Happy Midyear III.

2. Juli 2012. Sechs Monate gelebt. Happy Midyear.

Wie konnte es bloß Juli werden, schon wieder? Es ist, als säße ich immer noch auf diesem Motelbett in Mailand und würde 2012 herbeisehnen, aufgeregt, erwartungsfroh, mit Hummeln im Hintern und ein klein wenig ehrfürchtig vor Angst.

Fast schon sind sie Tradition, die Happy Midyear Posts (2011; 2010). Es ist schön, nach der Hälfte des Weges erneut Inne zu halten, nachzuforschen, eine erste Bilanz zu ziehen. Auch, vielleicht sogar gerade 2012, bin ich glücklich und stolz auf mich. Ich habe so viel erreicht – am vermutlich wegweistendsten: Mein Abiturzeugnis in Empfang genommen, mit dem für mich unerreichbar gewähntem Schnitt von 2,0. Wie schnell das am Ende doch mit der Schule gegangen ist, die ganze Oberstufe ein einziger Atemhauch, ein einziges Mal Augen schließen und dann – der Schnitt. The last cut isn’t the deepest. Wie ich die Mittelstufe überlebt habe, weiß ich bis heute nicht, werde ich vermutlich niemals wissen. Ich war keine gute Schülerin, damals, weshalb ich vermutlich besonders zu schätzen weiß, wie gut all das geändert ist, trotz meiner ständigen Schulabwesenheit („Können Sie mich dafür vielleicht auch noch beurlauben? Ich meine: Es ist das Europaparlament!“), trotz meines inneren Schweinehundes, der Unlust, der Faulheit. Ich bin froh, dass für mich und die Schule ein Happy End vorgesehen war. Ich bin froh, dass ich in den Abiprüfungen zweimal 14 und einmal 15 Punkte hatte und in Biologie immerhin eine achtungswürdige 3-. Ich bin froh, froh, froh und atme durch und werfe die Unibewerbungen in den Briefkasten, bald.

Hektisch waren die ersten sechs Monate des Jahres, ich habe viel aus dem Koffer gelebt, war in Italien, Polen, Belgien (zwei Mal), auf Abgeordnetenfahrt in Berlin, an der Nordsee. Ich kann bereits ein paar Haken auf meiner „101 in 1001“-Liste machen: Ich habe auf dem Hurricane im Schlamm getanzt, habe gezeltet („Oh Gott, irgendwas ist hier ausgelaufen, alles klebt!“), bin spontan ans Meer gefahren (Mittwochabend, 20 Uhr: „Wollen wir morgen Früh um 7 ans Meer fahren? Komm, du brauchst nur ja zu sagen!“), habe ein veganes Drei-Gänge-Menü für Freunde komplett selbst zubereitet (Tomatensuppe, Süßkartoffel, mit Tofu-Reis-Gemüse gefüllte Paprika, Nussecken), habe in sehr hochwertige Wanderschuhe investiert, habe gleich zweimal das Europaparlament besucht, habe alle Staffeln Gilmore Girls nochmal gesehen und beschlossen, mich irgendwann an die Rory Gilmore Reading Challenge zu wagen. Ich habe viele Menschen kennen gelernt und eine handvoll derer, die ich bereits 2011 kennen gelernt habe, haben mehr Raum in meinem Leben bezogen, als ich je für möglich gehalten hätte. Ich habe gelesen, viel zu wenig, noch weniger als im Jahr zuvor, vielleicht 10 oder 12 Bücher. Dafür lese ich plötzlich mehr Sachbücher, setze mich mehr mit Themen auseinander – dieses Jahr vor allem die RAF und die Schattenseite der Model-Szene. Musik, Musik ist wichtiger denn je. Band-Shirts und Festivals, warum seid ihr erst so spät zu mir gekommen? Aber: Besser spät als nie. Mein Serienkonsum ist geschrumpft, ebenso meine Zeit für die Sockenschublade und das Schreiben im Allgemeinen, was schade ist, aber irgendwas muss vermutlich einfach auf der Strecke bleiben, wenn man es mal mit diesem Real Life versucht.

Die nächsten sechs Monate werden den ersten in nichts nachstehen: Laut, bunt, vielseitig, erschöpfend, erfüllend, hellwach, da, da, da. Ich werde mit dem Auto nach Usedom fahren, vier Wochen durch Norwegen wandern, zwei weitere Festivals besuchen, umziehen, mit dem Studieren beginnen (sehr wahrscheinlich Politikwissenschaft und Philosophie, in Göttingen, hoffentlich), ein bisschen zur Ruhe kommen, vielleicht. Es gibt so viel, was ich in den nächsten sechs Monaten ausprobieren und erleben möchte: Couchsurfing. Yoga, der zweite Anlauf. Mich für eine Menschenrechtsorganisation stark machen. Brot backen, Marmelade einkochen, Eis herstellen. Alle Staffeln Lost noch einmal ansehen. Beginnen, ein Kochbuch zusammenzustellen. Eine schöne Wohnung finden und mein Zimmer mit Kissen und Kerzen und Plakaten überfrachten. Einen Schneemann bauen. Und und und. Das Jahr ist noch lang. Das Leben hoffentlich auch.

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