Anke Gröner – Nudeldicke Deern.

DSC_0390

Nudeldicke Deern von Anke Gröner
240 Seiten, Ratgeber/Lifestyle
erschienen am 16. September 2011

Inhalt: «Dieses Buch ist kein Diätbuch. Ganz im Gegenteil. Dieses Buch sagt dir: Schmeiß alle Diätbücher weg, die du hast. (Ich weiß, dass du welche hast.) Vergiss das Kalorienzählen, das schlechte Gewissen und fang wieder an, einfach zu essen.» Anke Gröner spricht allen Frauen aus der Seele, die auch schon einmal mit ihrem Körper gehadert haben. Anekdotenreich, witzig und sehr bissig erzählt sie von den Absurditäten, die Frauen in Umkleidekabinen erleben, von bekloppten Diätversuchen und dem Frust beim Blick in den Spiegel, mit dem man sich immer wieder auseinandersetzen muss. Dabei kann das Leben doch so schön sein, wenn man die Kleidergröße nicht das Maß aller Dinge sein lässt. In diesem Sinne: Free your mind – and your fat ass will follow!

Meinung: In „Nudeldicke Deern“ rechnet Anke Gröner ab – mit sich selbst, mit der Lebensmittel- und Diätindustrie, mit einer Gesellschaft, die Schönheitsideale reproduziert, die den Vergleich mit einem sich immer enger zusammenschnürenden Korsett nahelegt. Sie schreibt von ihren Essgewohnheiten, davon, wie sie immer wieder abgenommen hat, um kurz darauf das gleiche Gewicht wieder zuzunehmen, darüber, wie sie sich trotz „Normalgewichts“ bereits als Teenager fett und hässlich gefühlt hat, Komplimente nicht annehmen konnte, wie sie jahrelang heimlich gegessen hat, um von Außenstehenden nicht als „undisziplinierte, fressende Dicke“ zu gelten. Und vor allem berichtet sie davon, wie unglücklich sie war, wie wenig Essen noch Genuss war, sondern Sünde. Geändert hat sich all das erst, als sie eine Bekannte einlud, die als Ernährungsberaterin arbeitete und Gröner und ihrem Partner gutes Essen zeigte, ihnen dabei half, gerne zu Essen und mit einer neuen Wertschätzung. Für Gröner begann eine Reise, eine Reise, auf der sie sich immer noch befindet: Auf der zur Selbstannahme.

„Ich bin okay, ich mag mich“, diesen Gedanken sollten wir uns alle zum Ziel setzen, auch wenn es schwer fällt. Weil da ein bisschen zu viel Speck sitzt oder die Nase zu groß ist. Wir müssen lernen, auf unsere Körper zu hören, Vorurteile überwinden (Statistiken über die verfettende Gesellschaft sind vor allem der Pharmaindustrie dienlich, die jährlich milliarden mit Diätprodukten umsetzt – alleine in Deutschland!) und vor allem, sollten wir aufhören, Vorurteile selbst – bewusst oder unbewusst – zu reproduzieren. Früher, so Gröner, habe sie, beim Betreten eines Raumes immer Ausschau nach einer Person gehalten, die dicker als sie sei, um sich selbst aufwerten zu können, ein Verhalten, von dem niemand etwas habe. Besonders schön fand ich auch, wie Gröner darauf aufmerksam machte, dass wir in einer Zeit leben, in der alle nahezu krankhaft darauf aus sind, individuell zu sein – solange, bis es zum Gewicht käme, da müssen plötzlich alle gleich sein.

Zwei Dinge sind mir klar geworden. Zum einen, dass ich selbst bei mehreren Gelegenheiten diskriminierendes Verhalten an den Tag gelegt habe, dass Vorurteile, mit denen man aufwächst, sich so tief im Unterbewusstsein verankern, dass man entweder gar nicht oder erst sehr spät beginnt, sie zu reflektieren oder zu hinterfragen.  Zum anderen, dass all die „Komplimente“, die ich im vergangenen Jahr erhielt, weil ich einige Kilo (ungewollt oder zumindest unbeabsichtigt, durch meine Ernährungsumstellung und, ähnlich wie Gröner, einer neuen Wertschätzung von Essen und Nahrungsmitteln geschuldet) abgenommen hatte. Von „Wow, echt krass, wie viel du abgenommen hast, das steht dir richtig gut!“ bis hin zu „Wie hast du das denn gemacht? Ich will auch abnehmen?“  – eine Aussage, die besonders von in meinen Augen dünnen bis sehr dünnen Menschen getroffen wurde. Indirekt implizieren mir alle Bemerkungen, mit denen ich konfrontiert worden bin: Mit knapp 68, 69 Kilo auf 1,76 Metern wurde ich als „irgendwie pummelig“ wahrgenommen – etwas, das so absurd ist, dass man mit dem Kopf gegen die Wand laufen möchte. Auch die Spekulation, ich hätte für einen Typen abgenommen, stand im Raum – etwas, das mir zeigt, wie wenig mich die Leute kennen, die mir zu meinem Abnehmen „gratuliert“ haben. „Du bist, was du wiegst – Hauptsache es ist nicht viel“, das müssen wir überwinden – und das schaffen wir nur gemeinsam und, leider, auch nicht von heute auf morgen.

Praktisch: „Nudeldicke Deern“ ist im Februar als Taschenbuch erschienen, sodass ich es problemlos allen tollen Menschen schenken kann, die ein wenig mit sich hadern. Einen Versuch wäre es auch wert, es Menschen unterzujubeln, die einen Berg von Vorurteilen („Was diese Dicken den Krankenkassen kosten! SCHRECK-LICH!“) mit sich herumschleppen. Danke jedenfalls für dieses tolle, informative und befreiende Buch, Anke!

Ankes Blog, wo ihr auch einiges zu ihrem Essverhalten findet
Ebenfalls spannend: Was Nicole über Gewicht schreibt

Advertisements

0 Comments

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s