Mein Herz vielleicht irgendwann auch.

Was fällt dir eigentlich ein? Was fällt dir ein, mir gerade jetzt zu passieren? Was fällt dir ein, in mein Leben zu platzen und eine Hauptrolle besetzen zu wollen? Ich habe doch gar keine Rolle ausgeschrieben, mein Cast war schon voll und eigentlich auch ziemlich gut besetzt und dann kamst du und wenn ich mir dich so ansehe, dann hast du eigentlich gar keine Qualifikationen, für den gar nicht ausgeschriebenen Job, um den du dich anscheinend bewirbst. Wann immer ich im Kopf eine Qualifikationenliste für die männliche Hauptrolle angelegt habe, fielen Begriffe wie ‚reif‘ und ‚erwachsen‘, ‚vernünftig‘ und ‚bodenständig‘, als suchte ich einen zweiten Vater oder einen Steuerberater. Ich wollte jede Sicherheit, ich wollte eine Sauerstoffmaske und eine Schwimmweste und wenn ich ehrlich bin, dann wollte ich noch nichtmal abheben. Du bist alles, was mir gerade noch gefehlt hat und raubst mich emotional aus. Wäre ich eine Bank, dann würdest du dich mittlerweile an einem der letzten verbliebenen Schließfächer zu schaffen machen, an dem mit den Juwelen: mit meiner Selbstachtung und meiner Weltanschauung. Wäre ich ein erlegtes Tier, dann wärest du mit dem Ausweiden ziemlich gut dabei, in so kurzer Zeit, mit gar nicht mal so viel Erfahrung. Wäre das Leben eine Massencaramboulage auf der Autobahn, dann wäre ich der Twingo, den es unter den IKEA-LKW gedrückt hat. Viel ist nicht mehr übrig und ich glaube, den Rest, den lässt du mir auch nicht. Wie du mich ansiehst, wenn ich aufwache und mich nackt und müde und so hässlich fühle. Wie du tagelang nicht anrufst und ich fast froh bin, deine Rolle wieder auf dem Drehbuch streichen zu können, froh, dass die linke Seite im Bett wieder frei ist und mein Herz vielleicht irgendwann auch. Und dann stehst du plötzlich wieder vor der Tür, so als wäre nichts gewesen, und mein emotionaler Ausverkauf geht weiter. Ich konnte das noch nie gut. Nein sagen, Stop schreien, Türen zuschlagen. Konsequent, das waren immer die anderen – und mein Kopf, der war in den Wolken. „Halt doch mal ein bisschen Abstand“, möchte ich schreien. „Komm doch rein“, sage ich und schließe die Tür mit Bedacht. Du bist drin und ich bin es auch und ich glaube, ganz kommt keiner mehr aus der Sache raus.

(Bild via shoothead.)

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6 Comments

  1. Lebst Du das tatsächlich gerade? dann freue ich mich für Dich, denn Emotionen so tief und ehrlich sind immer eine Bereicherung, egal ob sie schmerzhaft sind oder nicht. sei froh dass es so intensiv ist… wenn ich sowas lese wirds mir einfach langweilig… da ist das ganz grosse kino doch viel spannender.. und mal ehrlich: wer will schon wirklich den Steuerberater? 😉
    lg Lisa

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