Ashes 01 – Brennendes Herz – Ilja J. Bick.

Ashes 01 – Brennendes Herz von Ilja J. Bick
502 Seiten, Jugendbuch (Dystopie)
erschienen am 4. August 2011

Inhalt: Die siebzehnjährige Alex befindet sich auf einer Wanderung in den Bergen, als plötzlich die Natur um sie herum verrücktspielt und eine Druckwelle sie zu Boden wirft. Was war das? Alex hat keine Ahnung, aber sehr schnell wird klar, dass die Welt, die sie kannte, nicht mehr existiert. Die meisten Städte sind zerstört und die Überlebenden werden zur lauernden Gefahr. Das Einzige, worauf Alex noch zählen kann, ist ihre Liebe zu Tom. Gemeinsam versuchen die beiden, sich durchzuschlagen. Doch dann wird Tom verwundet, und Alex muss ihn schweren Herzens zurücklassen, um sein Leben zu retten. Als sie mit Hilfe zurückkehrt, ist er verschwunden. Eine packende Suche beginnt. Eine Suche nach Antworten, sich selbst und nach der einen ganz großen Liebe. Denn Alex weiß: Tom lebt, und sie wird ihn finden, komme, was wolle..

Meinung: „Ashes – Brennendes Herz“ bringt alle mit sich, was eine gute Dystopie benötigt, um den Leser zu fesseln: Interessante und unperfekte, mutige und tapfere, facettenreiche und überraschende Protagonisten, die alle einen eigenen Charakter und ein eigenes Wesen haben, ein düsteres Endzeitszenario und einen spannungsvollen Plot.

Ashes erzählt die Geschichte der 17-jährigen Alex, die alleine in den Bergen unterwegs ist. Anfangs ist unklar, was genau Alex mit ihrer Bergtour bezweckt, nach uns nach wird einem aber klar, dass sie sich mehr oder weniger auf einer Mission zu befinden scheint. Alex bringt eine Menge persönlicher Probleme mit in die Geschichte, die sie zu einem starken, toughen, aber ebenso verletzlichen und empfindsamen Charakter machen. Ich persönlich empfand sie vom ersten Moment an als sympathisch und konnte mich mit ihr identifizieren. Neben Alex lernen wir auch noch andere Charaktere kennen: Jack, der mit seiner Enkeltochter Ellie unterwegs ist, als das Unglück geschieht, das von nun an ihrer aller Leben auf den Kopf stellen und für immer beeinflussen und verändern soll. Oder Tom, der Alex und Ellie aus einer brenzligen Situation rettet und an dessen Seite sie einen Überlebenskampf zu führen beginnen, der oftmals an Grenzen stößt und gegen Widrigkeiten ankommen muss. Dieser Überlebenskampf umfasst ein Leben ohne Strom, immer auf der Suche nach Schutz und Nahrungsmitteln. Mit Schutz meine ich nicht nur Schutz vor der Kälte, sondern auf Schutz vor seltsam veränderten Menschen, die sich in unberechenbare Bestien verwandelt haben – oder in Plünderer, die aus allem ihren persönlichen Vorteil schlagen wollen.

Auch Ashes muss sich einen Vergleich mit Panem gefallen lassen. Zum einen, weil Panem den Weg für Dystopien geebnet hat und alle Bücher, die in diesem Genre erschienen sind, in Panems Fahrwasser mitschwimmen. Zum anderen, weil es nicht von der Hand zu weisen ist, dass es erzählerische Parallelen zwischen Panem und Ashes gibt. Zwar erzählt Panem die Geschichte einer Gesellschaft, die schon seit längerem in erbärmlichen Zuständen lebt, während Ashes eher den Weg zu dieser Gesellschaft zeigt – den Auslöser, der im Buch ausführlich geschildert wird, kann man gut und gerne als Apokalypse bezeichnen -, doch erinnern Charaktere oder einzelne Szenen an Panem. Panem vom Thron schubsen kann Ashes zwar nicht, meiner Meinung nach ist es aber, abgesehen von besagten kleinen Parallelen, auch unbedingt unabhängig von Panem zu sehen: Weil es in der Panem-Trilogie um das Auflehnen gegen eine politische Übermacht geht, in Ashes eher um die Apokalypse und ihre Folgen für die Gesellschaft. Ashes zeigt sehr realistisch, wie Menschen sich verhalten, die nichts mehr zu verlieren haben und hat mich vom ersten Moment, auch durch das rasante Erzähltempo, in seinen Bann gezogen. Mir gefallen die kurzen Kapitel, die verdeutlichen, wie atemlos die Geschichte eigentlich ist, wie wenig Zeit Alex und ihre Mitstreiter zum Durchatmen haben, bevor eine neue Katastrophe aufzieht. Mir gefällt auch, dass Bick regelmäßig Cliffhanger einbaut – im ersten Kapitel beispielsweise telefoniert Alex mit ihrer Tante und zum Ende des Kapitels deutet Bick an, dass dies das letzte Gespräch sei, das Alex jemals mit ihrer Tante führen würde…

Lange denkt man, Ashes käme ohne das leidige Liebesdreieck aus, sind doch Alex und Tom die einzigen Teenager, die im Fokus stehen. Als Alex aber gezwungen ist, den verletzten Tom zurückzulassen, tritt Chris in Leben… Ich persönlich muss zugeben, dass das Dreieck in Ashes zu den wenigen gehört, die mich wirklich überzeugen und bei denen ich mich gespannt frage, wie es sich wohl auflösen mag. In der Twilight-Saga oder in der Panem-Trilogie war ich mir von Anfang an sicher, welche Paare am Ende zueinander finden würden und lag damit auch richtig, bei Ashes habe ich zwar eine leise Vermutung, aufgrund der Unklarheit, mit der uns Ilja J. Bick auf der letzten Seite zurücklässt, bin ich aber nicht wirklich sicher, mit meiner Vermutung auch nur im Entferntesten richtig zu liegen. Dafür besteht zu viel Raum für rasante Wendungen. Mir gefällt das Liebesdreieck besonders gut, weil Bick emotionalere Szenen herrlich unverkrampft und unkitschig schreibt, es entstehen keine seitenlangen Monologe darüber, wie unsicher die Hauptprotagonistin hinsichtlich ihrer Gefühle ist, wie toll der Junge ist, an dem sie interessiert ist, nein, Bick schafft es, situationsabhängig immer genau die richtigen Worte zu finden. Auch schafft sie es als erste, dass ich beide männlichen Protagonisten irgendwie sympathisch und anziehend finde – Tom, der nicht gerne über seine Vergangenheit spricht und ein Trauma mit sich herumschleppt, und Chris, der eine sehr dunkle Aura hat und nicht gut über Gefühle sprechen kann.

Im ersten Teil hat sich Bick an vielen Stellen als sehr gnadenlose Erzählerin gezeigt: Sie scheut nicht davor, brutale Kampfszenen zu kreieren und Mord und Tode beim Namen zu nennen. Das gefällt mir sehr gut – und macht Ashes letzten Endes auch zu einem All Age Roman. Die Zielgruppe, 14 bis 17 Jahre, finde ich nichtsdestotrotz sehr gut abgesteckt, obwohl ich denke, dass im Einzelfall auch reife 12-jährige das Buch lesen könnten oder labile 15-jährige angewidert und überfordert reagieren könnten. Das hängt stark von der eigenen Lesehistorie und dem Charakter des jeweiligen Lesers ab. Ich persönlich habe da Buch nicht als gewaltverherrlichend oder zu brutal empfunden und denke, dass jeder reflektierte Leser einigermaßen damit umgehen können wird.

Mit „Ashes 01 – Brennendes Herz“ ist Ilja J. Bick, Kinder- und Jugendpsychiaterin und ehemalige Air Force Majorin, ein Roman gelungen, das den Zahn der Zeit trifft: Düster, spannend und mitreißend erzählt sie eine Geschichte, die auch eine wichtige Botschaft enthält: Dass wir versuchen sollten, die Welt im Rahmen unserer Möglichkeiten zu einer besseren zu machen. Einziger Kritikpunkt: An manchen Stellen wirkt Bick etwas zu gehetzt, etwas zu übereifrig. Einerseits mag dies zum Tempo beitragen, das die Geschichte vorantreibt, andererseits wären an manchen Stellen ein paar mehr Hintergrundinformationen nicht fehl am Platz gewesen. Ich bin aber davon überzeugt, dass die folgenden beiden Teile Antworten auf Fragen liefern, die uns im Moment unter den Nägeln brennen. Schade, dass wir auf den zweiten Teil bis zum Spätsommer 2012 warten müssen – insofern bis dahin die Welt noch nicht untergegangen ist…

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4 Comments

  1. Heyho,
    ich hab ne Frage: Inwiefern unterstützen dich cbt und cbj? (Es ist mir nur aufgefallen und interessiert mich.) Toller Post. Ich finde es richtig gut, dass du die Twilight-Saga nicht von vornherein verurteilst. Ich selber bin nämlich der Meinung, dass die Bücher (abgesehen von einzelnen Aspekten) eigentlich gelungen sind. Aber naja…
    Liebe Grüße aus Südamerika!

    1. Liebe Lilli,
      von cbt/cbj erhalte ich hin und wieder Leseexemplare aus deren Programm. Ich muss die Liste dringend überarbeiten, es kommen noch ein paar andere Verlagslogos hinzu, da auch diese Verlage so freundlich sind, mich immer mal wieder zu unterstützen.
      Die Twilight-Saga habe ich sowohl auf Deutsch, als auch auf Englisch gelesen, wirklich gefallen hat mir nur der erste Teil, Teil 2 und 3 hatten ziemlich viele Schwächen und Teil 4 war schon recht skurril… Aber ich bin nicht der Typ Leserin, der sich irgendwo hinstellt und kreischt: „DAS IST SO EIN DRECK!!!“ 😉

  2. Ich mag deine Seite wirklich gern! Habe sie erst vor kurzem entdeckt und finde sie interessant und vielseitig. Allerdings finde ich es ein wenig schwierig, dass man auf der Startseite gleich die gesamten Artikel sieht. Wenn man scrollen will, dauert das immer sehr lange. Bis auf diese Kleinigkeit gefällt mir auch das Layout gut, schlicht und schön 🙂
    Viele Grüße

    1. Lieben Dank für deinen Kommentar! Komisch, darüber, dass die Länge der Einträge auf der Startseite vielleicht etwas erschlagend wirken könnte, habe ich noch nie nachgedacht. Ich persönlich mag das nämlich eigentlich ganz gerne, gleich die ganzen Einträge zu sehen und nicht erst auf „weiterlesen“ klicken zu müssen. Aber das ist glaube ich eine dieser Kleinigkeiten, die jeder anders empfindet. Danke aber für die Kritik, sollte ich mal mein Design ändern, denke ich darüber nach, ob ich in die Richtung vielleicht auch was ändern möchte. 🙂

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