In den letzten Zügen: Das erste Semester.

Das erste Semester „Bildung und Förderung in der Kindheit“ neigt sich nun dem Ende zu und ich kann es kaum glauben. Noch knapp vier Wochen und einige Prüfungsleistungen (2 Hausarbeiten, eine 7 und eine 15 Seiten lang, ein Portfolio, ein Kurzpraktikumsbericht, eine Klausur zum Thema ‚Heterogenität in der Kindheit‘, die letzten fehlenden Aufgaben, die semesterbegleitend erledigt werden sollen, hochladen…), dann ist es geschafft und die ersten Semesterferien stehen an. Semesterferien, die bisher auch schon relativ verplant sind. Letzter Feinschliff an den Hausarbeiten, eine Polenreise Ende Februar, um Anna in ihrem Auslandsjahr zu besuchen, Renovierungsarbeiten zu Hause, Zeit mit Freunden verbringen, lesen, in Serienwelten eintauchen, einfach ein wenig ausspannen. Und arbeiten.

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Ich arbeite jetzt seit Dezember einen Tag pro Woche in einer Kita. Praxiserfahrung, endlich! Doch ein Tag die Woche ist mir, sowohl finanziell als auch hinsichtlich des Sammelns erster Arbeitserfahrung, irgendwie zu wenig, weshalb ich mich gerade auf einen zweiten, zeitlich begrenzten Job in einer Kita beworben. Gedrückte Daumen, wie immer, erwünscht. Die wenigen Stunden, die ich aktuell arbeite, machen jedenfalls Spaß, auch wenn ich sie auf einem ganz anderen Niveau erlebe, als das sechswöchige Praktikum. Zum einen, weil sich die Einrichtungen sehr unterscheiden und die zu betreuenden Kinder es natürlich auch tun, zum anderen aber auch, weil der Verantwortungsbereich plötzlich ein ganz anderer. Weil im Praktikum viel mehr „Kannst du mal bitte…“ war und jetzt nur „Ich gehe mal kurz die Spülmaschine ausräumen“ und man dann mit 10, 15 Kindern alleine im Raum ist und hofft, dass niemand irgendwo runterfällt, keine Prügelei beginnt (mehrfach erlebt, beim Schlichtungsversuch fast gezielt und diabolisch grinsend einen Plastikfernseher an den Kopf geworfen bekommen), die Lage am Basteltisch (Scheren! Prickelnadeln! Todeswerkzeug!) nicht eskaliert. Lehrreich sind Momente, in denen man sich bemüht, die Rundumsicht zu behalten und die Nerven nicht zu verlieren. Lehrreich auch die Momente, in denen man tief durchatmen muss, weil ein Kind, das nicht in deiner Gruppe ist und das sich deswegen nicht von dir ermahnen lässt, ein Laufrad in eine Pfütze neben dir wirft, um dich so richtig mit Schlamm zu besudeln, weil du zuvor verboten hattest, in der Pfütze zu spielen. Und dann geht dir das Herz auf, weil dich plötzlich ein Dreijähriger voller Inbrunst fragt, seit wann du eigentlich ein Mädchen seist. Weil dich ein mit Bauklötzen werkelndes Mädchen fragt, ob du in der Kita wohnst. Weil der Junge, der dich bei der Hospitation vor deiner Einstellung als Erster vollgequatscht hat, nach den Weihnachtsferien lautstark deinen Namen durch die Gruppe brüllt, weil er sich freut, dass du wieder da bist. Zu 95 Prozent liebe ich es, zu 5 Prozent atme ich mental in eine Papiertüte und versuche, mich nicht unfreiwillig von meinen Restnerven zu verabschieden.

Nach einem Semester vermag ich irgendwie noch nicht so recht, ein endgültiges Fazit zu meinem Studium zu ziehen. Vor allem, weil das Semester relativ leer und wenig arbeitsintensiv war, sieht man von den nächsten Wochen ab, in denen ich etwas reinhauen muss. Meine ersten Eindrücke sind aber durchweg positiv. Die Veranstaltungen machen Spaß, das Studium ist relativ sinnvoll strukturiert, die Leute sind nett, die Wege, wenn man eine Frage hat, kurz, sodass man sich als Studentin gut betreut und aufgefangen fühlt, ich scheine so motiviert zu sein, dass ich bei Kommilitoninnen schon ein klein wenig das (durchaus liebevolle!) Streberinnensiegel weg habe. Kurz: Läuft! Was mir, wie schon durchklang, nicht so gut gefällt, ist die Tatsache, dass das erste Semester irgendwie vor sich hinplätschert. Ich freue mich besonders auf die nächsten drei Semester, die voller und reichlich arbeitsintensiv werden. Ansonsten habe ich manchmal, bei Veranstaltungen, die nicht explizit für meinen Studiengang konzipiert sind, das Gefühl, irgendwie nur Studierende zweiter Klasse zu sein: Jemand, den man irgendwie auch noch mit in den Hörsaal gequetscht hat, weil mutmaßlich Interesse am Inhalt bestehen könnte, aber für den man zumindest inhaltlich keinen Finger krumm macht. Zugeschnitten sind diese Veranstaltungen nämlich doch eher auf Leute, die etwa Psychologie oder Sport auf Lehramt studieren. (Was habe ich davon – wenn ich mit Kindern unter 6 arbeiten will – berechnen zu können, wie weit beim Kugelstoßen mit welcher Kraft eine Kugel gestoßen werden kann? Noch habe ich keinen Schützling bei einer auch nur annähernd dem Kugelstoßen ähnelnden Tätigkeit ertappt…) Im Hinterkopf habe ich im Moment die Planung eines Auslandssemesters in Schweden, im sechsten Semester, in dem ich nur ein Modul absolvieren muss (und meine Bachelorarbeit schreiben). Mal schauen, was die Zeit so bringt. Bezüglich allem.

photo credit: Daniele Zanni via photopin cc

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