Ein Kuss ist ein ferner Stern – Alexander Rösler


Ein Kuss ist ein ferner Stern von Alexander Rösler
216 Seiten, Jugendbuch
erschienen im Juni 2011

Inhalt: Manche Gedanken lassen sich gut schneiden, wie Papier. Andere sind hart wie Alabaster. Der Gedanke an das Mädchen vom Strand ist ein unendlicher Alabastergedanke – für August, der nicht lügen kann, nichts in Gesichtern liest und für den Berührung eine Kröte auf der Haut ist. Ein Zufall wirft sein geregeltes Leben aus der Bahn. Und konfrontiert August mit einem Gefühl, das völlig neu für ihn ist.
Witzig, wunderschön und mit großer Wärme erzählt: die Geschichte einer außergewöhnlichen Begegnung.

Meinung: „Ein Kuss ist ein ferner Stern“ ist eines dieser besonderen Bücher, die man am Liebsten sofort an Freunde, Bekannte und Verwandte verleihen möchte, weil man das Gefühl hat, dass es nicht genug Menschen geben kann, die etwas aus dieser Geschichte ziehen könnten. Ich persönlich war von Anfang an gebannt, gebannt von einer Geschichte, die Einblick in das Leben dreier so besonderer wie verschiedener Menschen gibt: August, Freya und Rudi. Besonders schön ist der Erzählstil, den Rösler für seinen Roman gewählt hat: Er lässt die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven erzählen, die es einem als Leser ermöglichen, die Geschichten aus allen Blickwinkeln aufzunehmen. Rudi hat das Niederschreiben der Geschichte mehr oder weniger initiiert, er hat seinem Freund August immer wieder Stichpunkte gegeben, zu denen er seinen Gedanken schriftlich freien Lauf lassen sollte. Zudem hat er selbst seine Wahrnehmung der Ereignisse beigesteuert und Tagebucheinträge von Freya erhalten.

Das Buch geht sensibel und trotzdem sehr humorvoll und offen mit dem Thema Autismus um – ohne die Diagnose, die der Leser dem jungen Erwachsenen August recht schnell stellen würde, überhaupt auszusprechen. Im gesamten Buch wird August nicht wie ein Sonderling oder gar wie ein „Behinderter“ dargestellt, sondern wird integriert und als Mensch wahrgenommen. Sowas ist mir bei Büchern, die sich mit bestimmten Krankheiten auseinandersetzen, immer wichtig. Oftmals greifen Autoren zu sehr in die Klischee- oder Mitleidskiste und erzeugen so zwischen dem Leser und dem betroffenen Buchcharakter eine unüberbrückbare Distanz. Nicht so aber Rösler, der sich als Neurologe und Geriater natürlich hervorragend mit der Thematik Autismus auskennt. Er lässt seinen autistischen Helden August, musikalisch und mathematisch sehr begabt, als Tramper auf Freya, zu der er sich seltsam hingezogen fühlt, obwohl er das Gefühl gar nicht richtig zu deuten vermag. Autisten sind schließlich für ihre Probleme mit Gefühlen bekannt. Rudi ist Augusts bester Freund und unterstützt ihn, natürlich auch in Liebesdingen, wo er nur kann. Dies führt zu einigen Irrungen und Wirrungen und sorgt für ordentliche Situationskomik.

Gestört hat mich stellenweise die, für Jugendbücher doch sehr typische, Konstruiertheit der Geschichte: Alle Fäden laufen zusammen, jedes Detail, das irgendwo mal erwähnt wurde, wird nicht grundlos erwähnt und am Schluss fügt sich alles. Schön war aber dennoch, dass Rösler sich für ein eher offenes Ende entschieden hat, das wird den Charakteren gerecht und wirkt glücklicherweise nicht konstruiert.

Mein Fazit: Ein wunderschönes, kurzweiliges und dennoch erinnerungswürdiges Leseerlebnis, das mich persönlich vor allem in Begeisterungsstürme versetzt hat, weil es vor Sprachschönheit nur so sprüht: „Meine Gefühle sind oft durcheinander und ich kann sie schlecht in Worte fassen und an den richtigen Stellen zeigen oder verstecken. Bei mir ist oft die Nebensache die Hauptsache.“ Das sagt August auf Seite 133 – und bringt seinen Charakter bestens auf den Punkt. Ebenso wie den des Buches: Wundervoll detailverliebt und pointiert.

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