Upsidedown.

Es ist mal wieder an der Zeit: Ich muss etwas hinterfragen. Etwas auf den Kopf stellen. Etwas anpacken, ändern, durchschütteln. Es geht – wie sollte es auch anders sein – mal wieder um meine Ernährung. In letzter Zeit beobachte ich mich dabei, wie ich unzufrieden irgendetwas esse – natürlich vegan, da besteht kein und bestand auch in den vergangenen zwei Jahren nie ein Zweifel, aber nicht in der Form, wie ich es mir eigentlich wünsche: Frischer, unverarbeiteter, „gesünder“. Weniger Industriezucker, weniger Soja, weniger Fett, seltener in die Mensa, wo es im Endeffekt doch immer nur die gleichen Gerichte gibt, die oft zu scharf oder zu salzig sind. So zumindest meine erste Idee, deren Praktikabilität es zu hinterfragen gilt.

Ein bisschen Schuld an meinem Wunsch, mehr auf mich und das, was in den Kühlschrank und schließlich auf den Teller wandert, sind auch Artikel wie dieser.

Deutschland erlebt einen wunderbaren Boom der Feinschmeckerei. Doch gleichzeitig haben ganze Bevölkerungsschichten, ganze Generationen es in ihrer Geizgeilheit und ihrem Küchenanalphabetismus fast verlernt, dass gutes Essen gutes Geld kostet und billiges Essen niemals gut sein kann, sondern bestenfalls nicht gefährlich ist. Sie sind bereit, für das Fünfundsechzig-Minuten-Konzert eines kapriziösen Popsternchens dreistellige Summen auszugeben.

Das gleiche Geld in ein zehngängiges Degustationsmenü zu stecken, halten viele aber für pervers und dekadent – und machen ohne Wimpernzucken einen Familienausflug in den Freizeitpark, der nicht viel billiger ist als ein Besuch im Sternerestaurant mit Kind und Kegel. Und immer wieder hört man von solchen Menschen die Klage, dass sie sich Bio-Lebensmittel nicht leisten könnten. Es sind dieselben Menschen, die dafür sorgen, dass eine Firma wie Apple dank ihrer iPhones und iPads in einem einzigen Quartal einen Gewinn von dreizehn Milliarden Dollar macht.

Ich gebe gerne Geld für Essen aus, muss aber natürlich darauf achten, wie viel genau wann worein fließt. Dass am Ende des Monats veganer Käse und Amarena-Kirch-Reismilch-Eis keine sonderlich gute Idee ist, versteht sich von selbst. In manchen Monaten ist es das aber selbst am ersten Montag nicht. Aber: Ich denke, dass man auch mich einem beschränkten Budget gesund und ausgewogen essen kann und wenn es sein muss, dann zwacke ich mir künftig einfach an anderer Stelle zwanzig oder dreißig Euro mehr ab, um mir kulinarisch etwas Gutes zu tun. Nicht ganz unschuldig ist auch das hier vorgestellte Buch von Anke Gröner, Nudeldicke Deern, die ebenfalls eine neue Wertschätzung guten Essens fordert. Eine sinnvolle und längst überfällige Forderung.

Zudem beschäftigt mich das Thema „Detox“ mich seit einer ganzen Weile. (Selbstredend: Darüber kann man sich gut, gerne und ausführlich streiten, aber man sollte nicht aus den Augen verlieren, dass es nicht um eine dauerhafte Ernährungsweise handelt, sondern eher um eine „Entgiftungkur“, die unter Umständen mehr Lust auf Obst und Gemüse macht.) Zur Erinnerung: Nach ein paar Tagen Detox vor einigen Wochen fühlte ich mich zufriedener und ausgeglichener (wie toll Obst und Gemüse schmeckte, wie viel ich in der Küche stand und schnippelte, der ganze Tee, die frischen Säfte!) aber ziemlich schnell aß ich wieder „unbewusster“, meine Haut zickte mehr, ich fühlte mich insgesamt kraftloser und gereizter. Natürlich kann das auch im Zusammenhang damit stehen, dass das Semester wieder begonnen hat und ich dementsprechend weniger Ruhepausen habe, aber wo genau Zusammenhänge bestehen, werde ich vermutlich herausfinden, sobald ich mein Experiment starte. Bevor ich mein Experiment allerdings wirklich starten kann, ist es unerlässlich, mir mehr Wissen anzueignen: Über Rohkost, über Zucker, über die Kontroversen rund um Soja. Viel Oberflächenwissen und Bauchgefühl lassen mich mit ersten Ideen zurück, was ich warum hinterfragen könnte, aber noch ist alles wenig greifbar – wie anfangs, als der Prozess meiner Veganisierung ins Rollen kam.

Vielleicht habt ihr ja Lust, mich auf dieser kulinarischen Reise zu begleiten – ich bin zumindest sehr gespannt, was sich in den nächsten Wochen in meiner Küche so tun wird.

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3 Kommentare

  1. mirka, bitte berichte und informiere uns hier! ich bin auch ein laie, was diese ganzen interessanten und wichtigen themen angeht

  2. Es mag daran liegen, dass ich deinem Blog nicht regelmäßig genug folge, aber worin genau bestand denn der/das „Detox“, das du durchgezogen hast? Streichen von Zucker oder anderen Dingen?

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