Zwei an einem Tag – David Nicholls.

Zwei an einem Tag von David Nicholls
560 Seiten, Gegenwartsliteratur
erschienen am 3. August 2009

Inhalt: »Gerade stelle ich mir dich mit 40 vor!« Es ist der 15. Juli 1988, und Emma und Dexter, beide zwanzig, haben sich gerade bei der Abschlussfeier kennengelernt und die Nacht zusammen durchgemacht. Am nächsten Morgen gehen beide ihrer Wege. Wo werden Sie an genau diesem Tag ein Jahr später stehen? Und wo in den zwanzig darauffolgenden Jahren? Werden sich die beiden, die einander niemals vergessen können, weiterhin immer gerade knapp verpassen?

Meinung: Dex und Em, Em und Dex. Vermutlich ist mir in den Büchern der vergangenen Monate und Jahre selten ein so episches, so mitreißendes, so kaputtes, so tragisches, so für einander bestimmtes Paar begegnet, wie in „Zwei an einem Tag“. Dexter und Emma – das, was zwischen denen beiden besteht, dieses untrennbare Band, ist episch. Ich war schon lange nicht mehr so verzaubert, so hingerissen, so gefesselt, so sehr dabei, wenn ich an einem Bücherregal entlangwandere. Ich habe in den vergangenen Monaten einige gute Bücher gelesen, aber keines, das so viele Emotionen aus mir herausgepresst hat, wie „Zwei an einem Tag“. Ich habe geheult wie ein Schlosshund, mich vor Lachen gekrümmt, wütend und entrüstet ob so viel Sturheit und schlechten Timings den Kopf fast gegen die Wand gerammt, habe mir die Haare gerauft und stundenlang am Stück gelesen. Letzteres tue ich eher selten, so sehr versinke ich nur in ein Buch, wenn es etwas ganz Besonderes ist. Tragisch ist: „Zwei an einem Tag“ stand seit fast zwei Jahren ungelesen in meinem Bücherregal. Zwischen hundert anderen Büchern. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Schätze sich da, bei genauerem Hinsehen, noch so verbergen…

„Zwei an einem Tag“, das ist die Geschichte von Dexter und Emma. Die beiden kennen sich vom Studium, haben die Abschlussnacht miteinander verbracht, ohne sie wirklich mit einander zu verbringen – und das ist es, was das Buch ausmacht: Die verpassten Gelegenheiten, die sich über die Jahre häufen. Das Besondere ist, dass wir Dexter und Emma nicht nur in einer bestimmten Lebensphase antreffen und begleiten, sondern ihnen über mehrere Jahrzehnte dabei zusehen (ungefähr zwanzig Jahre lang erfahren wir jedes Jahr am 15. Juli, wie es Dexter und Emma ergeht), wie sie erwachsen werden, an sich selbst und einander scheitern, Beziehungen entstehen und zu Bruch gehen, die Selbstfindung sie in Sackgassen führt. Nicholls erzählt diese atemberaubende Geschichte mit leisen, wunderschönen Worten, unverkitscht und sehr, sehr glaubwürdig. Oftmals habe ich das Gefühl, dass Dialoge sich furchtbar hölzern anhören, dass Menschen niemals so sprechen würden, aber Nicholls gelingt es, seinen Protagonisten Worte in den Mund zu legen, die echt und glaubhaft klingen, die sie zu Menschen machen, die man auf der Straße sieht, mit denen man befreundet ist, die sogar uns ein wenig ähneln. Ich glaube nämlich: Dexter und Emma stecken in jedem von uns, jedenfalls hinsichtlich verpasster Gelegenheiten. Wie oft versinken wir in Waswärekönntehätte-Szenarien, ohne den Mut zu haben, uns ihnen doch noch zu stellen. Dexter und Emma hatten diesen Mut an einem gewissen Punkt in ihrem Leben – wie es ausgegangen ist, werde ich nicht verraten, denn: Das werdet ihr selbst herausfinden. Weil ihr dieses Buch einfach lesen MÜSST. Ich flehe euch an: Lest. dieses. Buch. Vielleicht verändert es auch euer Leben ein klein wenig, bereichert euch, inspiriert euch. „Zwei an einem Tag“ ist eines dieser Bücher, das ich künftig zu den wenigen Büchern zählen werde, die ich Freunden und Bekannten schenken werde. Jedes Buch, das es auf diese winzige Liste schafft, darf sich geadelt fühlen – obwohl es bei „Zwei an einem Tag“ fast eher so ist, dass ich mich geadelt fühle, es gelesen haben zu dürfen…

„Zwei an einem Tag“ wurde auch kürzlich verfilmt und kommt im November in die Kinos – eine der wenigen Buchverfilmungen, auf die ich mich wirklich tierisch freue, weil der Trailer darauf hindeutet, dass es sich sehr nahe am Buch orientiert und ich schon bei besagtem Trailer losgeheult habe… (Egal wie oft ich ihn sehe, ich fange immer an zu heulen. Wie soll das bloß im Kino werden?!)

Advertisements

9 Comments

  1. Ich habe „Zwei an einem Tag“ gestern zu Ende gelesen. Und ich muss sagen, ich fand es schön.
    Die ersten 50 Seiten musste ich mich quasi durchquälen, weil ich es irgendwie anstrengend fand zu lesen. Doch dann wurde es immer besser.
    Dexter hätte ich mehrere Male gerne irgendwas hartes vor die Birne geworfen. Vorallem in seiner „abfeiern-und-ich-bin-ja-so-hipp-und-angesagt“ Zeit.
    Emma fand ich toll. Wie sie das durchgezogen hat, mit dem Schreiben. Sehr inspirierend. In ihr konnte ich mich wieder erkennen. Soviele Ideen im Kopf für ein Buch und dann wird es ein Kinder-Jugendliches Buch.
    Der Trailer ist sehr schön. Er macht sogar Dex sympathisch ;). Auf den Film freue ich mich jetzt schon.

  2. Ich habe das Buch zwar schon 2 Mal durchgelesen, aber nach deinem Beitrag hab’ ich das Gefühl, dass es fast schon wieder Zeit ist für ein 3. Mal. Und daher in jedem Fall danke dafür.

    1. Ich habe den Artikel gerade nur quergelesen, finde aber, dass er zumindest dem Buch nicht gerecht wird. Den letzten Absatz finde ich fast schon unverschämt – weil ich das Buch völlig anders interpretiert und verstanden habe. Dex wird in dem Buch nicht als idealisierter, anbetungswürdiger Held dargestellt, sondern eher als armes Schwein, immer wieder scheiternde Existenz, die lange nicht aus seiner Haut rauskann und keinen Platz im Leben für sich ausmachen kann. Ich denke auch nicht, dass Emma nur als jemand verstanden war, der gut dafür war, Dex zu einem besseren Menschen zu machen. Sie war keine Fußnote in Dexters Leben, sondern ein eigenständiger Charakter und hat ihm auch klipp und klar gesagt, dass sie unter bestimmten Umständen nicht mehr mit ihm befreundet sein kann. Natürlich hat Emma dazu beigetragen, dass Dexter sich weiterentwickelt hat, aber Dexter hatte auch einen großen Einfluss auf Emmas Entwicklung. Er hat ihr mehrfach gesagt, dass er an sie und ihr Talent glaubt – auch wenn er oftmals ein Arschloch war. Ziemlich ärgerlich finde ich an dem Artikel, dass er die komplette Handlung spoilert, ohne(?) das anzukündigen.
      Wie das ganze im Film rüberkommt und interpretiert wurde, kann ich erst im November beurteilen, aber der Artikel, zu dem du verlinkt hast, klingt fast ein wenig nach einer angepissten, verkniffenen Feministin, die in einem schönen Roman den Niedergang der Frau gesichtet zu haben glaubt. (Und das sage ich als glückliche Feministin.)

  3. Ich habe diesem Buch damals auch einige Tweets gewidmet. Und das mache ich nur bei Büchern, die mich berühren. „Zwei an einem Tag“ war so eines. Ich habe Dexter & Em geliebt.

  4. Ich gestehe, ich habe das Buch vor Monaten angefangen und (noch) nicht fertig gelesen. Ich denke irgendwie liegt mir der Schreibstil nicht, weiß auch nicht. Ich hoffe, dass ich es bis zum Filmstart trotzdem fertig bekomme und am Ende hoffentlich positiv überrascht bin 😉

  5. Ohhh, ich liebe dieses Buch! Höre heute zum ersten Mal von dem Film und werde ihn mir unbedingt ansehen müssen. Anne Hatherway … hmmmm … weiß noch nicht, ob das „meine“ Emma ist :-). Hach …

  6. Ist ja verrückt – seit gestern (!) zähle ich mich nun auch zu den Bloggern, und beim rumsurfen stolper ich über diesen. Und stelle fest – wir haben gestern tatsächlich über das selbe Buch geschrieben! 😉
    Gut, dass noch jemand die selbe Meinung über dieses unglaublich-tolle-Buch hat. Und weil ich den Zufall so spitze finde, werde ich hier sicher noch mal öfter vorbei schauen!

  7. Hab dieses Buch gerade fertig gelesen und kann mich nur anschließen. Ich wollte Dex öfter einfach schlagen. So ein Depp!
    Aber das Buch war toll. Obwohl ich so unzufrieden war nachdem ich es beendet hatte. Irre! Aber es hat mich einfach nicht los gelassen. Das macht ein gutes Buch auch aus.
    Empfehlenswert!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s