Happy Midyear IV.

2. Juli 2013. Sechs Monate gelebt. Happy Midyear.

Einmal geblinzelt – und dann ist plötzlich Midyear. All of a sudden. Zeit, ein Fazit zu ziehen, ein erstes, vorsichtiges. Zeit, dorthin zu gehen, wo es zwickt: Dahin, wo ich immer wieder gescheitert bin, in den letzten Wochen.

Hätte mir vor einem Jahr, als ich in meinem Happy Midyear Post schrieb, dass ich die Unibewerbungen nun zum Briefkasten bringen würde, jemand gesagt, dass ich 365 Tage später genau das erneut tun würde, hätte ich vermutlich kopfschüttelnd geschnaubt und alles von mir gewiesen. (Genauso, wie ich vor nicht einmal drei Jahren „Vegan? Never!“ gesagt hätte.) Der Gedanke, dass ich vor einem Jahr davon überzeugt war, einen Bachelor in Philosophie und Politikwissenschaft zu machen: Ziemlich, ziemlich verrückt. Das habe ich auch recht bald nach Studienbeginn gemerkt, nach den Wochen wandern in Norwegen, nach der etwas chaotischen Wohnungssuche, nach dem Umzug. Dass das, was ich da versuche, einfach nicht passen will. Dass ich irgendwo anders hingehöre.

Seit vergangenen November versuche ich diesen Ort des Hingehörens nun also zu finden. Es ist ein anstrengendes Dreivierteljahr, das da hinter mir liegt. Ich bin von einer Beratungsstelle zur nächsten gelaufen, habe Bekannte und Freunde nach ihren Studienfächern und Berufswünschen befragt, habe zahllose Mails geschrieben, darüber nachgedacht, Erziehungswissenschaften in Bielefeld zu studieren und für eine kurze Weile war da auch wieder die Idee, es doch noch mit Grundschullehramt zu versuchen und habe schlussendlich drei Tage in einer fremden Stadt hospitiert, mich um Praktika beworben und mittlerweile einen mittelmäßig wackeligen Plan A (Düsseldorf, Hamburg, Kiel) und einen recht soliden Plan B (wenn alle Stricke reißen, mich zu Sozialwissenschaften mit Schwerpunkt auf Geschlechterforschung, Erziehungswissenschaften und vielleicht noch Sportwissenschaften in Göttingen umschreiben) bereitliegen. Wenn Plan A nicht klappen sollte, liege ich vermutlich einen Monat heulend im Bett.

Ich weiß gar nicht so genau, wann der Gedanke da war. Der Gedanke, dass ich mit Kindern arbeiten will. Vielleicht immer mal wieder. Und dann ganz plötzlich und sehr intensiv vor ein paar Monaten. Ich kann auch nicht sagen, was genau ihn ausgelöst hat, ob es überhaupt so etwas wie einen Auslöser gab. Ich weiß nur, dass ich in ihm vom ersten Augenblick an die Möglichkeit sah, einen Unterschied machen zu können. Ich weiß auch, dass viele mich nicht werden verstehen können: „Du wolltest doch immer schreiben! Du warst doch kurz davor Journalistin zu werden! Hast du keine Angst, immer als etwas besser bezahlte Erzieherin angesehen zu werden?!“ Ich denke und weiß, dass ich so etwas zu hören bekommen werde. Aber das ist okay. Wenn ich mit etwas umzugehen gelernt habe, dann ist es Unverständnis. Es gibt kein schöneres Gefühl, als das „Das ist es. Das ist es sowas von“-Gefühl. Noch will ich nichts beschreien, zwinge aber dennoch alle, die mir wohlgesonnen wirken, die Daumen zu drücken. Die nächsten Wochen also: Herumhibbeln, warten, mich sortieren und dann, dann kommen die ersten Bescheide und alles geht von vorne los. Zumindest: Im Falle einer Zulassung. Immatrikulieren, Wohnung suchen, Orientierungswoche, die ersten Lehrveranstaltungen…

Ansonsten: Wie immer viel zu wenig gelesen, aber um die 10 Bücher werden es schon gewesen sein. Nicht zuletzt auch, weil ich mir im Mai ein Kindle zugelegt habe, nach langem Hadern und dann sehr, sehr spontan, in einer schlaflosen Nacht. Es macht mehr Spaß, auf dem Kindle zu lesen, als ich für möglich gehalten hätte. Mein Serienkonsum war fast ein wenig manisch: Manchmal wochenlang gar nichts, dann habe ich in knapp einem Monat alle Staffeln How I Met Your Mother inhaliert. Aktuell gucke ich mich durch neue Serienpiloten und bin ein paar guten Sachen auf der Spur, wie es mir scheint. Musik ist mittlerweile so wichtig, dass ein The National Tattoo kommen wird, noch dieses Jahr. Als Belohnung dafür, dass ich endlich gefunden habe, was ich tun will. It takes an ocean not to break. Auf dem Hurricane war ich wieder, auch das ist kurz davor, zur Tradition zu werden. Vier weitere Festivals stehen vor der Tür: Deichbrand, Appletree Garden Festival, Big Day Out und das Holi Farben Festival in Göttingen. Wenn alles gut läuft, dann werde ich letzteres vielleicht schon mit Kistenpacken verbinden – und danach mit der Wohnungssuche beginnen. (Aufregungsvorfreudeangst macht sich in meinem Bauch breit.)

Atmen, leben, atmen, leben. Irgendwo in der Schwebe. Happy Midyear.

(Meine alten Midyear-Posts findet ihr natürlich auch noch hier: 2011; 2010; 2012.)

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8 Comments

  1. Ich drücke dir meine 6 Daumen.
    Nicht, für die Bewerbungen.
    Sondern schlicht, um den richtigen Weg in deinem Leben gefunden zu haben und vor allem um dann auch in der Spur zu bleiben,wenn es sich richtig anfühlt.

    (Ein Serientipp am Rande: RIGET (dt: Hospital der Geister). Mysterie-Krankenhaus-schwarzeHumor-Serie von Lars von Trier aus den 90ern. Sicher nicht jedermans Geschmack, aber ich fand sie großartig.)

  2. Schöner Post! Und mutige Entscheidung – ich kann sehr gut mit dir mitfühlen, da ich auch meinen alten Studienplatz geschmießen habe, um doch etwas anderes zu machen. Wie auch du, kann ich nicht sagen, was zu dieser Entscheidung geführt hat oder wann der Moment kam, irgendwann war er einfach da. Es ermutigt mich zu lesen, dass es auch anderen so gehen kann und das ich damit nicht alleine bin. Ich hoffe es kommt alles so, wie du es dir wünscht.

    Ganz Liebe Grüße,
    Vanessa

  3. Wirst du irgendwann mal wieder Fragen auf ask.fm beantworten? Ich hatte dich da nämlich mal was gefragt, aber du hast bisher nicht geantwortet

  4. Auch von mir ganz fest gedrückte Daumen, der Weg wird sich sicher finden, ich denke, die Erziehungswissenschaften wo auch immer werden es sein. Und wenn nicht, Du findest deinen Weg sicherlich durch den Urwald an Möglichkeiten.
    Ich freu mich, wieder mehr zu hören aus deinem Leben 😉
    Grüße,
    Mara

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