Die letzten Male. Die ersten Male.

Diese ganzen letzten Male, dieser Tage. Zum letzten Mal Schulsport, zum letzten Mal Umkleidekabinengewusel, „Kannst du mir Deo leihen?“, obwohl niemand beabsichtigt, irgendwas davon zurückzugeben, offene Turnschuhschnürsenkel, über die irgendwer stolpert, „Ich habe keine Lust mehr, kann nicht endlich Schluss sein?!“, „Wir wählen zwei Mannschaften“ und „Okay, zieht euch um!“. 90 Minuten Mathe, zum letzten Mal. Taschenrechner, Arbeitsbuch, Notizzettel, eigentlich alles nur noch Accessoires, alles nur noch Kulisse. E-Funktionen, was war das nochmal? Alte Lehrer zum ersten Mal rührselig – „Wir nähern uns der Klippe. Entweder ihr könnt fliegen – oder ihr stürzt ab…“ – und irgendwer schlug immer ein Frühstück vor. Mottowoche, Kindheitshelden, Rotlichtmillieu. Am Ende, da nervt alles gewaltig, ein letztes Mal noch, ein letztes Mal noch diese Menschen und dann vielleicht nie wieder. Ein letztes Mal Schule, das Ende 13 langer Jahre.

Und dann da auch noch: die ersten Male. Zum ersten Mal die Nacht durchtanzen und mit dem Bus nach Hause fahren, um 6 Uhr 05, die einzigen Menschen im Bus, in den anderen Häuser gehen die ersten Lichter an und irgendjemand stellt den Brotkorb auf den Tisch. Zum ersten Mal freiwillig in Wanderschuhe investieren und von einem Dorf zum nächsten wandern. Zum ersten Mal aus einer Rasenfläche einen Gemüsegarten machen, in nur wenigen Stunden, mit Schmutz unter den Fingernägeln und Erdbrocken an der Jacke. Zum ersten Mal mit dem Gedanken konfrontiert sein, dass der Rest des Lebens JETZT beginnt und noch kaum verarbeitet, dass es das jetzt war, mit der Schule. Zum ersten Mal frei, irgendwie.

Keine Zeit, aber genug Luft zum Durchatmen. Immerhin. Wir lesen uns, bald.
Es geht mir gut.

(Bild via marrren.)

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11 Comments

  1. Hahahaha. Musste gerade richtig schmunzeln!
    Habe die Welt auch genau so betrachtet, als die Schulzeit vorüberging. Ich fand es so traurig und war -so kam es mir vor- aber die einzige, die in den Situationen immer gesagt hat: Leute, wir machen das hier gerade zum letzten Mal! 🙂

    Ich mag Abschiede nicht. Egal wo. Ob nach dem Urlaub oder eben einer sehr langen Zeit der Schule. Weil man einfach schon weiß, dass man fast alle nicht mehr wieder sehen wird…

    Naja. Du schaffst es ja wenigstens, auch deine ersten Male zu schätzen! Gefällt mir! 🙂

  2. Achja, bei mir ist es jetzt genau ein Jahr vorbei. Und ich sitze in der Bahn auf dem Weg zur Uni, während Spongebob und Schneewittchen angetrunken einsteigen und ihren vorvorletzten Schultag als Kinderhelden begehen..

  3. So fühlt sich das wohl immer an, ich habe das ähnlich erlebt. Was ich aber auch erlebt habe, war dieses unglaubliche Gefühl des Triumphes, der nahenden Freiheit. Etwas, das mit schwer fällt, zu beschreiben und von dem ich dir wünsche, dass du es auch erleben wirst.

    Falls du Zeit dafür hast: Ich habe eben die letzte Folge (bzw. den letzten Film) der MTV-Zeichentrickserie „Daria“ gesehen, da geht es auch genau um das Thema, es scheinen alle es so zu erleben. Genieß es.

  4. Die Meisten sieht man schon wieder, wenn man will. Und dann ist es wieder wie früher, nur besser. Kann ich jetzt so über die letzten acht Jahre sagen.

  5. Schön, wieder etwas von dir zu lesen. Ein sehr nostalgischer und nachdenklicher, teils aber auch amüsanter Post. Danke, dass du mir wieder einmal die Worte aus dem Mund geschrieben hast. Ich wünsche dir ganz frohe Ostern.

  6. Deine Gedanken kann ich gut nachvollziehen, mir ging es ganz ähnlich, als ich im vergangenen Jahr die Schule mit dem Abitur in der Tasche beendet habe. Mittlerweile wohne ich 500km entfernt von Familie und den damaligen Freunden, in Berlin. Aber noch fühlt sich die „neu“ gewonnene „Freiheit“ gut an. 🙂

  7. Toller Text. Über diese letzten male, die bei mir erst in einem Jahr anstehen, mache ich mir auch sehr viele Gedanken.
    Ich habe ein wenig Angst vor dieser Freiheit, denn die letzten Jahren bestanden halt nur aus Schule und die hat einen großen Teil in meinem Leben eingenommen.
    Dein Text hat mich sehr zum nach denken gebracht. Danke dafür.

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