34 Meter über dem Meer – Annika Reich.

34 Meter über dem Meer von Annika Reich
272 Seiten, Gegenwartsliteratur
erschienen am 6. Februar 2012

Inhalt: Ella und Horowitz könnten nicht unterschiedlicher sein: Ella, jung und verträumt, beginnt gerade ihren ersten Job bei einem Radiosender und hat sich zum ersten Mal verliebt – in Paul. Horowitz, alt und schrullig, ist gescheiterter Meeresforscher. Doch eines verbindet die beiden: Sie wünschen sich ein anderes Leben. Über eine merkwürdige Annonce treffen sie aufeinander: „6-Zimmer-Wohnung in Berlin-Charlottenburg zu tauschen gegen 2/3-Zimmer.“ Ella geht sofort auf das Angebot ein, und zögerlich beginnt sie, Paul in ihre Nähe zu lassen. Annika Reich erzählt mit Witz und Melancholie, mit Intelligenz und Intensität von der Unmöglichkeit, ein authentisches Leben zu führen.

Meinung: Schon mit „Durch den Wind“ den Wind hatte Annika Reich mich 2010 verzaubert, doch „34 Meter über dem Meer“ habe ich mich von der ersten Zeile an noch näher, noch verbundener gefühlt. Vielleicht, weil es, im Vergleich zu „Durch den Wind“ im Nachfolger weniger Charaktere gibt, man sich so leichter auf sie einlassen kann, sich mit ihnen Identifizieren kann, und trotzdem für jeden Geschmack etwas dabei ist. Hauptprotagonistin Ella, der kreative, verhuschte, melancholische Typ in Kleidchen und mit einem Hang dazu einfach zu „verschwinden“, wenn es zu Konfliktsituationen kommt. Ihre Schwester Jasmin, das genaue Gegenteil, geerdet, ein Haufen Kinder, greift nie nach den Sternen. Die Mutter der beiden, die nicht gerade als Vorzeigemutter beschrieben werden kann, weder heute und schon gar nicht damals. Und zuletzt der gealterte Horowitz, der Meeresbiologe, der das Meer niemals gesehen hat und sich im Laufe des Buches auf gleich zwei Abenteuer einlässt: Auf den Wohnungstausch mit Ella und – auf die Liebe!

Vielleicht hält „34 Meter über dem Meer“ nicht viel Neues bereit – ist doch die Botschaft die gleiche, die wir schon in anderen zeitgenössischen Romanen entschlüsseln durften: Wir wissen nicht wer wir sind, wo wir hinwollen und mit wem es uns gelingen kann, eine Antwort auf diese Fragen zu finden. Tut das Annika Reichs neuem Roman einen Abbruch? Nein, sage ich, denn: Jede Suche ist anders, jede Geschichte ist anders und jeder Schreibstil ist es allemal. Annika Reich ist es gelungen, mich mit ihrer Geschichte, ihren Charakteren und ihrem Umgang mit Sprache zu erreichen und das, das ist doch irgendwas Wichtigste.

Wer eine kurzweilige Geschichte fürs Herz lesen will, der sollte sich diesen Frühling „34 Meter über dem Meer“ definitiv nicht entgehen lassen.

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