Into the Wild.

Von den Filmen, die ich bisher gesehen habe, sind mir vielleicht eine handvoll bleibend in Erinnerung geblieben – weil sie mich inspiriert haben, mit auf eine Reise genommen haben, etwas in mir auslösten. ‚Into the Wild‘ ist einer von ihnen, wenn nicht vielleicht sogar der, der am Stärksten in meinen Gedanken nachwirkt.

Letzt Woche sah ich ‚Into the Wild‘ mit einem Freund – und heute werde ich ihn wiederum einer Freundin zeigen. Meiner Ansicht nach ist das sehr bezeichnend für das, was der Film in einem auslöst: Dass man ihn anderen Menschen zuteil werden lassen will. Jeder Mensch, den man gern hat und den Film vermutlich auch zu schätzen weiß, soll ihn gesehen haben – dringend! ‚Into the Wild‘ ist kein Film, den man unkommentiert stehen lassen kann, man muss über ihn sprechen, über das Gesehene diskutieren und ganz für sich über ihn nachsinnen. Es ist gerade einmal eine Woche her, dass ich das Leben und Sterben des Chris McCandless begleiten durfte und dennoch kann ich mir kaum vorstellen, dieses inspirierende und bereichernde Werk nicht in meinem Erinnerungsschatz zu haben. In den Tagen nach dem Film habe ich das Buch gelesen, in dem der Lebensweg McCandless‘ vom Journalisten Jon Krakauer nachvollzogen wird.

Für alle, die bisher noch nicht mit Christopher McCandless – oder, wie er sich später nennt, Alexander Supertramp – in Berührung gekommen sind, die Kurzzusammenfassung des Buches (im Deutschen unter dem Titel „In die Wildnis“ erschienen):
Im August 1992 wurde die Leiche von Chris McCandless im Eis von Alaska gefunden. Wer war dieser junge Mann, und was hatte ihn in die gottverlassene Wildnis getrieben? Jon Krakauer hat sein Leben erforscht, seine Reise in den Tod rekonstruiert und ein traurig-schönes Buch geschrieben über die Sehnsucht, die diesen Mann veranlasste, sämtliche Besitztümer und Errungenschaften der Zivilisation hinter sich zu lassen, um tief in die wilde und einsame Schönheit der Natur einzutauchen. – Verfilmt von Sean Penn mit Emile Hirsch.
Es ist unglaublich spannend zu lesen, wie Krakauer die letzten Monate McCandless‘ so gut wie eben möglich nachvollzogen hat, mit Menschen gesprochen hat, denen Chris auf seiner Reise in die Wildnis begegnet ist, versucht hat, seine Persönlichkeit zu ergründen. Neben der Rekonstruktion seiner letzten Monate hat sich Krakauer auch mit Chris‘ Familiengeschichte auseinandergesetzt, das Schicksal anderer junger Männer, die sich genau wie Chris von Alaska angelockt fühlten, beleuchtet und zudem jedem Kapitel Zitate aus Büchern vorangestellt, die bei McCandless Leiche gefunden wurde. Die meisten zitierten Stellen hatte Chris in seinen Büchern angestrichen – weil sie ihn inspirierten, er sich mit ihnen identifizieren konnte. Ich persönlich fühlte mich durch diese Zitate unglaublich inspiriert – inspiriert, einige der zitierten Bücher ebenfalls zu lesen. (Ich denke, ich werde mit Tolstois ‚Familienglück‘ loslegen. Aber auch ‚Walden‘ von Thoreau habe ich bereits hier liegen.)

Besonders vermag „Into the Wild“ aber eines mit einem anzustellen: Es weckt eine unbändige Reiselust, die Sehnsucht danach, ein paar Dinge in den Trekkingrucksack zu werfen, fünf gute Bücher auf einem Flohmarkt zu kaufen und mit zehn Euro einfach da raus zu marschieren. Seitdem ich mit „Into the Wild“ in Berührung kam, plane ich noch begeisterter Reisen und Touren für das kommende Jahr. Ich will einfach nur noch da raus und Abenteuer erleben – auch wenn meine nicht nach Alaska führen werden. Und hoffentlich auch nicht in den Tod.

Ich könnte mich noch stundenlang inhaltlich über „Into the Wild“ und das Leben und Sterben des Chris McCandless auslassen, aber ich werde es nicht tun. Weil ich will, dass ihr euch den Film anschaut und das Buch lest. (Egal in welcher Reihenfolge. Es ist absolut kein Problem, zuerst den Film anzuschauen, so wie ich es tat.) Der Film bezaubert besonders durch seine atemberaubenden Bilder, seine dialogarme Poientiertheit. Dem gegenüber steht das Buch Krakauers, das sich sachlich und mindestens genauso mitreißend mit der Person McCandless auseinandersetzt. Das Gesamtpakekt – Buch und Film – ist absolut empfehlenswert, inspirierend und bewegend! Lesen, gernhaben, weiterempfehlen!

R.I.P. Chris McCandless.

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11 Comments

  1. Es ist wohl wahr, dass es für jeden Menschen eine Handvoll Filme gibt, die einen ein Leben lang begleiten. Sei es ein wundervoller Kinder(märchen)film oder ein Film, der mit einem schönen Ereignis (z. B. der erste Kuss) verbunden ist.
    Meine drei Meilensteine sind: „Tanz der Vampire“, „The Big Lebowski“ und „Leon – der Profi“. Aber das eben nur drei von etlichen mehr.

  2. den film habe ich vor einiger zeit mit meinem freund geguckt und ich hab noch nie so einen beeindruckenden film gesehen, der hat mich echt zum staunen gebracht.. das buch werd ich auf jeden jeden fall noch lesen

  3. Den Film will ich unbedingt auch bald sehen. Das Buch mochte ich nicht so gerne, weil es zu viel außenrum erzählt hat, nicht nur die wirklich interessante Geschichte von Chris. Jon Krakauer hat auch einiges von sich selbst reingepackt, das fand ich nicht so toll.

  4. Mich hat der Film auch richtig umgehauen. Ich bin fast 20 Jahre älter als du und schon an einem ganz anderen Punkt in meinem Leben, aber vielleicht auch gerade deswegen war der Film unheimlich wichtig für mich, um mein schon etwas etablierteres Leben mal kritisch zu hinterfragen. Leider haben die meisten, mit denen ich den Film teilen wollte, nicht meine Begeisterung geteilt. Für sie war der Grundtenor, der auch tendenziell in Krakauers Buch durchscheint (ich hab ihn auch hinterher gelesen und fand ihn sehr gut als Ergänzung und Vertiefung, würde aber auch absolut diese Reihenfolge empfehlen, da ich das Buch nicht ganz so mitreißend fand), dass Alex einfach einer naiver Phantast war und sie seine Gründe nicht nachvollziehen können. Ich freue mich jedenfalls sehr, hier meine Leidenschaft geteilt zu finden, wie ich auch dein Blog sehr inspirierend und lesenswert finde. Wenn du Tolstoi liest, empfehle ich auch „Tolstois Flucht und Tod“ seiner Tochter Alexandra, da finden sich seine Motive und sein Bewusstseinswandel sehr gut nachvollzogen. Man versteht auch, was Chris an seinen Schriften in den Bann zog. Ich wünsche dir viele Abenteuer und gute Begegnungen und Erfahrungen bei deinen Entdeckertouren!

  5. bis jetzt habe ich nur das buch gelesen, irgendwann anfang des jahres glaube ich. der film schlummert seit einer weile auf meiner externen festplatte, ich habe noch nicht den richtigen moment gefunden, habe es mir fuer die ferien aber vorgenommen. das buch hat gefesselt, wie nur weniges davor. ich habe fuer chris gebetet, mit ihm gezittert beim ueberqueren der stromschnellen.

  6. Vor ungefähr eineinhalb Jahren habe ich das Buch erstmals gelesen. In der Bibliothek war es eher ein Spontangriff, dass es solche Folgen mit sich ziehen würde, habe ich nie geahnt. Ich war begeistert, fasziniert, gefesselt von der Geschichte und so schaute ich mir nur kurze Zeit später den Film an – und war mindestens genauso begeistert.
    Nach etlichem Lesen und Schauen bin ich sogar so weit, zu sagen, dass mich die Geschichte rund um Christopher McCandless verändert hat. Ich stehe anders zur Gesellschaft, bin kritischer gewissen Themen gegenüber und mich hat die Reiselust und Sehnsuch über alle Maßen gepackt.
    Erst letzten Samstag habe ich den Film einer Freundin gezeigt und ich bin froh, dass sie auch so begeistert war, wie ich es nach wie vor bin.
    Ja, ich könnte auch noch ewig weiter schreiben und loben, aber ich höre an dieser Stelle auf und kann allen nur empfehlen, den Film zu schauen und das Buch zu lesen.
    (Übrigens ist der Soundtrack von Eddie Vedder auch nicht von schlechten Eltern.)

  7. Bin grad auf Deinen Blog gepurzelt und lese gerade ganz begeistert hier 🙂
    Der Film: Hammer! Immer wieder. Aber das erste Mal im Kino war unbeschreiblich. Zum Glück sah ich ihn mit einem netten Mann, der genau die gleichen Gedanken und Gefühle dazu hatte wie ich. Wir gingen danach völlig paralysiert durch die Stadt und erwischten eher durch Zufall die letzte Bahn nach Hause. Ich wär aber an dem Abend auch nach Hause gelaufen.
    Und mir wird gerade klar: ich sehne mich auch wieder mehr nach Abenteuer. Hinaus! Hinaus!
    Liebe Grüße und viel Buntes und Schönes im neuen Jahr ^^

  8. Auch ich bin von dem Film absolut begeistert. Du hast das ja auch geschrieben: Der Film weckt diese Lust zu reisen. Nur mit einem Rucksack mit einigen Büchern.
    Leider kennen nur total wenig Leute Into the Wild. Dabei ist der Film einfach umwerfend.
    Und ich muss karoworldx3 Recht geben, der Soundtrack ist auch wirklich super!

  9. Ein Film, der mich auch einige Tage nach dem Anschauen noch beschäftigt hat. Allein die Tatsache, dass er am Ende eigentlich gar nicht so weit von der Zivilisation entfernt war (laut Wikipedia 20 Meilen vom Parks Highway entfernt) und dann so sterben musste, macht einen fertig.
    McCandless hat einen Schritt gewagt, den wohl viele schon in Betracht gezogen haben aber nie den Mumm hatten, es auch durchzuziehen.

    Das Buch habe ich nicht, es steht aber jetzt auch auf meiner Amazon-Wunschliste. Es sind eh noch genug Bücher da, die noch gelesen werden müssen. 🙂

  10. Ich habe den Film gestern gesehen. Es ist der Lieblingsfilm meines Freundes, der gerade durch Amerika reist, bis nach Alaska. Er hat versprochen, im September wieder nach Hause zu kommen. Jetzt wo ich den Film gesehen habe, kann ich seine Begeisterung verstehen, habe aber auch mehr Angst um ihn. Ein wunderbarer Film, sehr berührend!

  11. GENAU so ging es mir mit einem anderen Buch:
    „On the road“ von Jack Kerouac. Allerdings unbedingt in der Urfassung!
    Vor ein paar Stunden hab ich es beendet und dabei genau diegleichen Empfindungen, wie du sie beschrieben hast..
    Du solltest es unununununununbedingt lesen!
    (Der Film mit Kirsten Stewart ist in diesem Fall nicht annähernd so gut!)

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