Die Rebellion der Maddie Freeman – Katie Kacvinsky

Die Rebellion der Maddie Freeman von Katie Kacvinsky
368 Seiten, Jugendbuch (Dystopie)
erschienen am 22. Juli 2011

Inhalt: Eine Stadt in den USA, wenige Jahre in der Zukunft: Maddie, 17, lebt wie alle um sie herum ein digitales Leben. Schule und Verabredungen ═ das alles findet im Netz statt. Doch dann verliebt sie sich in Justin – für den nur das wahre Leben offline zählt. Gemeinsam mit seinen Freunden kämpft Justin gegen die Welt der sozialen Netzwerke, in der alles künstlich ist. Dieser Kampf richtet sich gegen die ganz oben ═ und damit auch gegen Maddies Vater, der das System der Digital School gesetzlich verankert hat. Maddie wird für die Bewegung zu einer Schlüsselfigur. Und sie muss sich entscheiden: Auf welcher Seite will sie stehen? In welcher Welt wollen wir leben – und uns verlieben?

Meinung: Allen voran hat mich „Die Rebellion der Maddie Freeman“ eines: Enttäuscht. Ich hatte recht hohe Erwartungen an die Dystopie von Katie Kacvinsky, die sie leider auf keiner Ebene zu erfüllen vermochte. Stattdessen habe ich ein Buch gelesen, das vor lauter loser Enden nur so strotzt und das uns eine Hauptprotagonistin vorsetzt, die weder sympathisch noch tough ist, und einen Helden, der nur durch das ewige Anhimmeln der Hauptprotagonistin zum Helden hochstilisiert wird.

Was man „Die Rebellion der Maddie Freeman“ definitiv zugestehen muss: Es ist ein Buch, in dem immenses Potenzial steckt. Ein Potenzial, das kaum genutzt, sondern eher verschenkt wird. Kacvinsky hat viele erzählerisch interessante Denkansätze gefunden – die Digital School (Unterricht findet nicht mehr in Schulen, sondern nur noch online statt, woran der Vater der Hauptprotagonistin maßgeblich beteiligt war), die Problematik der Menschen, außerhalb des Internet miteinander umzugehen oder überhaupt sowas wie ein abwechslungsreiches Sozialleben zu haben, die Protestbewegung, die sich gegen die Digital School formiert… Diese Ideen sind allesamt gut und verwertbar, aber Kacvinsky nutzt keine einzige wirklich aus. Sie spricht lauter Themen an, ohne ein einziges zu Ende zu erzählen oder überhaupt voranzutreiben. Dadurch wirkt „Die Rebellion der Maddie Freeman“ enttäuschend tempo- und handlungsarm. Ich als Leserin habe mich ständig gefragt, wann so etwas wie ein Höhepunkt erzielt wird, aber ich persönlich konnte keinen ausmachen. Stattdessen plätschert die Geschichte so dahin und man wird auch noch ständig mit Maddies pubertären Gefühlsproblemen belästigt – seitenweise lässt sie sich darüber aus, wie mutig und heroisch Justin ist, wie sehr er sich vor ihr verschließt und sich gegen seine Gefühle wehrt, wie energiegeladen der Raum ist, sobald er ihn nur betritt… Wenn ich ehrlich bin, dann hat Justin Maddies Heldenverehrung nicht wirklich verdient. Es wird zwar ständig davon gesprochen, wie viel Justin für die Protestbewegung tut, aber eigentlich wissen wir kaum etwas über seine Arbeit – außer dass er neue Mitglieder anwirbt und ständig unterwegs ist. Dadurch, dass Maddie Justin so sehr anhimmelt, verliert sie selbst charakterlich total an Qualität. Maddie ist keine Katniss („Die Tribute von Panem“), keine Macherin, sondern ein Frauchen. Wenn es brennt, dann muss ihr Prinz kommen und für sie löschen. Dass Maddie auf dem Klappentext als „Schlüsselfigur“ der Bewegung beschrieben wird, ist lachhaft: Die meiste Zeit des Buches ist sie sich nicht einmal sicher, ob sie der Bewegung überhaupt angehören will. Eine Schlüsselfigur oder das Gesicht einer Revolution – das muss meiner Meinung nach ein mutiges, selbstkritisches, kaputtes, wütendes, aufrührerische, starkes, geerdetes Mädchen sein. Ein Mädchen, das auch mal heulend zusammenbricht, aber sobald die Tränen versiegt sind und sie ihre Wunden geleckt hat, aufbricht und das Zepter wieder in die Hand nimmt. Maddie ist nichts von alledem. Maddie ist einfach nur ein Kind, das noch nicht viel von der Welt gesehen hat und deren erste große Liebe ihr völlig das Gehirn vernebelt.

Das Ende des Buches deutet darauf hin, dass es sich um einen Mehrteiler (die leidige, im Jugendbuch fast unumgängliche Trilogie?) handelt – ansonsten wäre das ganze Buch nur noch enttäuschender, da auf der letzten Seite alles auf der Schwebe hängt. Leider tut es das auf eine so uninteressante Art und Weise, dass ich gar nicht wissen will, wie es weitergeht. Mir war schon nach den ersten paar Kapiteln klar, dass Kacvinsky keine Autorin ist, die es beherrscht, ein düsteres Endzeitszenario zu kreieren, deswegen gehe ich auch stark davon aus, dass – sollte es einen weiteren Teil oder gar mehrere geben – Justin und Maddie ihr Happy End in einer Welt finden, die sich von den Zwängen der Onlinewelt befreit hat. Nach Panem erscheinen einem Dystopien, die ein gutes Ende zu nehmen scheinen, nur noch fader und inkonsequenter.
Auch eine Warnung hätte mir das Cover sein können: Pink-rosa. Wäre ich nicht zufällig im Internet über den Klappentext gestolpert, in der Buchhandlung hätte ich nicht nach dem Buch gegriffen, sondern wäre mit „Ih! Kitsch!“ schnurstracks daran vorbeigelaufen. Außer vielleicht, ich hätte zufällig den Titel im Vorbeigehen gelesen, der klingt nämlich durchaus ansprechend, auch wenn er nicht das hält, was er verspricht: Eine Rebellion. Maddie rebelliert nicht, Maddie versucht es Menschen recht zu machen, möglichst wenig Ärger zu machen und bleibt bei allem was sie tut blass, mutlos und eher im Hintergrund. Sie ist keines dieser Mädchen, das man sich mit Feuer in den Augen auf einem Podium stehend vorstellen kann, während sie zu ihren Anhängern spricht und für ihre Sache kämpft.

Vermutlich wäre ich nicht so enttäuscht von „Die Rebellion der Maddie Freeman“ gewesen, wenn ich nicht so hohe Erwartungen in das Buch gesetzt hätte. Lesbar ist die Geschichte nämlich durchaus – wenn man einfach nur für eine Weile unterhalten will und sich nicht an klischeehaften Frauen- und Mädchenbildern stößt, sondern sich mit Frauen identifizieren kann, die auf einen Prinzen warten, den sie anbeten und auf ein Podest heben können, anstatt selbst im Dreck zu wühlen und für eine Sache – in diesem Fall die Freiheit – zu kämpfen.

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4 Comments

  1. Hab mich total gefreut, als ich das Bild vom Buchcover gesehen hab, weil ich mir genau das vor ein paar Wochen erst gekauft habe, aber noch nicht dazu gekommen bin es zu lesen. Schade, dass du es so enttäuschend fandest, ich werd das Buch aber trotzdem mal ausprobieren, vielleicht empfinde ich das ja anders 🙂

    1. Mag sein, dass ich ein wenig überkritisch mit dem Buch war, einfach, weil meine Erwartungen so groß waren. Wenn man mit weniger Erwartungen reingeht und einfach eine nette Liebesgeschichte lesen will – da spricht schließlich nichts gegen – ist das Buch gewiss kein Totalausfall. Wenn du es durch hast: Lass mich wissen, wie es dir gefallen hat!

      1. Hi, ich habe das Buch nun endlich mal gelesen und eigentlich fand ich es ganz schön. Natürlich ist es nicht so mitreißend wie „Die Tribute von Panem“, aber auf solche richtig guten Bücher stößt man ja nur selten. Ich hatte eher etwas in Richtung von „Die Auswahl“ erwartet, wegen dem Kampf gegen das System und so, aber um da heran reichen zu können, gefällt mir der Schreibstil der Autorin einfach zu wenig und das Buch hat nicht dieses gewisse Etwas, was es braucht, um für mich zu einem Lieblingsbuch zu werden.
        Aber mir gefällt Justin (vielleicht lasse ich mich da auch zu sehr von Maddies Meinung beeinflussen) und die Liebesgeschichte finde ich eigentlich eigentlich auch ziemlich gut, ich finde nur, das ganze hat sich unnötig heraus gezögert. Außerdem gibt es keine Dreiecksbeziehung, was für mich ein sehr großer Pluspunkt war, denn ich bin entschiedene Gegnerin von Dreiecksbeziehungen (was ein Problem ist, da es sie in fast allen meinen Lieblingsbüchern gibt).
        Dummerweise hat mich bei diesem Buch fast nur die Liebesgeschichte interessiert, obwohl doch eigentlich der Kampf gegen die Digital School im Vordergrund stehen sollte. Außerdem fand ich es ein wenig seltsam, dass Maddie schon mit fünfzehn Jahren (aus Gründen, die sie nicht wirklich erläutert) gegen die Digital School rebelliert hat, aber jetzt, drei Jahre später, wo sie endlich ein paar vernünftige Gründe hat, plötzlich zögert und nicht mehr wirklich gegen die Regeln verstoßen will.
        Im großen und ganzen fand ich das Buch dennoch gut, nicht atemberaubend toll, aber ganz gut, auch wenn mich manche Dinge zwischenzeitlich auch ziemlich genervt haben.
        Lg Alicia 🙂

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