Teil 2: Ernährung. Oder: Wie ich 7 Kilo und noch mehr Vorurteile verlor.

Vegetarierin wurde ich aus Tierrechtsgründen – und das ist vermutlich das Zynischste, was man tun kann. Bei mir war es vor allem Unwissenheit, die mich Glauben machte, als Vegetarierin würde ich so viel Tierleid wie nur möglich verhindern und Veganerin, das wäre ja nur ein Upgrade, das keiner braucht. Vermutlich, weil ich überhaupt keine Ahnung hatte, was das Konzept Veganismus ausmacht. Deswegen habe ich wild den Kopf geschüttelt und „Nein, ich will ja nicht Veganerin werden!“, wenn eine Debatte über meinen Vegetarismus, der schon von vielen skeptisch genug aufgenommen wurde, plötzlich zum Veganismus überging. Vermutlich, weil die Lebensmittelindustrie uns so sehr zu beeinflussen, dass wir uns nicht ernähren, sondern einfach fressen.

Veganerin wurde ich nicht nur aus Tierrechtsgründen. Natürlich: Das war ein wichtiger Baustein – aber eben nur einer. Auch gesundheitliche und vor allem ökologische Aspekte nahmen mir eigentlich mehr oder weniger die Entscheidung ab, schubsten mich sachte in ein neues Abenteuer, dessen Zeit wohl einfach gekommen war. Ich bin immer noch am Anfang einer langen, weiten, nicht immer ganz einfachen Reise („Oh, zur Hilfe, ich will Eis essen! Aber es gibt so gut wie kein veganes Eis!“ „Wusstest du nicht, dass Sorbet meistens vegan ist?“ „Du hast mir gerade das Leben und meinen Sommer gerettet!“). Aber darum geht es doch letztendlich im Leben: Sich auf eine Reise zu begehen. Stationen oder Ankunftszeiten sind doch eher Nebensache, die Hauptsache ist, man ist in Bewegung und sieht etwas. Und was ich in den letzten Monaten gesehen und erlebt habe, hat einen anderen Menschen aus mir werden lassen. Einen mutigeren, vorurteilsfreieren. Einen glücklicheren.

Warum es zynisch ist, aus Tierrechtsaspekten Vegetarierin zu werden? Weil Vegetarismus wenig dazu beiträgt, Tieren Rechte zuteil werden zu lassen. Dass es den Hühnern und Kühen, die für mein tägliches Essen mitverantwortlich waren, nicht sonderlich gut gehen konnte, hatte ich ja schon immer irgendwie geahnt, aber die genauen Hintergründe kannte ich wirklich nicht. Vermutlich habe ich bisher einfach Scheuklappen getragen, um nicht aktiv werden zu müssen – denn: Was man einmal weiß, das verändert etwas in einem. Jedenfalls, wenn man es an sich heran lässt. Und ich habe es an mich herangelassen. Und mit dem Heranlassen und Reflektieren kam auch automatisch die Gewissheit, dass das in letzter Konsequenz nicht mein Weg sein kann. Dass ich nicht Vegetarierin aus Tierrechtsgründen sein kann, während jedes zweite Küken – auch in Biobetrieben – geschreddert wird, nur weil es männlich und somit für das Eierlegen nicht geeignet ist, kurz: Unwirtschaftlich. Dass allgemein Hühner gar kein Interesse daran haben, ständig Eier zu legen und dies eigentlich nur unter Stressbedingungen tun, wenn ihnen also immer wieder ihre Eier weggenommen werden und sie nicht mit dem Bebrüten von ungefähr 6 bis 12 Eiern beginnen können. Dass Kälbchen direkt nach der Geburt von ihren Müttern getrennt werden, nur damit wir ihnen ihre Muttermilch wegtrinken können. (Das muss man sich überhaupt mal auf der Zunge zergehen lassen: Wir sind die einzige Spezies, die einer anderen Spezies die Muttermilch wegtrinkt.) Dass die Hälfte dieser Kälbchen männlich ist und zu Kalbsfleisch verarbeitet wird und die andere Hälfte, die weibliche, sich in den Gebärkreislauf einordnen muss.

Ich glaube, das Problem ist, dass wir vor dem Supermarktregal stehen und uns beim Griff nach einem Lebensmittel gar nicht darüber im Klaren sind, dass wir gerade eine Entscheidung treffen. Eine wichtige. Eine, die weit über die Auswirkungen, die sie alleine auf unseren Körper hat, hinausgeht. Eine moralische Entscheidung. Zum Beispiel war mir bis vor ein paar Monaten nicht klar, dass einige von den Gummibärchen, die ich mir in den achtzehn Jahren meines Lebens zu Gemüte geführt habe, tierische Gelatine enthalten haben. Genauso wie die Hälfte meiner Joghurts, Softdrinks und sogar manche Zahnpasta. Für alle, die hinsichtlich tierischer Gelatine genauso unterinformiert sind wie ich: Wikipedia sagt, es handelt sich dabei um ein Produkt, das zu 70 Prozent aus Schweineschwarten hergestellt wird. 18 Prozent besteht aus Tierknochen, weitere 10 Prozent aus Häuten. Um einen knackigen Slogan zu finden: „Lachgummi – hatten Sie heute schon Ihre Portion Leichenteile?“

Extrem gesagt: Ich habe keinen Bock mehr auf diese Scheiße. Ich habe keinen Bock mehr darauf, durch Supermärkte zu irren und alles gedankenlos in den Wagen zu stopfen. Ich habe keinen Bock mehr darauf, satt zu sein – ich will mich ernähren. Ich will nicht mehr Endprodukte sehen, sondern mir vor Augen führen, was die Produkte auf meinem Teller einst waren, bevor sie in einem Supermarktregal standen. Jemand hat mal gesagt: „Wenn wir die Tiere selbst töten und schlachten müssten, äße fast niemand mehr Fleisch.“ Daran glaube ich. Weil ich denke, dass man uns so instrumentalisiert hat, dass wir uns bei einem Bissen in unser Wurstbrot gar nicht mehr vor Augen führen, dass die Wurst mal ein Schwein war, unter schlechten Bedingungen irgendwo eingepfercht gemästet wurde und vermutlich niemals Tageslicht gesehen hat, bevor es in der Schlachterei, eventuell noch halb bei Bewusstsein, auseinander genommen wurde. Die grinsende Gesichtswurst für Kinder ist so zynisch, dass ich schreien werde, sollte jemals jemand meinem aus Kambodscha adoptieren Nachwuchs eine Scheibe anbieten.

Was ich allgemein sehr spannend finde: Die Diskussion, ob es legitim ist, seine Kinder vegetarisch oder vegan zu ernähren. Ich bin absolut der Meinung: Ja! Das Argument, dass man seinen Kindern seinen Lebensstil aufzwingt, ist doch ein Konstrukt, das in sich selbst zusammenstürzt: Setzt man ihnen Fleisch vor, tut man schließlich nichts anderes, sagt man „Ich esse das, iss du das auch“ überträgt man ebenso seinen Lebensstil auf den seines Kindes. Und das Argument, dass man seinen Kindern mit vegetarischer Ernährung schadet, halte ich auch für falsch, es gibt schließlich eine Vielzahl an Lebensmittel, die die wichtigen Nährstoffe, die in Fleisch enthalten sind, ebenfalls enthalten. So enthält Sojafleisch zum Beispiel genauso viel Eisen wie herkömmliches Fleisch – und besser noch: Sogar mehr als unter anderem Kalbsleber. Würde ich mich dazu entscheiden, auch meine Kinder vegan zu ernähren, würde ich mir definitiv entsprechende Literatur (die gibt es tatsächlich!) anschaffen und mich in die Thematik knien, pauschal kann ich nicht sagen, was vegane Ernährung für Auswirkungen auf Kinderkörper im Wachstum hat, aber ich weiß: Es gibt vegane Kinder, aus denen irgendwann gesunde, glückliche Erwachsene geworden sind.

Ich glaube, in der Ernährungsdebatte ist es wichtig, dass wir uns nicht dazu  verleiten lassen, zu pauschalisieren. Es ist mindestens ebenso wichtig, dass wir sachlich bleiben. Dass wir Grenzen und Meinungen respektieren und akzeptieren, dass keine Partei versucht, missionarisch jeden vom Fleischverzicht oder aber vom Fleischverzehr zu überzeugen. Jeder muss an einem Punkt seines Lebens entscheiden, welchen Weg er einschlägt oder vielmehr auf welchem Weg er weiterhin wandeln möchte. Ich selbst bin mit mittelmäßig viel Fleisch groß geworden, es gab immer mal was, ich habe immer mal was gegessen, aber ich war nie eine überzeugte, begeisterte Fleischesserin. Trotzdem: Lange Jahre habe ich gegessen, ohne zu hinterfragen. Lange Jahre habe ich mich nicht damit auseinandergesetzt, welche Qualen Tiere durchleiden müssen, um von mir verspeist zu werden. Und was ich meiner Umwelt antue, wie viele Ressourcen verschwendet werden, um ein Kilo Fleisch herzustellen. Was der Konsum von Milch und Eiern meinem Körper antut. Aber: Ich werde mich nie in einem gebatikten T-Shirt auf eine Eierpalette bei Aldi stellen und Verwünschungen und Propagandakram durch den Discounter schreien. Ich freue mich über jeden, der Interesse an meiner neuen Lebensweise hat, der durch mich beginnt, seinen Konsum ebenfalls zu hinterfragen, aber eine völlig vegane Welt ist eine Utopie – eine, die niemals funktionieren würde und wird. Was aber beim besten Willen nicht heißt, dass die vegane Bewegung zum Scheitern verursacht ist. Jeder Veganer rettet in seinem Leben im Schnitt 2000 Tiere, habe ich kürzlich irgendwo gelesen. Jeder Veganer spart pro Jahr in etwa so viel CO2 wie ein regelmäßiger Autofahrer ausstößt. Jeder Veganer ist einer, den die Welt gebrauchen kann. (Wer genauere Statistiken oder weitere Informationen haben will, für den werde ich am Ende des Artikels noch ein paar Links und Literatur anhängen. Dieser Artikel sollte kein übermäßig sachlicher und faktenreicher werden, sondern eher einer, in dem ich mir das von der Seele schreibe, was mich seit einigen Monaten beschäftigt.)

Natürlich ist jetzt alles schwieriger. In Restaurants scheidet 95 Prozent der Speisekarte kategorisch aus, ich muss ständig Dinge um- und abbestellen oder Fragen stellen, die die Bedienung überfordert. Im Supermarkt brauche ich mindestens doppelt so lange, weil es aufwendig ist, Inhaltsstoffe zu überprüfen, die oft so kryptisch formuliert sind, dass man nur zu dem Schluss kommen kann, dass die Verarsche des Konsumenten in vollem Gang ist. (Überhaupt: Ich versuche nur noch Produkte zu kaufen, die so wenig Inhaltsstoffe wie möglich enthalten und keine E-Nummern oder irgendwelchen anderen chemischen Kram, für den ich erstmal ein abgeschlossenes Studium der Lebensmittelchemie benötigte.) Aber ich lerne jeden Tag dazu, ich finde heraus, was für Produkte vegan sind und super schmecken, Dinge, die ich gerne regelmäßig esse und nach denen ich irgendwann wohl im Supermarkt blind greifen werde. Allgemein: Ich esse viel gesünder, Schokolade oder Chips, es gibt tatsächlich ein paar vegane Sorten in jedem Supermarkt, sind mittlerweile wieder zu etwas besonderem geworden. Ich habe mit mehr Bewegung und einer ziemlich gesunden Ernährung ungefähr 7 Kilo abgenommen, ohne dass es sich je wirklich wie Abnehmen anfühlte. Ich passe plötzlich in Hosen, die selbst beim Kauf schon ein wenig zu eng waren und eine dieser Hosen beginnt sogar auch schon zu rutschen. Ich fühle mich viel fitter und gesünder  – in diesem Jahr war ich noch kein einziges Mal krank und als ich noch Fleisch aß, war mein Immunsystem ein völliges Desaster. Da soll es ja durchaus Zusammenhänge geben… (Den Tieren auf unseren Tellern werden prophylaktisch Antibiotika gegeben – auch aus Gründen der Wirtschaftlichkeit. Kranke Tiere kann sich ein Bauer schließlich nicht erlauben, das Fleisch muss ja schön billig bleiben und deswegen lieber so, als im Ernstfall eine Seuche zu riskieren oder gar einen Tierarzt rufen zu müssen.)

Ich würde mich sehr über eine rege Debatte freuen, über Tipps und Anregungen, über eure Meinungen und Gedanken, eure Ideen und Visionen zum Thema Ernährung und ganz besonders zum Thema Veganismus oder auch Vegetarismus. (Weniger begeistert wäre ich übrigens von Kommentaren wie „Du isst unserem Essen das Essen weg“, „Fleisch ist mein Gemüse“, „Komm schnell essen, das Essen wird welk“, „Und was ist mit Fisch?“ oder „Mirka, das ist eh nur eine Weltretterphase, in ein paar Jahren treffen wir uns dann im Steakrestaurant.“ Deswegen habe ich das an dieser Stelle schonmal selbst übernommen und freue mich jetzt auf die echten Kommentare.)

Ich will nicht einfach nur essen, ich will mich ernähren. Und ich glaube, das ist ein lebenslanger Prozess, der jeden Tag aufs Neue fordert. Manchmal vielleicht auch überfordert. Aber ich stelle mich dieser Herausforderung. Ich kneife nicht, wenn es brenzlig wird. Ich bin noch da, wenn andere kapitulieren, selbst wenn ich manchmal meine Lieblingskekse vermisse oder bei Zeitmangel durch den Supermarkt haste und nichts finde, was man auf die Schnelle kaufen und kochen könnte. Ich bin noch ganz am Anfang, aber da wo ich gerade bin, da fühle ich mich wohl und verstanden. Vor allem Gespräche mit Veganern, die ich in den vergangenen Wochen geführt habe, waren sehr inspirierend und bestärkend. Es geht mir nicht um Perfektion, es geht mir darum, mich in meinem Leben wohl zu fühlen. Und ich glaube, das ist gar nicht so schwer, wenn man einmal den Hintern hochbekommen hat.

Literatur:
Anständig essen – Karen Duve (das erste Buch, das ich zum Thema Ernährung las und das mich total für die Thematik entflammte)
Tiere essen – Jonathan Safran Foer
Die Essensfälscher – Thilo Bode
Die Ernährungslüge: Wie uns die Lebensmittelindustrie um den Verstand bringt – Hans-Ullrich Grimm
Die Essensvernichter: Taste the Waste – Warum die Hälfte aller Lebensmittel im Müll landet und wer dafür verantwortlich ist – Stefan Kreutzberger, Valentin Thurn
Die Ernährungsdiktatur: Warum wir nicht länger essen dürfen, was uns die Industrie auftischt – Tanja Busse
Food Revolution – John Robbins
Vegan! Vegane Lebensweisen für alle – Marc Pierschel
Vegan Freak – Being Vegan in a Non-Vegan World – Bob & Jenna Torres
(Ich habe nicht alle Bücher gelesen, aber sie stehen alle auf meiner Wunschliste und ich plane definitiv, sie noch zu lesen)

Links:
Nix wie veg
Vegan.de
Vegane Gesellschaft
(Googlet einfach selbst ein wenig, es gibt massig Infos und auch Rezeptseiten und -blogs zum Thema!)

(Bild via Horia Varlan.)

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31 Comments

  1. word.

    Was noch eine Herausforderung wird: Weihnachtsbäckerei. Vegane Sommer sind leichter als vegane Winter.
    Was nicht so cool ist: Den Artikel mit Gewichtsverlust zu teasern. Makes my feminist me cringe.

    1. Oh, Weihnachtsbäckerei habe ich die letzten beiden Jahre komplett boykottiert. Kein Lebkuchen, kein Zimtstern, kein Dominoirgendwas, nichts! (Dieses Jahr wollen wir durchsetzen, nicht einmal einen Weihnachtsbaum zu haben. Mal schauen, ob wir das hinbekommen!) Ansonten: Stimmt – bei meiner Suche nach einem interessant-provokativen Titel hätte ich vermutlich etwas Besseres finden können. Aber ich war neulich so erstaunt, als ich auf die Waage stieg – nicht, weil ich jetzt das Bedürfnis habe, mich irgendwo reinzuhungern, sondern weil ich nie gedacht hätte, dass gesunde Ernährung so einen Unterschied machen kann.

    2. Vegane Weihnachtsbäckerei ist gar nicht so ein Unding, wie man zu glauben scheint. Es gibt wahnsinnig viele super leckere und auch einfache, unkomplizierte Rezepte, die meinen veganen Herbst/Winter versüssen werden!

      Hier als Tipp: http://www.findingvegan.com
      Die umfangreichste Seite mit veganen Rezepten!

      Wunderbar von einer weiteren Veganerin zu lesen! Ich selbst esse seit dem 1. Januar 2011 vegan und bereue es kein bisschen. Meine Einstellung zur Ernährung hat sich nur zum positiven verändert. Ich geniesse es neue Rezepte auszuprobieren, Nahrungsmittel zu kaufen und zuzubereiten, von denen ich noch nie was gehört hatte (z.B. Seitan, Tempeh, usw.) und endlich zu wissen, was ich wirklich esse!

      Meiner Erfahrung nach, kann man jedes ’normale‘ Rezept veganisieren, von Cheesecake bis hin zu selbergemachtem veganem Käse!

      Hach, ich koche und backe seit meiner Umstellung noch viel lieber, denn ab und zu bedeutet vegan sein eben doch Verzicht, gerade bei Take Away/Fast Food.

      Viel Spass noch beim Entdecken und Geniessen des Veganismus! 🙂

  2. Ich hab versucht Vegetariern zu werden, ich hab es wirklich versucht. Aber dann kommt die Zeit in der es wieder üball Currywurst mit Pommes gibt und ich an den Ständen vorbeigehen muss und mir selbst sage „nein, du kannst das“. Letzendlich kann ich es nicht. Ich bin nicht stolz darauf weil ich wirklcih ALLEM zustimme, was du oben aufgezählt hast. (und es ist auch nicht so, dass ich mich hinter Unwissenheit über das Thema herausreden könnte. Durch die Berufe meiner Eltern werde ich damit eigentlich tagtäglich konfrontiert. Was meine Mutter und Geschwister seltsamerweise nicht vom fleischessen abhält, aber nun gut)
    Okay, bei dem Kinder vegan ernähren spalten sich unsere Meinung, aber ich gebe dir acuh hier grundsätzlich Recht.
    Ich lebe selbst noch zu Hause, in einer Familie voller Fleischesser (abgesehen von meinem Vater, der es irgendwie durchgesetzt hat sich vegetarisch zu ernähren) und ich glaube gerade das hat einen wesentlichen Teil auch dazu beigetragen, dass ich nicht mehr anders konnte als wieder mit geknicktem Kopf zurück zu meiner Currywurst zu schleichen. Ich mag das jetzt nicht all zu sehr ausführen, denn letzendlich versuche ich mich damit nur selbst herauszureden.
    Ich wage zu behaupten, dass es einfacher ist sich vegetarisch oder auch vegan zu ernähren, wenn man alleine lebt, einfach weil man selbst für alles verantwortlich ist was man kauft (bei uns in der Familie ist das so geregelt das eben meine Mutter einkauft und kocht, ist auch okay so, nur hab ich dann dadurch nicht sonderlich viel mitzureden). Ich werde es also erneut versuchen, wenn ich ausziehen kann und ich bin wirklich überzeugt davon, dass es mir dann leichter fallen wird.
    Natürlich werde ich den ein oder anderen Schwächeanfall haben, die CurrywurstimbissbudenaufdenStraßenzeit kommt ja auch ohne die Werte Familie, aber was ich an meinen zwei Wochen gar kein Fleisch mehr wirklich gemerkt habe: mit der Zeit wird es leichter.
    Hat man dann jedoch einmal nachgegeben…. das ist das Schlimmste.

    Im Moment arbeiten Wissenschaftler ja daran Fleisch künstlich herzustellen. Ich weiß nicht inwiefern du über das Thema informiert bist, nur kurz (noch für andere Diskutierwillige) zur Erläutunger: künstliches Fleisch wird dadurch ‚hergestellt‘, dass einem Tier Zellen entnommen werden (SEHR wenige. Dem Tier wird dabei kein Schaden zugefügt etc. nur eben einmal! diese Zellen entnommen), die dann durch irgendwelche Prozesse dazu angeregt werden sich zu vermehren. Je mehr die sich vermehren desto mehr Fleisch ‚ensteht‘ also. Rein theoretisch müsste es in ein paar Jahren also so weit sein, dass einmalig Zellen entnommen werden und dadurch wirklich große Fleischstücke entstehen können.
    Der Gedanke hinter einer vegetarischen Ernährung ist ja meist der, dass keine Tiere zu schaden kommen,
    jetzt meine Frage: würdest du/würdet ihr künstlich hergestelltes Fleisch essen? (wenn die Forschung eben in x Jahren mal soweit ist)

    1. Die Vermutung, dass es leichter ist, vegetarisch oder vegan zu leben, wenn man alleine lebt, würde ich unterstützen. Ich lebe zwar auch noch zu Hause, kaufe für mich aber selbst ein und kann so sehr genau steuern, was ich kaufe und esse. Manchmal ist es natürlich schwierig, vor allem, wenn man unterwegs ist und irgendjemand ein Eis essen möchte oder zu McDonald’s (noch so eine Boykottmarotte von mir, die kriegen keinen Euro mehr!). Ich wünsche dir ganz viel Glück, für die Zeit nach deinem Auszug – ein Schritt nach dem anderen, dich nicht von Niederlagen einschüchtern lassen, nachsichtig mit dir selbst sein, dann klappt das schon. 😉

      Von dieser Synthetikfleisch-Geschichte habe ich absolut noch gar nichts gehört und ich denke nicht, dass ich sowas anrühren würde. Zum einen, weil die ökologischen Aspekte die gleichen bleiben (die Tiere müssen gehalten und ernährt werden, was der Umwelt schadet und irgendwann werden Tiere krank und unwirtschaftlich – ich glaube nicht, dass man danach jedem einen schönen Platz auf dem Gnadenhof einrichten würde und frage mich auch, wie teuer Synthetikfleisch wäre…), zum anderen, weil Tiere immer noch ausgebeutet würden, selbst wenn es für sie weniger Leid bedeutete. Außerdem möchte ich absolut nicht wissen, wie chemisch dieses Fleisch dann wäre. Ich will meinem Körper nicht wirklich etwas zuführen, das in irgendeinem Labor so modifiziert wurde, bis es wie etwas schmeckte, dass ich zu essen verweigere. Vermutlich habe ich da auch nur diese Einstellung, weil ich Fleisch nicht vermisse – das einzige, was ich ziemlich gerne gegessen habe, war Salami und da bin ich nach fast einem Jahr ganz gut drüber hinweg. 😉 Wenn das Thema irgendwann mal größer in den Medien ist, würde ich mich aber definitiv nochmal damit auseinandersetzen, im Moment habe ich zu wenig Informationen, um das hinreichend bewerten zu können.

  3. „Ich werde mich nie in einem gebatikten T-Shirt auf eine Eierpalette bei Aldi stellen und Verwünschungen und Propagandakram durch den Discounter schreien.“ – oh bitte, bitte. Mach das!!!
    Nein, ich finde alles gut und sehr informativ was du schreibst. Bewundernswert und was jetzt schlimm daran sein soll, dass du 7 Kilo verloren hast – well, die „Anti-Feministin“ in mir beneidet dich. Abnehmen hat ja auch häufig etwas mit Gesundheit zu tun und ich bin sicher, dass du es nicht mal bewusst gemacht hast. Wobei ich doch etwas geschockt war, da du ja bereits vorher eine recht schlanke Figur hattest. Mich jedenfalls konntest du mit der Überschrift locken, aber ich schreibe ja auch konsequent Stundenten statt Studierende oder gar StudentInnen – also bin ich nicht die beste Ansprechperson, was dieses Thema betrifft. Ja, ich habe dazu auch noch einiges zu sagen. Dass ich gegen vegane Ernährung bei Kindern bin zum Beispiel, weil ich denke, dass das gesundheitliche Probleme nach sich ziehen kann. Generell bin ich aber (absichtlich, das gebe ich zu) weitgehend uninformiert und kann mir zu wenig ein Urteil erlauben. Jedenfalls soll vegetarische Ernährung bei Kindern gut funktionieren und wenn man alles genau im Blick hat, dann finde es gut, wenn man seine Kinder frühzeitig von übertriebenem Fleischkonsum, wie er beispielsweise in meiner Familie verbreitet ist, wegführt. Ich habe vor einer Weile angefangen mich bewusst für oder gegen Fleisch zu entscheiden. Plötzlich habe ich gemerkt, dass ich seit Wochen weder Fleisch noch Wurst gegessen habe. Mir weder Salami noch Hühnchenfleisch fehlen, was in den allerersten Tagen wirklich schwer war. Und plötzlich wurde mir klar, dass es nun so weitergehen kann. Ich will mir nicht bis in alle Ewigkeit verbieten kein Fleisch, keinen Fisch und keine Wurst mehr zu essen. Aber ich denke, dass meine Herangehensweise zu diesem Zeitpunkt richtig für mich ist. Mir ging es übrigens zu 90% um ökologische Aspekte. Ich mag Tiere, aber Menschen gehen mir immer vor und das ist erstmal mein Fokus im Leben. Ich glaube nicht, dass man in allen Aspekten perfekt sein kann und ich finde es schwierig, wie selbstgefällig viele Vegetarier/Veganer sind. Dazu gibt es übrigens Studien, die diese Ansicht untermauern. Tierschutz ist eine schöne Sache, aber meine Energie reicht zu einem Veganerdasein nicht aus. Dann würde ich andere Dinge vernachlässigen und das möchte ich erstmal nicht. Aber das ist eine persönliche Ansicht. Wenn andere alles unter einen Hut bringen können und vegane Kuchen sogar lecker finden (ich probiere immer tapfer, aber ernsthaft..uah.), dann ist das wundervoll und lobenswert. Zu diesem Zeitpunkt und vermutlich zu keinem anderen, wird das für mich eine ernstzunehmende Alternative sein. Ich baue lieber Brunnen in Afrika und rette damit die Welt ;). Oder auch nicht.

    1. K. schrieb:
      „Wenn andere … vegane Kuchen sogar lecker finden (ich probiere immer tapfer, aber ernsthaft..uah.),“
      Das stimmt einfach nicht: Ich selbst bin Vegetarierin, aber meine Tochter ist seit einiger Zeit Veganerin und hatte mir einen Geburtstagskuchen gebacken. Ich habe einige Stücke davon mit ins Büro genommen und meinen Kolleginnen etwas abgegeben, die nicht WUSSTEN, dass der Kuchen vegan war – und ihn sehr lecker fanden. Hinterher habe ich sie aufgeklärt und sie waren überrascht.
      LG Bine

  4. Habe gerade leider nicht die Zeit ausführlicher zu antworten: aber soweit ich das noch richtig im Kopf hatte hast du das Buch ‚Tiere Essen‘ von Jonathan Safran Foer gelesen/zu Hause uuund laut meinem Vater hat der ein Kapitel darüber. (Wenn ich ihn da richtig verstanden habe)

    Tiere die man schlachtet gibt es in dem Sinne ja nicht mehr. Im Prinzip wird nur rohes Fleisch herangezüchtet. Chemisch kann da ja auch nicht all zu viel dran sein, Zellen sind ja natürlichen Ursprungs, weiß aber leider auch nicht genau wie das mit der Anregung funktioniert. Müsste (laut meinem Gedankengang) ja ähnlich wie clonen?! funktionieren. Weiß leider aber auch nur so die knappen zusammenhänge darüber.
    Soweit die Forschungen sind, ist das größte Stück Fleisch was eben produziert wurde nicht sonderlich groß gewesen, schmeckt aber genauso wie normales Fleisch eben auch.
    Uuuund wenn es dich interessiert frag mal die Suchmaschine deiner Wahl, gibt schon so einiges dazu.

    1. Ich habe das Buch bislang noch nicht gelesen, habe es aber in meiner Kroatienreisetasche und schaue mal, ob ich es schaffe, es unterwegs zu lesen. (Ich bin irgendwo auf Seite 40 hängen geblieben.) Werde das gerne nochmal kommentieren, wenn ich mehr darüber weiß. 😉

  5. Mir geht es da ähnlich wie Pflaumenkuchen. Auch bei uns zuhause ist meine Mutter für das Essen zuständig und es ist demnach schwer für mich, vegetarisch oder gar veganisch zu leben. Leider gibt es hier sehr viel Fleisch, obwohl es mir und meiner Schwester gar nicht fehlen würde.
    Meine Eltern jedoch sind auch mit übertriebenem Fleischverzehr groß geworden und haben Vorurteile gegenüber Vegetariern und Veganern („Sind das nicht die, die nur das essen, was schon vom Baum gefallen ist?“).

    Mein Freund jedoch ist, wie ich, auch nicht so ein großer Fleischfan. Wir ziehen wahrscheinlich in 2-3 Jahren zusammen und möchten dann größtenteils auf Fleisch verzichten. Komplett vegetarisch oder veganisch zu leben kann ich mir zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht vorstellen, auch wenn deine Argumente gut sind. Aber letztendlich rettet man ja auch dann Tiere, wenn man _weniger_ Fleisch ist. Es muss ja nicht gar keins sein.
    Dieses Bewusstsein, was man da genau auf dem Teller hat, zu schärfen, ist in meinem Fall jetzt noch keine gute Idee. Schließlich muss ich hier noch einige Zeit mitessen (es sei denn, ich gefährde den Familienfrieden ;)).
    Deshalb blende ich es momentan noch absichtlich, wenn auch mit einem kleinen Stich im Gewissen, aus.
    Wenn ich dann aber alleine wohne, ist die Zeit gekommen und ich kann mich näher damit befassen. Vielleicht wird aus mir dann ja doch noch eine Veganerin.

    1. Ich glaube, ich bin da eine kleine Anarchistin: Diese Veganismus-Geschichte, das ist meine Schlacht, die ich mit meinem Umfeld kämpfen muss. Ich bin allgemein recht konfrontativ und finde es schade, dass unsere Generation so selten bereit ist, sich gegen die Normen der eigenen Eltern abzusetzen und sich von ihrem Weltbild zu distanzieren. Natürlich muss jeder selbst wissen, wie viel ihm etwas wert ist – aber ich habe in den letzten Monaten gemerkt, dass jede Hürde, gegen die ich in voller Fahrt gekracht bin, eine war, die es wert war, mir ein paar Narben zu holen. Ich würde jederzeit die gleichen Entscheidungen treffen und meine Mutter ist glücklicherweise sowieso schon immer ziemlich offen gewesen und ich durfte und lassen was ich wollte, sodass es hinsichtlich des Veganismus‘ mit ihr keinerlei Probleme gab, das war eher mein etwas weiteres Umfeld, das aufgemuckt hat.
      Ich wünsche euch beiden aber für euren Versuch viel Glück und bin mir sicher, dass ihr den für euch richtigen Weg findet – darum geht es ja letztlich auch, dass jeder den für sich richtigen Weg findet. Veganismus ist im Moment mein Weg, aber nicht jedermanns Weg und das ist auch mehr als okay so.

  6. Hm, ich hoffe ich kriege das nun thematisch zusammen ^^
    Zuerst einmal: Sehr schön informativer und eindrucksvoller Beitrag.. Inzwischen habe ich eine ähnliche Meinung von mehreren Vegetariern/Veganern gehört und bin sehr froh, dass diese militante Art des „Anders-/Besserseins“ anscheinend abnimmt..
    Ich persönlich esse sehr gerne Fleisch, versuche aber auch darauf zu achten, dass es „nachhaltig produziert“ wurde, dh. zB vom Metzger, der es direkt vom Bauernhof im Ort bekommt (wo ich die Kühe jeden Tag auf der Weide sehe) oder eben in Restaurants esse, wo nachgewiesen wird, woher das Fleisch kommt.. Das ist natürlich auch alles etwas teurer, aber Fleisch wird damit zum Luxus und eben etwas, das was Besonderes ist und nicht mal hopplahopp im Supermarkt in den Wagen geschmissen wird..
    Das Selbstschlachten war früher natürlich Gang und Gebe, als die Menschen noch Tür an Tür mit den Nutztieren wohnten.. Mein Vater erzählt öfter davon, wie er früher Gänse mit Hand aufgezogen hat, um sie dann bei passender Entwicklung zu schlachten.. Aber damals hatten wir auch noch nicht die Probleme mit Antibiotika und weiteren chemischen Zusätzen im Futter (übrigens ist da „Katzen würden Mäuse kaufen“ ein sehr interessantes Buch, auch wenn es sich dort um Tierfutter als Hauptthema handelt; der geringe Fleischanteil in den Futtermitteln, der von unseren Schlachttieren kommt, wird dort auch behandelt.. und es ist erschreckend)..
    Was die vegetarische oder vegane Ernährung von Kindern angeht, kann ich ein bisschen aus eigener Erfahrung sprechen.. ich habe eine Cousine, die kein Fleisch ist. Die Gründe sind immer wieder anders.. Mal schmeckt es nicht, mal geht es um die armen Tiere.. Grundsätzlich wichtig ist aber: Sie entscheidet sich selbst für diese Ernährungsform (wird manchmal auch schwach, zB. wenn es daheim Hähnchen gibt, aber sie ist auch erst 14 😉 ) und die Durchführung ist kein Problem, weil meine Tante es toleriert. Ich denke, es ist wichtig, Kindern zu erklären, warum man sich so unterschiedlich ernähren kann und welche Vor- und Nachteile das jeweilige Ernährungsverhalten nach sich zieht. Natürlich ist das mit 4 Jahren etwas schwer, aber ich glaube, dass Kinder das oft auch schon in diesem Alter verstehen. Sie können sich ja später immernoch umentscheiden. Wichtig ist, dass man für sie transparent macht, warum so oder so entschieden wird und sie die Möglichkeit haben, mitzubestimmen, was auf den Tisch kommt. So lernen sie nicht nur etwas über gesunde Ernährung, sondern auch über Verantwortung.
    Was mich noch interessieren würde: Bei Sojaprodukten kommt mir immer in den Sinn, dass der Anbau und die Verarbeitung von Soja nicht wirklich umweltfreundlich ist. Also, habe ich mir mal sagen lassen und ich lasse mich auch gerne eines Besseren belehren.
    Wobei nach kurzem googeln folgendes zu Tage kam: http://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/pdf_neu/HG_Sojaanbau_am_Amazonas.pdf (Um Gottes Willen bitte nicht als Werbung für den WWF verstehen..)
    Hm, also schonwieder die Fleischproduktion 😉 Aber wäre es auf der Grundlage auch „verwerflich“, Soja in Form von Tofu oder ähnlichem zu konsumieren? Das würde mich wirklich interessieren 😉

    1. Tendenziell hast du recht: Sojaproduktion killt den Regenwald und so weiter. Jedenfalls das Soja, das den Tieren zugefüttert wird, die hinterher auf den Tellern von Menschen landen. Das Soja, das Vegetarier oder Veganer zu sich nehmen, kommt in der Regel aus den europäischen Nachbarländern und sogar aus Süddeutschland und wird recht streng überprüft. (Tieren wird ja oftmals auch Gen-Soja gefüttert, bei meiner Sojamilch etc. ist dies nachweislich nicht der Fall.) Den WWF-Artikel werde ich mir später noch durchlesen, ich reise in anderthalb Stunden nach Kroatien und sollte eigentlich längst offline sein. 😉

  7. Ich hab jetzt nicht alle Kommentare gelesen, Du liest Dich wie immer zu Deiner Lebensumstellung sehr erweckt, reflektierst das aber ja auch und willst nicht aggressiv missionieren. Ich stimme Dir darin vollkommen zu, dass man sich vernuenftig ueber seine Ernaehrung informieren sollte, dass Du das mit der Gelatine nicht wusstest, erstaunt mich ja massiv, ich dachte, das waere Allgemeinwissen… Manchmal schiesst Du etwas uebers Ziel hinaus, ohne Stoffe mit E-Nummern leben zu wollen, wuerde ich nicht empfehlen, als spontanes Beispiel, Vitamin C hat auch eine;).
    Ich persoenlich praktiziere einen Kompromiss aus Oeko und Discounter – ja, ich weiss, dass die Arbeitsbedingungen da scheisse sind, ne Freundin hat sich da ihr Studium finanziert und vegan uebersteigt meine zeitlichen Kapazitaeten. einerseits bin ich dazu zu bequem und Milchprodukte sind mir zu wichtig in meinem Speiseplan. Ausserdem, gut fuer Dich, dass Du Dich jetzt einliest, ich hab dazu im Studium keine Zeit. Und ich haette kein Problem damit, selbst zu schlachten, war auch schonmal mit Leuten, die das koennen, jagen und angeln und der Mensch ist nun mal ein potentieller Allesfresser. Klar, Veganismus ist nicht zwangslaeufig ungesund, gemaessigter Fleisch- und Fischkonsum aber auch nicht. Es kommt IMMER auf das Wie an. Und dazu muss man ne Wahl und dazu Informationen haben. Da faengt die Freiheit an und wo man seine Prioritaeten setzt, ist auch jeweils in der Verantwortung des Einzelnen.

  8. Man kann nur mit vollster Überzeugung vegetarisch oder vegan leben. Ohne die Überzeugung ist kein Wille da und ohne Wille kann man wieder dem alten Essverhalten unterliegen. Deswegen sollte man sich Zeit nehmen sich darüber gut zu informieren. Man muss sich innerlich darauf einstellen. Man kann ja einen Tag einführen wo nur vegetarisch bzw. vegan gekocht wird und irgendwann kann man das steigern und daraus „zwei vegane Tage“ machen. Auf dieser Seite: http://www.rezepte-vegan.net/ hab ich mich gut über das vegane Essen informieren können, z.B. hat es mich gewundert, was man unter ein veganes Fleisch versteht. Sonst ist die Seite noch mager, aber vllt wird sich das bald ändern.

    Ich lebe nicht vegan und vegetarisch auch nicht, auch wenn es vor einigen Jahren so der Fall war. Ich verfiel dem gemütlichen Kaufverhalten und war damals noch nicht so richtig gut informiert was das Thema Tierhaltung etc. angeht. Heute hat es eher etwas mit dem Genuss zu tun, denn ich weiß ja, was meistens mit den Tieren passiert, und nehme trotzdem Fleisch zu mir, auch wenn es nur ab und zu ist. Ich möchte das jedoch ändern und ich hoffe, dass ich das schaffen werde.

    Jemand, der nicht mal vegetarisch gelebt hat, sollte, bevor er vegan leben möchte, vllt doch lieber erstmal versuchen vegetarisch zu leben. Es soll halt so eine Überbrückung sein oder ein Einstieg für das spätere vegane Leben. Das wäre eine gute Lösung für die, die z.B. vegan leben wollen, aber so ungerne auf (sag ich jetzt mal) echten Käse oder Ei verzichten wollen.

    Heute haben wir es ja leicht, weil wir wählen können, was wir essen wollen und was nicht. Heute ist aber auch eine ganz andere Zeit, als früher. Früher schätzte man das Tierfleisch und aß vllt nur 1 x in der Woche Fleisch. Auch fand keine Überproduktion statt. Heute muss jeder Laden übefüllt sein, und was übrig bleibt, wird weggeschmissen. Kapitalismus… was sagt man dazu?

    Bezüglich dem selber Tiere schlachten: Das ist alles mehr oder weniger eine Gewöhnungssache. Wenn das Kind mit dem Papi angeln geht, wird es für dieses als erwachsene Person nicht unangenehm sein weiterhin zu fischen. Und wie gesagt, man kann es sich heute leisten tierische Produkte wegzulassen. Das ist unser Luxus. Wenn man darauf angewiesen ist zu jagen, dann wird man sich überwinden, aber das ist bei unserem Lebensstandard unvorstellbar und so weit wird es bestimmt nicht kommen.

  9. Das ist einer der besten Artikel, die ich zu diesem Thema bisher gelesen habe. Es ist… toll, ja, wirklich toll, weil ich dich bewundere und bewundere, was du tust, wie viel Arbeit und Zeit du investierst, um das richtige zu tun. Ich bin stolz auf dich, obwohl ich dazu vermutlich nicht mal das Recht habe. Und: Ich kann alles unterschreiben, was du gesagt hast. Das einzige, das mich etwas… kritisch stimmt, ist die Tatsache, dass du Vegetarier als ein bisschen zu verantwortungsscheu darstellst. Ich persönlich halte Veganismus für erstrebenswert, wichtig, für mich persönlich vermutlich noch richtiger als Vegetarismus, aber ich kann es einfach nicht tun, ich kann von meiner Familie nicht das Geld, die Anstregung und mehr verlangen. Lebte ich allein, wäre ich älter, wäre ich selbstbestimmter, wäre das alles kein Problem – aber so ist es im Moment eben noch nicht. Und ich finde das ziemlich schade, aber mehr kann ich im Moment nicht tun. Na ja, was ich sagen will: Ich glaube an den Veganismus, aber ebeno glaube ich nach wie vor an den Vegetarismus.

  10. Jedesmal, wenn ich einkaufe und mein Blick auf eines der „konventionellen“ Produkte fällt, muss ich grinsen und denke, dass du mir bestimmt wieder irgendwas Horrendes dazu erzählen kannst und irgendeine Doku in deiner umfangreichen Sammlung sich damit beschäftigt, wie viele chemische Stoffe darin und Ausbeutung dahinter stecken. 😉

    Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen würde, aber: ich finde Veganismus, richtigen, gelebten, konsequenten Veganismus genauso erstrebenswert wie Du. Wir unterhalten uns ja jedesmal, wenn wir uns sehen, darüber. Ich stimme Fee aber zu: es klingt ein bisschen, als seien Vegetarier keine wirklich sinnvollen Tierschützer.

    Jeder, der sich Gedanken macht, wo sein Essen herkommt, der auf Fleisch verzichtet, oder weitere Tierprodukte, jeder, der zumindest seinen Konsum einschränkt, Lebensmittel in Bio-Qualität kauft, macht es richtig. Ich finde, die Gefahr, Menschen nach dem, was sie „ökologisch leisten“ zu kategorisieren, ist ziemlich hoch. („Du kaufst noch einmal die Woche Bio-Fleisch, ich lebe vegan, ich bin der bessere Tierschützer!“) Verstehst du, was ich sagen will?

    Ich finde es bewundernswert, wie konsequent du alles das durchziehst. Mag sein, dass ich ein schwaches, menschliches Wesen bin, weil ich (wieder) Milch konsumiere (zumindest in Teilen, abgewechselt von Sojamilch ;), im Restaurant kein „Drama“ veranstalte, sondern einfach die vegetarische Variante wähle, und bei meinen Freunden auch mal Käse oder das Frühstücksei esse (bio, übrigens).

    Irgendwann werde ich hoffentlich eine vegane Lebensweise „durchziehen“ können; ich würde mir nur wünschen, dass alle Wege, die dahin führen oder auch nicht, als genauso bewusst und hilfreich angesehen werden.

  11. „Öko-Terroristen“ nannte meine Chefin das heute. All die Leute, die beispielsweise hier in Berlin im Prenzlauer Berg leben, nur Öko-Kiwis kaufen und die Nase rümpfen und wütend werden, wenn andere das nicht machen. Und ich kann die vorherigen Kommentare hier verstehen. Ich finde es auch schrecklich anstrengend (im Allgemeinen. Nicht deinen Beitrag hier). Vielleicht MUSS man anstrengend sein. Aber ich mag es nicht, wenn mir jemand ständig und ständig vorpredigt, dass ein armer, armer Fisch in einem bösen, gemeinen Netz für mein Abendessen sterben musste. Dessen bin ich mir bewusst, vielen Dank. Aber nein, Danke. Ich kann meine Entscheidungen selbst treffen, ich esse nun trotzdem weiter und umso mehr du mir erzählst, umso sturer werde ich. Das muss man erkennen und das fordert ein wenig soziale Intelligenz. Wobei ich hier wieder nicht von dir rede. Aber von einer handvoll Menschen in meinem Um- und Freundeskreis. (Übrigens nicht von meinem Bruder, der wundervoll ist, was dieses Thema und viele, viele andere betrifft). Am Ende kann man niemanden etwas aufdrängen. Ich glaube einfach nicht an gänzlichen Verzicht (von Eiern und Milchprodukten), tut mir leid. Ich hasse Überproduktion und dass die Geschäfte voll sind von Wurst und Fleisch und Dingen, die mit Medikamenten vollgepumpt sind. Aber einmal die Woche Fleisch essen oder ein Fühstücksei, das nicht aus irgendeinem Massenbetrieb stammt, halte ich wirklich für legitim. Es ist ein gefährlicher Grad, auf dem du dich bewegst zwischen gutgemeinter Information und Selbstdarstellung als Gutmensch. Mich hat es bisher nicht sonderlich gestört, ich lese es eher (manchmal mit einem Schmunzeln) interessiert, aber ich glaube, dass einige sich daran stoßen könnten. Wenn dir das aber egal ist, dann mach weiter und vertritt deine Meinungen bzw. Aufforderungen. Nur sei dir bewusst, dass Menschen auch wundervoll und moralisch stark sein können, wenn sie jeden Tag sieben Kilo Massenbetriebsfleisch essen und Eier aus Legebatterien. Aber das siehst du vielleicht anders. Oh, der schmale Grad zwischen Aufdrängen und Informieren ;). Schmaler ist er wohl bei kaum einem anderen Thema..

  12. „Nur sei dir bewusst, dass Menschen auch wundervoll und moralisch stark sein können, wenn sie jeden Tag sieben Kilo Massenbetriebsfleisch essen und Eier aus Legebatterien. “
    Das würde ich so unterschreiben. Ich sehe die Sache ähnlich wie Kris und finde, dass das auch mal gesagt werden sollte.

  13. Danke für diesen wunderbaren beitrag, für Dein engagement. Dir ist es wahrscheinlich sogar gelungen, mich dazu zu leiten, den schritt aus dem vegetarismus (bei dessen einschätzung Du vollkommen recht hast) zum veganismus zu machen. ich bin echt sprachlos über diesen intelligenten und obendrein unmilltanten beitrag. wenn ich bedenke, dass ich in Deinem alter noch gebrabbelt habe… Danke!!!!!

  14. Über die letzten Monate bin ich auch zuerst wieder Vegetarier geworden (war ich schonmal recht lange zu Schulzeiten) und dann nach und nach in Richtung vegan „abgerutscht“. Nach dem Fleisch auch auf Milchprodukte zu verzichten, fiel mir ziemlich leicht, da ich sowieso etwas laktoseintolerant bin. Vor 2 Wochen habe ich auch noch aufgehört Eier zu essen, weil ich momentan einfach keine bekommen kann, die aus privater Hühnerhaltung sind. Vegan zu werden ist für mich die logische Konsequenz, wenn jemand „wegen der Tiere“ kein Fleisch mehr isst. Das ist bei mir nicht der einzige Grund, sondern grundsätzlich geht es mir um die Art und Weise, wie Tiere (und tierische Erzeugnisse) als Lebensmittel produziert und konsumiert werden, mit der ich nicht einverstanden bin und die ich nicht mehr unterstützen will. Und da ich es nicht muss, tue ich es eben ganz einfach nicht mehr. Klingt erstmal simpel: Man muss nichts aktiv *tun*, sondern schlichtweg Dinge sein lassen. 😉

    Ich empfinde es trotzdem manchmal als schwer. Vor allem, wenn ich mit Menschen zu tun habe, in deren Leben das Nachdenken über (gesunde und nachhaltige) Ernährung absolut keine Rolle spielt und die mich in endlose Grundsatzdiskussionen verwickeln wollen. Das trifft auf den größten Teil meiner Familie zu. 😉
    Die meiste Zeit ist es aber einfach nur spannend und bereichernd. Man kauft mit einem anderen Blick ein, Kochen wird wieder interessant, weil man 1000 neue Dinge ausprobieren kann und immer wieder erstaunt ist über das leckere Ergebnis. Für mich persönlich hat sich auch ganz automatisch durch die bewusstere Ernährung etwas an meinem Konsumverhalten geändert: Ich konsumiere weniger und wenn ja, dann bewusster.
    Ein schwieriger Punkt ist der Umgang mit anderen, die „nur“ vegetarisch leben oder alles essen, sich darüber aber bisher keine Gedanken gemacht haben. Als Veganer fällt man mit seiner Ernährung schon auf und es kommt eigentlich immer die Frage nach dem Warum (und natürlich die obligatorischen Sprüche, die jeder Vegetarier/Veganer kennt…). Auch wenn das einerseits nervig ist, vor allem, wenn man den Dauerbeschuss auf Familienfeiern ertragen muss, denke ich, dass das auch immer eine Chance ist, andere durch ein kurzes (!) und ruhiges Gespräch ein bißchen zu informieren und zum Nachdenken über ihre eigene Ernährung anzuregen. Die Schlüsse werden sie dann selber ziehen – oder eben nicht.
    Mit all den Informationen, die über die Nahrungsmittelwirtschaft zur Verfügung stehen, KANN jeder sehen, dass das so nicht gut sein kann und schon gar nicht auf Dauer. Aber ob andere Menschen das sehen WOLLEN und das Thema Ernährung zu einer Priorität in ihrem Leben machen oder nicht, das habe ich ja nicht zu entscheiden. (Genauso wie die anderen mich glücklicherweise nicht zum Fleisch essen zwingen können.)

  15. Ach, es ist ein leidiges Thema.
    Im Grunde weiß jeder Mensch um die Bedingungen, unter denen Fleisch, Eier und Milch „hergestellt“ wurden. Nur schalte ich das beim Einkaufen, Kochen und Essen automatisch und unabsichtlich aus.
    Ich sehe mich immer mal wieder nach veganen Rezepten um (die meisten mache ich dann doch nicht, weil ich viel zu viel von für mich abstrakten Zutaten kaufen müsste, von denen der Rest dann wochen- und jahrelang rumsteht und nicht mehr gebraucht wird), aber das Problem ist, dass ich nicht ständig nach Rezepten kochen will und mir viele Dinge (Couscous, Sojazeugs, Tofu) einfach nicht geläufig sind, weil ich damit nicht aufgewachsen bin.
    Außerdem hängt da noch mein lieber Mitbewohner und Freund mit dran, für den schon ein Vegetarischer Haushalt ein zu großes Opfer wäre.
    Trotzdem „schnuppere“ ich gerade immer mal wieder rein. Für mein Praktikum im Internat, währenddessen ich dort ein kleines Zimmer bewohne und eine kleine Küchenzeile benutzen darf, habe ich mir zum Testen Sojamilch und dieses Alpro-Soja-Sahne-Ersatz-Koch-Zeugs gekauft und werde damit mal eine „Sahnesoße“ ausprobieren.
    Aber ich glaube nicht daran, dass ich irgendwann zu Vegetarismus oder Veganismus übertreten werde. Dafür hat Essen und der damit verbundene Genuss einen zu großen Stellenwert in meinem Leben.

    In welcher Zeit hast du 7 Kilo verloren? Für diese Zeit könnte ichs mir dann doch vorstellen, die müssen nämlich bei mir runter^^

    LG, Lene

    1. Ich war in meinem Leben ein einziges Mal im Zoo – da muss ich so 8 gewesen sein. Das war das Schrecklichste, was ich je mit meinen Eltern habe unternehmen müssen. Nicht etwa, weil wir uns wie sonst häufiger unterwegs in die Haare bekommen hätten, nein: Ich bekomme seitdem das Bild des eingesperrten Leoparden (eventuell war es auch ein Gepard, bin nicht mehr ganz sicher) nicht mehr aus dem Kopf, der in seinem Käfig auf und ab lief und fürchterlich unglücklich aussah. Seitdem war ich nie wieder in einem Zoo und will auch nie wieder in einen!

  16. Oh Gott. Du bist so, wie ich sein will. Du lebst dein Schreiben einfach aus (etwas, was ich mich nicht so recht traue) und du bist vegan und du bist toll. Ich hab mich wegen dir bei Twitter angemeldet (und als du mir heute getweetet hast, dass dein Freund nach Göttingen gezogen ist, hat sich das angefühlt als wär ich ein Teenager der zum ersten Mal seinen Star auf der Straße sieht, wenn auch nur aus der Ferne) und ich liebe praktisch alles was du tust. Bitte zieh in meinen Schrank, ich geb dir so viele Serien wie du brauchst, koch dir im Sekundentakt Tee, aber bitte schreib mir Geschichten und rede mit mir über die Welt.

    (Ich bin ’nur‘ Vegetarierin, weil ich im Moment in England bei einer Gastfamilie wohne und die eine vegane Ernährung nicht hinnehmen würden. Trotzdem ist jedes Essen, was ich mir selbst zubereite vegan, wenn ich mit den Kindern koche, dann vegan – nur in den seltensten Fällen mit Käse- und sobald ich wieder in Deutschland bin, bin ich komplett vegan. Ich hab übrigens auch einen Post darüber verfasst. Aber er ist sehr viel wütender als deiner, weil ich in erster Linie der Tiere wegen aufgehört habe Fleisch zu essen. http://nerdmaedchen.blogspot.com/2011/04/liebe-fleischfresser.html – bei Interesse. 🙂 )

  17. Diese Debatte ist extrem schwierig und gar nicht aus nur wenigen Sichtweisen zu beleuchten. Vieles wurde hier schon angesprochen…Antibiotika, Geld, Zeitmagel…es ist ein Faktor unserer Zeit…denn wir haben nach immer mehr Fleisch verlangt und die Industrie/Wirtschaft kam dem nach. Früher war das natürlich anders. Aber da musste sich jeder auch sein Vieh selbst halten, das war teuer, also gabs nur einmal in der Woche Fleisch. Heute leben die meisten in einer Großstadt, da kann man sich kein Vieh halten…
    Das Bewußtsein, dass Massentierhaltung nicht gut ist, wächst ja zum Glück und nach und nach wird etwas dagegen getan. Aber die Masse ist nun mal träge, das geht dann nicht von heut auf morgen.
    Ich finde es dagegen nicht sehr hilfreich für die Tiere, Veganer zu werden oder Vegetarier. So explodierten zum Beispiel die Sojaprodukte auf dem Markt…die Nachfrage nach Soja stieg, aber Soja ist kein Produkt, dass es wie Sand am Meer gibt…also wurde GEntechnik angewandt…ist zwar vielleicht nicht so schlimm für die Pflanzen (weiß man ja nicht, da die „keine Seele“ haben), aber es ist nicht gut für uns. Und wenn -mal zugespitzt- alle anfangen nur noch pflanzliche Produkte zu essen, dann hätten wir das gleiche Problem wie mit den Tieren: Massenprudktion, schlechte Qualität, künstliche Zusätze etc.

    Ich stimme dir zu, man sollte bewusst essen. Aber eine 5-köpfige Familie kann es sich nicht unbedingt leisten auf einer Domäne oder beim Bauern einzukaufen…auch ein Faktor unserer Zeit. Und Gemüse o.ä. ist auch nicht immer günstig.
    Letztendlich sollte sich jeder für seine Ernährung selbst entscheiden und diese bewusst ausleben. Immer mit Blick auf die GEsundheit.

  18. Oh, den Beitrag samt Kommentaren sehe ich ja jetzt erst 😉 Und so viele interessante Argumente aufzuschnappen… Mirka, wir hatten uns beim NRW-Treff ja schon unterhalten, daß ich quasi auch „auffalle“, daß ich anders esse (wenn auch aus anderer Richtung – ich bin darüber, daß meine Gesundheit mir entsprechend wichtig ist, und als Ergebnis mein Heuschnupfen weg ist, bei der Vollwerternährung nach Bruker gelandet). Vieles ist ähnlich kompliziert, z.B. daß ich jegliche Fabrikzuckerarten meide. Da fällt dann (fast) alles fertige/mit Zutatenliste im Supermarkt sowieso weg, oder man sucht unter den 10 Produkten ewig, ob überhaupt 1 in Frage käme. E-Nummern und so gehören auch nicht rein (natürlich enthaltene Vitamine sind eben was anderes als welche, die chemisch hergestellt und daher gesondert deklariert werden müssen – auf einer Paprika steht jedenfalls kein E-irgendwas drauf, obwohl Vitamin C drin ist 😉 )…
    Ich kenne viele, die früher mal „vollwertig“ gekocht etc. haben und meinten, „die Phase geht auch vorbei“ – aber die haben das damals auch nur mehr unwissend „mitgemacht“, weil’s gerade modern war, und nicht weil sie wirklich verstanden hätten, daß es darum geht, alles so naturbelassen wie möglich zu verzehren (und mehrfach raffinierter und was weiß ich wie bearbeiteter Zucker ist, auch wenn er nicht nochmal gereinigt wurde, nicht mehr naturbelassen, genauso wie stundenlang eingekochte Sirupe – die mir von genau den Leuten als Alternative zum Zucker angeboten wurden)… Ich bezeichne mich zwar bis heute nichtmal als Vegetarierin, aber insgesamt habe ich inzwischen automatisch so gut wie gar keinen Appetit mehr auf die meisten Sachen… Eigentlich esse ich zumindest Fleisch/Fisch nur noch dann, wenn es wirklich nix anderes gibt bzw. die einzigen Alternativen irgendwelches Chemiefutter wären…
    Überhaupt koche ich seit der Umstellung auf Vollwert so viel vielseitiger. Früher gab’s bei mir fast nur Fertigkram, und dann von heute auf morgen gar keinen mehr… Sojaprodukte esse ich überhaupt nicht – da das aus vollwert-Sicht alles Industrieprodukte sind, aber da ich die Fleischprodukte ja auch nicht vermisse oder so, wüsste ich auch keinen Grund, zu den Ersatzprodukten zu greifen… Teuer finde ich die Ernährung – zumal ich fast alles in Bioqualität kaufe – eigentlich auch nicht. Würde mein Mann nicht relativ viel Käse essen, würde ich’s fast als günstig bezeichnen, was aber auch daran liegt, daß ich das meiste saisonal und regional auswähle. Was dann eben schon auch mal was teurer wird, sind z.B. Bio-Ananas, was ich dann aber auch als Luxus sehe, den ich mir ab und zu, wenn ich Appetit drauf habe, auch mal gönne 😉 Schade finde ich, daß es nirgendwo z.B. griechische Bananen gibt, die sind halt was kleiner, aber schmecken dafür wie ich finde viel besser… Ok, wir haben sie damals im Urlaub direkt reif am Straßenrand gekauft und meistens noch am gleichen Tag gegessen, aber wenn es davon auch welche hier geben würde als die von viel weiter her eingeflogenen fände ich das schon besser… Ressourcen zu schonen ist ja schon im Interesse von jedem, der noch eine Weile auf diesem Planeten verbringen will…
    Hoppla, jetzt hab ich viel mehr geschrieben, als ich wollte… Eigentlich wollte ich hauptsächlich einen Buchtipp loswerden: „Vegan & vollwertig geniessen“ von Annette Heimroth und Brigitte Bornschein. Ich hab’s mir selbst zu Weihnachten „geschenkt“ und überlege gerade schon, ob ich im Januar nicht jeden Tag eine Mahlzeit daraus zumindest inspirieren lasse (ich koche fast immer ohne Rezept…). Naja, fast jeden Tag… Ein paar Tage wird’s geben, wo ich jetzt schon weiß, daß ich von früh bis spät aus dem Haus bin, aber vielleicht probiere ich dafür am Wochenende dann 2 Sachen aus 😉 Im Pala-Verlag gibt’s übrigens auch ganz viele tolle vegane Kochbücher, bzw. sind in den vollwertigen meist auch sehr viele vegane (oder leicht vegan abzuändernde) Rezepte drin 😉
    Ach ja, und falls Dir mal irgendwer wegen Vitamin B12 Panik machen will, dazu finde ich folgende Studie sehr interessant: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/119336 leider komplett auf Englisch… Im oben genannten Kochbuch ist zwar auch ein Kapitel dazu drin, aber das habe ich noch nicht gelesen, ich vermute auch, wenn man da tatsächlich mal in eine Diskussion gerät (wobei ich inzwischen bei manchen Leuten nicht mehr diskutiere oder sonstwas – da die außer ihrer Meinung sowieso nichts anderes gelten lassen), daß man da dann nicht wirklich was hilfreiches findet…
    So, jetzt höre ich aber wirklich mal auf. Ich finde auf jeden Fall Deinen Text auch klasse, und Dein Standpunkt ist gut nachvollziehbar. Und trotz einiger Aussagen, über die sich manche Leute sicher angegriffen fühlen (z.B. daß eben Vegetarier sein aus Tierschutzgründen zynisch ist), kommt’s nicht so rüber, daß Du irgendwen damit angreifen oder sonstwas wolltest. Ich denke, wer sich da angegriffen fühlt, weiß bereits selbst, daß eigentlich am so definierten Tierschutz noch viel mehr dranhängt. Und wer sich nicht angegriffen fühlt, weiß halt entweder noch nicht so viel, oder hat eben vielleicht für’s eigene Gewissen entschieden, daß z.B. Eier von eigenen Hühnern ok sind (ich bin bisher 2 Familien begegnet, die eigene Hühner hatten und meinten, sie würden nie wieder gekaufte Eier essen – und ich vermute fast mal, daß bei denen die Hühner jeweils mehr Platz hatten, als in früheren Zeiten, wo sie fest zu den meisten Höfen dazugehörten)…
    So, nun aber wirklich genug getextet 😉

    1. Vielen Dank für diesen tollen Kommentar! Das Buch habe ich bereits seit geraumer Zeit auf meiner Wunschliste und wenn ich gerade mal nicht knapp bei Kasse bin, werde ich es definitiv kaufen – oder mir zu irgendeinem Anlass schenken lassen. 😉
      Ich finde deine Ernährungsweise sehr spannend und nachvollziehbar – mit dem Thema Zucker möchte ich mich zuweilen auch noch genauer auseinandersetzen, habe da schon sehr viele gestreute Horrorinformationen aufgeschnappt, aber noch nicht genug, um in der Lage zu sein, mir ein vollständiges Bild zu machen. Allgemein sehr löblich, keine Fertigprodukte zu kaufen, ich versuche das so weit wie möglich auch so zu handhaben, bin aber oft einfach schon froh, wenn ich feststelle, dass Produkte vegan sind und auf die Schnelle mal eben zu machen sind. Worauf ich aber immer achte: Dass keine Geschmacksverstärker oder E-Nummern enthalten sind.
      „Ressourcen zu schonen ist ja schon im Interesse von jedem, der noch eine Weile auf diesem Planeten verbringen will…“ Dem ist nichts weiter hinzuzufügen! 🙂

  19. Hey 😀 Den Text hast du echt waaaaaaaaaaaaaaaaaaahnsinnig toll geschrieben! Ich bin gerade irgendwie total überglücklich darüber ;D
    Nun ja, ich finde es echt schön, dass es solche Menschen wie dich auf der Welt gibt…mehr fällt mir jetzt leider eh nicht ein, was ich schreiben könnte 😉
    Ah – doch: Auf meinem Blog habe ich schon ein veganes Ribisel-Eis-Rezept gepostet 😉 (du hast ja geschrieben du wolltest Eis ;D)
    Allerliebste Grüße!
    Marley

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