Auf Reisen, 2.0.

Oświęcim (Auschwitz), Polen, 17. Februar 2012 – 24. Februar 2012.

„Deutschland denken, heißt Auschwitz denken.“
Theodor W. Adorno

(Bild via mindfulness.)

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4 Comments

  1. Das Zitat ist nicht von Adorno, sondern von Grass. – Von Adorno gibt’s aber ein viel besseres Zitat, das man allen lyrisch gesinnten Schriftstellerinnen und Schriftstellern ins Stammbuch schreiben sollte: „Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch.“ (Kulturkritik und Gesellschaft, 1951)

  2. Ich kann’s nicht festmachen oder beweisen. Von Adorno habe ich nämlich nur die Dialektik der Aufklärung, die Minima Moralia, das Gustav-Mahler-Buch, die ersten 100 Seiten der Ästhetischen Theorie und ein paar Essay-Bände gelesen. Von Grass gar nix, weil ich dessen Schreibe schrecklich unsensibel finde. – Zu modernen Philosophen und zeitgenössischen Schriftstellern gibt das Internet (aus Copyright-Gründen und weil’s eh keinen interessiert – wer will schon so’n Krams wie Adorno lesen, wo ein Satz eine dreiviertel Seite lang ist) sowieso nur sehr wenig her. Bei diesen Themen dienen online fast alle „Infos“ Unterhaltungs-, parteipolitischen, ideologischen oder merkantilen Interessen. Es sagt mithin also nicht sonderlich viel aus: aber das Zitat wird online deutlich häufiger Grass als Adorno zugeschrieben. Ich vermute, dass Grass diese Formulierung in einer Rede verwendet hat, die er am oder kurz nach dem 3. Oktober 1990 (dem Tag der deutschen Wiedervereinigung) gehalten haben soll. Es ist ein Schlagwort, das bis etwa 1998-2000 (Walser-Bubis-Debatte etc.) von Alt-68ern, Grünen usw. bei Demos verwendet wurde. – Abgesehen davon: Der moralisch imperative Ton, der dem Zitat, obwohl es natürlich nicht im Imperativ steht, irgendwie ja doch zueigen ist, passt, wie ich finde, eigentlich überhaupt nicht zu dem unverwechselbaren Ton von allem, was Adorno so schriftlich von sich gegeben hat – jenem Ton, der irgendwo zwischen nüchternem Konstatieren und melancholischer Resignation schwebt, jenem Ton btw, der in der Quintessenz von Adorno anklingt, die eben nicht: „Es gibt viel zu tun – Packen wir’s an!“ (Esso) lautet, sondern: „Denn nichts als nur Verzweiflung kann uns retten.“ Das ist ein Satz von Christian Dietrich Grabbe, den Adorno im Spiegel-Interview vom 5.5.1969 zitierte.- Ich fänd’s übrigens lustig, wenn das Auschwitz-Zitat – meiner tollen Argumentation zum Trotz – doch von Adorno wäre. Mündlich scheint er ja allerlei so mal eben dahergesagt zu haben (in diversen TV-Interviews 1967-69); ich habe den Eindruck, dass es da unter Alternativen, Grünen, links Orientierten usw. bis heute eine sozusagen außerkanonische oder zumindest apokryphe Tradition von mündlichen Aussprüchen von Geistesheroen aus der 68er Zeit gibt, deren Authentizitätsgrad kaum mehr nachzuprüfen ist. – – Und dass ich dein Zitat mag, brauch ich ja wohl nicht zu sagen. 🙂

  3. Bewegt sich die Wasserfläche, oder bilde ich mir das nur ein, ich kanns nicht sagen.!?
    Ich habe grade vesucht mich an meine post-schriftliches-Abitur-Phase zu erinnern und obwohl sie nur 4 Jahre her ist, kann ich mich nicht mehr so richtig erinnern, was ich in der Zeit bis zu den mündlichen getrieben habe. Eigenartig.

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