Chill mal, Frau Freitag – Frau Freitag


Chill mal, Frau Freitag von Frau Freitag
336 Seiten, Sachbuch/Erfahrungsbericht
erschienen am 11. März 2011

Inhalt: »Hitler hat die Mauer gebaut«, glauben Abdul und Ronnie. Esra stylt sich im Disco-Islam: rosa oder türkis mit Glitzer und natürlich Kopftuch. Und Samira, die Klassenqueen, kann sich keine Sekunde von ihrem Handy trennen und hält hyperaktive Siebtklässler in Schach. An Frau Freitags Schule geht es immer voll ab. Ihr Alltag als Lehrerin ist absurd-komische Realsatire – verrückt, anrührend und vor allem sehr lustig. Aber Frau Freitag findet: Ich habe den schönsten Beruf der Welt.

Meinung: „Chill mal, Frau Freitag“ hat mich mit einem durchwachsenen Gefühl zurückgelassen. Einerseits gab es Passagen, die mir wirklich gefallen haben, die lustig waren und pointiert, Passagen mit Herz und Humor. Passagen, in denen sie sich liebevoll mit den Eigenheiten und Charakterzügen ihrer Schüler und mit dem Lehrerdasein auseinandersetzt. Andererseits gab es aber auch Passagen, in denen mir Frau Freitag gehörig auf den Senkel gegangen ist – weil sie sich so heroisch darstellt, dass man sich fragt, ob sie sich morgens im Wonder Woman Kostüm durchs Fenster Zutritt zur Schule verschafft.

Frau Freitag ist Lehrerin an einer Gesamtschule irgendwo in Deutschland. Sie unterrichtet primär Englisch und Kunst. Lehrerin ist sie gerne – wären da nur nicht diese Schüler! Ja, genau da fängt mein Problem an: Frau Freitag verhält sich in vielen Situationen so unmöglich ihren Schülern gegenüber, dass ich nicht vor Begeisterung übersprudeln würde, wäre sie die Lehrerin meiner Kinder. Natürlich: Sie will provozieren, arbeitet in ihren Momentaufnahmen mit Überzeichnungen, aber insgesamt hat man oft das Gefühl, dass sie nicht gerade die fähigste oder kompetenteste Lehrerin ist. Mir ist bewusst, dass ich, als Kleinstadtgymnasiastin, absolut keine Ahnung habe, wie es in Brennpunktschulen zugeht, aber Frau Freitag erscheint mir nicht unbedingt als Lehrerin, die ich dort einsetzen würde, läge diese Entscheidung in meiner Macht.

Man merkt Frau Freitag aber andererseits auch an, dass sie schon an ihren Schülern hängt, dass ihr ihr Job etwas bedeutet – obgleich sie diesen Eindruck oftmals durch flapsige Bemerkungen zunichte macht. Fast so, als würde sie sich dafür schämen, dass sie ein Herz hat und dass ihr ihr Job eigentlich doch Spaß macht und ihr Erfüllung bringt. Vielleicht verfälscht Frau Freitags Hang zur Selbstdarstellung auch einfach nur ihr tatsächliches Auftreten und in Wirklichkeit ist sie ganz anders. (Es wurde ja schon spekuliert, Frau Freitag sei vielleicht gar nicht Lehrerin, was sie selbst aber entschieden dementiert hat.)

Um dem Tonfall des Buches gerecht zu werden, schließe ich meine Rezension mit folgendem Fazit: Vallah, voll durchwachsen das Buch, Frau Freitag! Eine Kaufempfehlung würde ich persönlich nicht aussprechen, aber ihrem Blog hin und wieder einen Besuch abzustatten, lohnt sich definitiv. Beim Blog kann man nämlich auswählen, was man lesen möchte und fühlt sich, anders als beim Buch, nicht dazu verpflichtet, jede Anekdote zu lesen. In kleinen Dosen ist Frau Freitag nämlich ziemlich amüsant, auf über 300 Seiten aber eher überdreht und anstrengend.

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