussehen soll. 12. Das DJ-Set um 3 Uhr kann man ausfallen lassen. Selbst, wenn man einfach nur alleine im Zelt liegt und es genießt, nicht auf seinen wunden Füßen stehen zu müssen. Du wirst deine Lieblingsband am nächsten Tag viel besser genießen können, wenn du dir die anstrengende Scheiße nicht gegeben hast. Überhaupt: Schreib keinen Stundenplan. Stundenpläne waren schon in der Schule nervig und du wirst sowieso die Hälfte der Bands verpassen. 13. Auf den kleineren Festivals sind die netteren Leute. (Meistens.) Und die Dixiklos sind sauberer. (Manchmal.) 14. Halte dich von Leuten in Abi-Pullis, die zum ersten Mal aus der Provinz durften, fern. Die sind dort zum Eskalieren und wer in deinem Camp eskaliert, kommt in der Regel nicht zum Aufräumen zurück. Dafür durftest du dir eine Abhandlung des Abiballs in Oer-Erkenschwick anhören, die eine halbe Stunde deiner Lebenszeit gekostet hat, in der du dir lieber eine Stulle geschmiert und über deine Festivalvergangenheit gequatscht hättest. 15. Verrate nicht allen neuen Bekanntschaften gleich deinen Facebooknamen. Überhaupt: Übertreib es nicht mit Social Media Gedöns. Wenn du Auftritte deiner Lieblingsbands nur noch durch deinen Handybildschirm siehst, weil du alles filmen musst, dann läuft etwas extrem falsch. Vielleicht boxt dich sogar jemand. Und deinen Akku solltest du dir lieber für die wichtigen Angelegenheiten aufsparen. 20130620_211934 16. Glasflaschen sind nicht umsonst verboten. (Dein Ökoglasdeo kannst du bei Bedarf aber irgendwo gut eingewickelt in den Untiefen deines Rucksacks reinschmuggeln. Geht ebenso mit Aufstrich- und Oliven-Gläsern. Aber schön weglegen, sonst kommt irgendein Idiot und Dinge fliegen und das ist uncool.) 17. Eventuell bekommt das süße Partnerlockpärchen, das auch dabei ist, wenig später ein Baby und wird nie wieder auf einem Festival gesehen werden. 18. Festivals ohne Camping können zwar auch schön sein, aber das Gefühl, dass irgendwas fehlt, verlässt einen nicht. 19. Kaufe niemals extra ein Ticket mehr, um es, sobald das Festival ausverkauft ist, für 60 Euro mehr auf eBay zu verticken. Sowas macht mich extrem traurig. 20. Scheiß auf meine Tipps. Schreibe deine eigenen Regeln. 20130726_205319

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4 Kommentare

  1. Bin zwar selbst überhaupt nicht der Festivaltyp (alles dreht sich ums böse Zelt! Der Aufbau is mühsam/ich kann nicht schlafen/laut is es/unbequem meistens auch noch/dann is es heiß oder doch zu kalt usw usw), aber dank deinem Guide sitz ich grad grinsend vor dem Bildschirm und denk mir, aber geil wärs schon mal wieder! 😉

  2. Yeeeay.. Ich hab letztes Wochenende auch gerade angefangen eine Art Festival-Guide zu schreiben.. und zu beschreiben wie das bei mir immer abgeht.. deine Tipps kann ich zu 100% unterschreiben.. nur bei der Sache mit den Abi-Pullis.. nicht jeder der mit Abi-Pulli oder Jacke auf nem Festiva rumrennt will auch gleich eskalieren.. ich hab meine Festivaljacke (vom letzten Jahr) mit, weil die einfach wunderbar warm ist, eine Kapuze hat und später super schnell wieder sauber wird.. 😀
    Aber Festivals.. ich liebe es 😀

    1. Jaa, ich habe auch eine Festivaljacke 😀 Von meinem Bruder mit vielen Taschen – perfekt! =)

      Und den Festivalguide kann ich so auch unterschreiben. =) Allerdings eins fehlt noch: fahr nie mit Leuten hin, mit denen du vorher noch nie was trinken warst und die noch nie auf einem Festival waren. Und lass dich von denen nicht dazu überreden nach dem Zeltaufbau kein Bier zu trinken. Man lernt aus seinen Fehlern ;).

      Hach jetzt will ich sofort auf ein Festival fahren. =)

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