Die Tribute von Panem – Suzanne Collins.

Wenn ich literarisch an den Frühling und Frühsommer zurückdenke, dann denke ich vor allem an eines: An Panem. Panem hat etwas in mir ausgelöst, mich auf eine anstrengende, erschütternde und inspirierende Reise mitgenommen, mir vor Augen geführt, wie wichtig es ist, für Gleichberechtigung und Demokratie einzustehen.

Ich habe lange nach den richtigen Worten gesucht. Weil ich Panem gerecht werden möchte, euch vermitteln möchte, was diese Trilogie für ein Schatz ist. Vielleicht habe ich diese richtigen Worte einfach nicht, jedenfalls habe ich sie in den vergangenen Wochen nicht zusammensetzen können, so sehr ich mich auch bemüht habe. Dafür konnte das aber Isa, die mir erlaubt hat, ihre Rezension hier mit euch zu teilen. Eine Rezension, die mehr ein sprachschöner Leseeindruck ist – dem wiederum nicht viel hinzuzufügen ist.

Trilogie fertig.
Das ist doch kein Kinderbuch?
Ich hatte alles erwartet,
aber nicht diese entschiedene Konsequenz.
Die fehlt nämlich sonst bei Büchern
vom „12-14 Jahre“ Stapel.
(und darunter natürlich auch)
Immer.
Bei Harry Potter zum Beispiel im Endkampf
da kamen doch nur Leute um,
die man verkraftet hat.
Es war schlimm.
Aber die Toten waren gut ausgewählt.
Der eine Zwilling?!
Schade, aber eben nicht Hermine.

Panem ist grausam. Zu jedem.
Und Collins zieht das bis zur letzten Seite durch.
Natürlich kann niemand mehr richtig
glücklich
werden nach allem.
Wie soll das denn auch gehen?
(In anderen Büchern dieser Kategorie geht das, als wäre es selbstverständlich.)
Man ist schockiert, man möchte schreien.
Man leidet wirklich mit.

Die Heldin ist nicht die,
die geistig unbeschadet,
vielleicht mit zerrissenen Kleidern
am Ende triumphierend mit der Welt zufrieden ist.
Die Heldin ist die,
die richtig kaputt ist.
Die gequält wurde, sich gequält hat,
um Heldin zu sein.
Der Epilog dann fast wie ein dezenter Hinweis,
ein gehauchter Wink
an Joanne K. Rowling: So wäre das, Joanne.

Diese Trilogie zeigt,
was andere Bücher verschweigen:
Dass Kriege Scherben zurück lassen.
Dass es nie die nur-Guten und die nur-Bösen gibt.
Dass ein Held Opfer bringen muss.
Dass man nicht mit dem Tod des Bösewichts alles ungeschehen machen kann.

Gratis:
Die unkitschigste Liebesgeschichte,
die ich in Büchern für diese Zielgruppe
je gelesen habe.
(so kenne ich das nur aus echter Fantasy.
Wundervoll, konsequent beschriebene Charaktere.

Und der böse Gedanke,
der sich ganz leise einnistet:

Das könnte so passieren.
So ist der Mensch.

Für die, die noch nicht wissen, worum es in Panem geht, nochmal der grobe Inhalt:
In einem Nordamerika der fernen Zukunft regiert das Kapitol mit eiserner Hand. Die meisten Menschen in den unterjochten zwölf Distrikten kämpfen tagtäglich ums Überleben. So auch die sechzehnjährige Katniss. Sie sorgt dafür, dass ihre kleine Schwester Prim und ihre Mutter nicht verhungern, indem sie unerlaubterweise hinter dem Zaun des Distrikts auf die Jagd geht. Doch der Hunger ist nicht die größte Bedrohung: Jedes Jahr werden die „Hungerspiele” ausgetragen, eine Art Gladiatorenkampf. Aus jedem Distrikt werden dafür ein Mädchen und ein Junge zwischen zwölf und sechzehn Jahren ausgelost. Und dieses Jahr trifft es Prim. Doch Katniss geht für ihre Schwester in den grausamen Kampf, der so lange dauert, bis nur noch einer von den vierundzwanzig „Spielern” am Leben ist. Das ist furchtbar genug, doch zu allem Überfluss ist einer von Katniss’ Gegnern ausgerechnet Peeta, der ihr schon einmal das Leben gerettet hat …

Meine Ergänzungen: Viel habe ich eigentlich nicht mehr zu sagen – weil ich das, was Panem mir bedeutet, schlecht fassen kann. Panem ist politischste Jugendbuch, das ich je gelesen habe, vielleicht sogar das politischste, das es im Moment auf dem Markt gibt. Panem hat mein Interesse an Dystopien geweckt, mir vor Augen geführt, dass wir alle dazu beitragen müssen, dass eine Welt wie in „Die Tribute von Panem“ kreiert niemals Realität wird. Ich denke, Panem schafft auch etwas, was wenige Bücher zu hundert Prozent schaffen: Es ist ein All Age Roman durch und durch – auch einer, der sowohl Leserinnen, als auch Lesern gefallen wird, da er unverkitscht ist und spannend, die Heldin Ecken und Kanten hat, in keine antifeministischen Schablonen gezwängt wird. Nach Panem wird es jedes Jugendbuch verflucht schwer haben, euch den Boden unter den Füßen wegzureißen – weil es eben nicht Panem ist. Mich hat vor allem das Ende weggefegt – weil es sich gegen das Happy End Diktat auflehnt, das im Jugendbuchgenre immer noch zu herrschen scheint. Panem ist im Gesamtbild so schlüssig und perfekt, dass ich nichts zu kritisieren habe – jeder Teil ist auf seine ganze eigene Art und Weise grandios und hält haufenweise Überraschungen bereit. Unvorhersehbarkeit, das ist auch so ein Gut, das viel mehr Jugendbücher sich auf die Fahnen schreiben sollten. Panem traut seinen Lesern etwas zu – vor allem reflektiertes Denken. Ich hasse es, wenn ich mich beim Lesen eines Jugendbuches an die Hand genommen fühle. Um mir in Jugendsprache und mit ähnlich uninspirierter Philosophie das Leben erklären zu lassen, dafür ist mir meine Lesezeit zu schade – und wenn ich ehrlich bin, dann fühle ich mich dafür auch zu alt.

Wer Panem, wie ich, auf Deutsch lesen will, dem kann ich nur ans Herz legen, sich im Oktober diesen wunderschönen Schuber anzuschaffen, der vor allem auch ein recht großes Preisersparnis mit sich bringt. Ich glaube, Panem wird euch den sich bereits ankündigenden kalten und verregneten Herbst retten – mir jedenfalls hat es atemberaubende Lesestunden beschert.

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9 Comments

  1. Es gibt sie also doch, die deutschsprachigen Hunger Games-Fans. Na das freut mich 🙂
    Deine Rezension trifft’s ziemlich genau. Ich habe die Bücher letzten Sommer vor dem Erscheinen des letzten Teiles, Mockingjay, verschlungen und dachte mir auch sofort, dass diese Trilogie mehr ist als nur der alltägliche Fantasy-Brei.
    Bücher, die mehr Leser verdient hätten!

  2. Ich habe die Bücher in diesem Frühjahr zum Geburtstag bekommen und sie ohne Pause verschlungen. Es ist ein Meisterwerk, welches Collins da gelungen ist, auch wenn ich persönlich den dritten Teil für nicht ganz so gelungen halte, wie die vorherigen. Ich weiß nicht einmal genau, woran es lag, aber die letzten 100 Seiten waren mir einfach zu…lieblos. Es ging mir alles zu schnell, ich fühlte mich nicht genug vorbereitet für das, was am Ende kam.
    Dennoch halte ich die Bücher in Ehren. Sie haben einen ganz besonderen Platz in meinem Bücherregal eingenommen und außerdem gehört die Panem-Trilogie, genauso wie die Harry Potter-Trilogie, zu denjenigen Büchern, die man immer und immer wieder lesen kann. Und die auch jeder unbedingt wenigstens einmal gelesen haben sollte.

  3. Das Buch steht schon seit 2 Wochen in meinem Bücherregal. Ich habe den Moment genutzt und es schonmal in der Bücherei mitgenommen, bevor es wieder jemand anderes ausleiht. Teil 2 und 3 werde ich mir wohl vorbestellen müssen, die sind ständig vergriffen.
    Momentan fehlen mir aber noch die letzten 200 Seiten des letzten Harry Potter-Bandes, den ich morgen zurückgeben muss, dann geht es nahtlos weiter mit Panem. Ich bin sehr gespannt!

  4. Ich liebte und liebe Panem. (Und Peeta. Vor allem Peeta.)
    Ich muss/darf lustigerweise demnächst eine Rezension zu Panem schreiben. Habe ich ja eigentlich schon, aber dieses Mal eine richtige. Mir fiel die erste schon schwer genug. Vielleicht auch, weil ich den ersten Teil in einem Tag verschlungen habe und völlig verwirrt davon war, was das Buch so gut macht, wo ich es doch eigentlich gar nicht so sehr mögen wollte. Und „unkitschigste Liebesgeschichte“ bringt es absolut auf den Punkt. Danke.

  5. Ich habe die hunger games trilogy zum nikolaus vorigen jahres bekommen. am gleichen tag las ich das erste buch zuende, nahm das zweite mit hoch, schlief auf den geöffneten seiten ein, wachte auf und hungerte nach mehr mehr mehr.
    habe wochen danach noch nichts anderes lesen können, weil es alles so unwirklich erschien.
    besonders beeindruckt hat mich collins nüchterkeit. so ist es. wie isa es ausgedrückt hat: so ist der mensch. und vielleicht war das auch der grund, warum mich der erste band so zerschüttert hat. (ich weiß – neologismus, aber es ist die beste mischung aus zerstört und erschüttert die ich gerade zustande bringe). es war der erste band, der mir am meisten gezeigt hat. am meisten gelehrt hat mich der letzte satz der trilogie. “there are much worse games to play.“
    es war der perfekte letzte satz, anders hätte es nicht enden dürfen. mich hat dieser epilog auch unglaublich erleichtert. warum weiß ich auch nicht so ganz genau. wahrscheinlich wegen dem bedingten happy end.
    Ob es jetzt wirklich ein happy end war, darüber lässt sich streiten. aber auf seine art war es eins für mich.

    stream of conciousness kommentar, entschuldige bitte.

  6. Ich stimme die vollkommen zu. Und du hast in Worte gefasst, was ich nicht vermochte.

    Als ich die erste Seite aufschlug, war ich verloren. Panem zog mich in seinen Bann. Und ich möchte die Bücher nicht mehr missen.Sie bringen mich zum Lachen, zum Weinen, zum Nachdenken und so vieles mehr.
    Collins spielt mit meinen Emotionen, wie auch mit so vielen anderen Lesern.

    Ich bin schon sehr gespannt auf den Film.

  7. erstmal zu unvorhersehbar: ich habe einige Sachen vorhergesehen (dass sie coin erschießt und nicht Snow; dass das ein Hovercraft der Rebellen und nicht des Kapitols war, der Prim tötet) aber ansonsten muss ich eigentlich zustimmen… außer in den Aspekten die auf Harry Potter anspielen: es sterben viele leute, welche einem viel bedeuten und es geschieht viel unerwartetes (snape…) . Beim Ende hast du Recht, es ist halt ein Happy End 🙂

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