So viele erste Male, schon wieder.

Zum ersten Mal ohne Navigationsgerät durch die erste neue, eigene Nachbarschaft fahren. Aus der Straße rausfahren, in der man (im Optimalfall) die nächsten drei Jahre wohnen wird. Auf der Hauptverkehrsstraße, die keine zwei Straßen weiter entlangläuft und deren Lärm trotzdem nicht bis zu unserem Wohnhaus vordringt, nicht wenden können, in irgendeine Straße auf der anderen Seite abbiegen und anstatt umzukehren einfach weiterfahren. Irgendwo wird man schon rauskommen, irgendwo wird dieses Einkaufszentrum mit den vielen Supermärkten sein, von dem man gehört hat. An einer lärmenden, indischen Großfamilie vorbeifahren, die ganz schick gekleidet ist und in der sich alle drücken und einander den Rücken klopfen. Ein bisschen Hoffnungslosigkeit sehen, in Jogginganzügen und mit hängenden Schultern, mit strähnigem Haar und noch hängenderen Mundwinkeln. Überschminkte Mädchen und Typen mit Blingbling-Ketten. Mittelschichtsehepaare in ihrem VW-Passat mit den zwei perfekten Kindern auf der Rückbank, die mit Kopfhörern Hörspielkassetten hören und vielleicht später ein Eis geschenkt bekommen. Irgendwann, nachdem man sich kurzfristig verfahren und einen „Oh, da sind Pfeiler, hier geht’s nicht weiter“-Moment vor einem Fahrradweg hatte, hat man es dann doch noch geschafft. Das Einkaufszentrum ist riesig, es gibt irrsinnig viele Parkplätze und man muss sich krampfhaft eine Parkplatznummer merken. D12, D12, D12. Verschiedene Supermärkte, ein paar Klamottengeschäfte, einen Bioladen und ein Reformhaus, eine Buchhandlung, eine kleine Sparkasse, Obi…
An der Aldikasse heißt das etwa zweijährige, wie am Spieß brüllende Kind dann Hagen. Kein Wunder, dass er untröstlich ist, da warten noch harte Jahre auf ihn und, je nach Bildungseinrichtung, viele Nibelungenwitze. In solchen Momenten ist man dann doch irgendwie erleichtert, dass die eigenen Eltern es gut mit einem gemeint haben. Kriemhild von Lilienthal, Ute von Lilienthal, Brunhild von Lilienthal… Man will es sich irgendwie gar nicht näher ausmalen.
Das erste Mal kochen in der WG-Küche, das erste Mal in der Badewanne duschen, die erste Nacht ganz alleine im Zimmer, der erste faule Bett-Serien-Tag. So viele erste Male und dabei hat die Uni noch gar nicht begonnen.

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