Erste Eindrücke zu … „Switched at Birth“.

Im Sommer und Herbst laufen einige Serien in Amerika an, die mein Interesse geweckt haben – meine ersten Eindrücke zu ihnen würde ich gerne mit euch teilen, um vielleicht auch ein paar von euch dazu zu inspirieren, sich häufiger an Serien im Original heranzutrauen, noch bevor sie in Deutschland bekannt sind. Was gibt es schließlich Schöneres, als Perlen der Popkultur ganz für sich alleine zu haben?

Die erste Serie auf meine Liste ist vergangenen Montag auf ABC Family angelaufen und trägt den Titel „Switched at Birth“ (zu Deutsch: „Bei der Geburt vertauscht“). Im Folgenden möchte ich euch gerne einen ersten Eindruck über den Inhalt der Serie vermitteln sowie meine persönliche Meinung zur Pilotfolge schildern.

(Bild via Time still exists.)

Nachdem ich die Pilotfolge von „Switched at Birth“ gesehen hatte, klickte ich mich durch diverse Internetportale, um einen ersten Stimmungstest hinsichtlich der am vergangenen Montag auf ABC Family angelaufenen Serie zu machen. Was ich vorfand, hat mich erstaunt: „Switched at Birth“ wird, vor allem von sehr kritischen Stimmen, immer wieder mit „7th Heaven“ („Eine himmlische Familie“) verglichen. Der eine oder andere mag sich vielleicht an die Serie über die idyllische Pastorenfamilie, die 2007 nach 11 schier endlosen Staffen ein Ende fand, erinnern. „7th Heaven“ ist eine dieser Serien, die so stark moralisiert, dass jedwede Authentizität abhanden kommt. Sämtliche „Das gehört sich nicht so“-Fingerzeige werden mit christlichen Wertvorstellungen begründet, die einem kritischen Hinterfragen selten standhalten. Und: Von kontroversen Themen keine Spur, niemand ist homosexuell, niemand lässt eine Abtreibung vornehmen, Sex vor der Ehe ist undenkbar und scheiden – um Himmels Willen! – lässt man sich auch nicht. Kurzum: „7th Heaven“ vermittelt eine Lebensrealität, die weltoffenen und toleranten Menschen übel aufstößt und zwar auf eine so unbeholfene Art und Weise, dass der kritische Zuschauer schon fast eine Satire vermuten mag: Die, die mit den Stereotypen der christlichen, republikanischen Familie aus einem amerikanischen Vorort spielt und damit endet, dass alle verheirateten Kinder Zwillinge bekommen.
Es ist mir schleierhaft, wie „7th Heaven“ und „Switched at Birth“ in einem Atemzug genannt werden können. Die einzige, mir ersichtliche, Gemeinsamkeit ist: Im Mittelpunkt steht eine Familie. An dieser Stelle hören die Gemeinsamkeiten aber eigentlich auch schon auf.

„Switched at Birth“ erzählt die Geschichte der beiden Teenagerinnen Bay und Daphne. Auf den ersten Blick kann man sich schwer vorstellen, aus welchem Grund sich diese beiden konträren Charaktere jemals über den Weg laufen sollten, wo es einen Schnittpunkt in ihren Biographien geben könnte – bis klar wird, dass sie 16 Jahre das Leben der jeweils anderen gelebt haben. Bay und Daphne wurden durch einen Fehler, der hinsichtlich der Namensbändchen an den Handgelenken gemacht wurde, im Krankenhaus vertauscht, was erst ans Licht kommt, als Bay im Biologieunterricht ihre Blutgruppe analysiert, die biologisch, mit Hinblick auf die Blutgruppen ihrer Eltern, ein Ding der Unmöglichkeit ist. Nachdem sie ihre Eltern zu einem genetischen Test überzeugt hat, steht zu 99,9 Prozent fest: Bay ist nicht das biologische Kind ihrer Eltern. Das Krankenhaus findet heraus, welche Kinder damals vertauscht worden und so lernen wir die gehörlose Daphne und ihre alleinerziehende Mutter kennen, die einen völlig anderen Lebensstil führen, als Bay und ihre Familie es tun. Während Bay in Reichtum und Wohlstand aufgewachsen ist, eine Privatschule besucht, ist Daphne in einer unruhigeren Gegend aufgewachsen, mit weniger Geld. In welchen Verhältnissen Daphne aufgewachsen ist, schockiert vor allem ihre leiblichen Eltern, die einen Hang zum Moralisieren an den Tag legen – und beschließen, handeln zu müssen…

Besonders gefallen hat mir, wie unterschiedlich Bay und Daphne porträtiert werden. Während Bay sehr rebellisch und stur ist, ist Daphne eher bereit sich unterzuordnen, auch mal nachzugeben, um Frieden zu stiften. Auch die Familien der beiden Mädchen könnten nicht unterschiedlicher sein: Bays Eltern verkörpern das typische reiche amerikanische Paar mit Klassendünkel, während Daphnes Mutter laut, energisch und sehr speziell ist – eben die typische Alleinerziehende, die man sofort ins Herz schließt, während man den reichen Eltern eher kritisch gegenüber eingestellt ist. Besetzt sind allerdings alle Rollen sehr gut, ganz gleich, ob sie sympathisch auf den Zuschauer wirken oder nicht – Bays Bruder (gespielt von Lucas Gabreel, bekannt durch seine Rolle als Ryan Evans in „High School Musical“), Daphnes Großmutter und ihr taubstummer Freund Emmett, die beiden Jungs, an denen Daphne und Bay erstes Interesse zeigen… Ganz besonders habe ich mich über das Widersehen mit Vanessa Marano gefreut, die die Bay verkörpert. Serienfans dürfte sie aus der Serie „Gilmore Girls“ ein Begriff sein, wo sie Lukes Tochter April spielte. Es ist wirklich unglaublich, wie erwachsen sie in den Jahren geworden ist, die zwischen den beiden Serien liegen – und wie ausgesprochen gut sie in der Lage ist, nach ihrer Rolle als wissbegieriges Mauerblümchen April eine konfrontative Rebellin wie Bay zu verkörpern.

Auch Marlee Matlin, vielleicht Amerikas bekannteste gehörlose Schauspielerin (unter anderem „The L Word“), wird eine Gastrolle in „Switched at Birth“ übernehmen. Sowohl die gehörlosen als auch die hörenden Darsteller sind sich einig, dass das Element der tauben Protagonisten der Serie etwas sehr Besonderes und Tiefes gibt – etwas, das man selten in einer Serie gesehen hat. Dies schwappt auch sofort auf den Zuschauer über. Da ich in der letzten Zeit häufiger mit gehörlosen Menschen zu tun hatte, wurde in mir immer wieder Wunsch geweckt, Gebärdensprache zu erlernen – „Switched at Birth“ hat diesen Wunsch nur noch weiter geschürt und sich vor allem durch die Gehörlosenkomponente, die so unverkrampft eingebaut wurde, in mein Herz gespielt.

Einziger Kritikpunkt: Der Pilot wirkt ein wenig überladen, zu temporeich. Dies ergibt sich aber vermutlich dadurch, dass durch die Pilotfolge potenziellen Einkäufern gezeigt werden soll, an welchen Stellen großes Potenzial in der neuen Serie steckt und welche möglichen Handlungsstränge mindestens eine Staffel füllen können. Als wirklich störend habe ich das Erzähltempo der ersten Folge nicht empfunden und bin mir sicher, dass die kommenden Folgen erzählerisch etwas an Fahrt rausnehmen.

„Switched at Birth“ ist eine dieser kleinen, niedlichen, humorvollen Serien, auf die man sich jede Woche freut. Weil sie einen zum Strahlen bringt, weil sie an den richtigen Ecken und Enden überdreht ist, weil sie so amerikanisch ist, dass man ein klein wenig Fernweh bekommt. Für alle, die im Sommer gut unterhalten werden wollen, während die meisten altbekannten Lieblingsserien in der Sommerpause sind, ist „Switched at Birth“ die perfekte Unterhaltung. Natürlich erfindet die Serie das amerikanische Fernsehen nicht neu und arbeitet mit vielen altbekannten Themen, Klischees und Charaktertypen, aber in diesem Fall tut das dem Ergebnis keinerlei Abbruch. Ich bin gespannt, was „Switched at Birth“ noch so zu bieten hat, der Pilot jedenfalls hat Lust auf mehr gemacht.

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11 Comments

  1. Huhu,

    mir gefältl deine Beschreibung auch sehr gut, allerdings habe ich eien Frage:

    Wo guckst du diese Serie und wann kommt sie?
    Vielleicht kannst du mir ja eine Email schreiben?
    Ich würde mich sehr freuen.

    dieraeubertochter(at)gmx.de

  2. Hey
    Ich habe ja schon deine Tweets über Switched at Birth gelesen und dann kam gestern dein Post dazu, da dachte ich mir, okay die Serie klingt interessant. Habe dann direkt gestern die erste Folge geschaut. Und ich muss sagen, ja die Serie wird auch mich im Sommer begleiten.
    Bay. Ich weiß nicht. Irgendwie ist sie mir zu typisch. Allein immer dieses, Ihr seid nicht meine richtigen Eltern. Ich kann jetzt rauchen, trinken und mich piercen lassen.
    Daphne finde ich grandios. Sie ist mir vom ersten Moment an total sympathisch gewesen.
    Ich kann kaum die nächste Folge erwarten.

    Auf welche Serien wartest du denn noch?

    1. Ich mag oft die eher streitbaren Charaktere, die, an denen sich die Geister scheiden. (Ich habe bislang fast nur Kommentare gelesen, in denen Bay nicht wirklich gemocht wurde – aber ich glaube, dass sie der Serie eine Menge geben kann, Spielraum für Entwicklung hat. Natürlich: Klischeelastig ist sie schon, die Anti-Haltung etc..)

      Ich habe eine ganze Menge Serien, von denen ich zumindest den Piloten sehen will, viele kommen aber erst im Herbst.

      Was in nächster Zeit kommt:
      The Nine Lifes of Chloe King
      Happily Divorced
      Falling Skies
      The Lying Game (das kommt direkt im Anschluss an die ersten zehn Folgen Switched at Birth, also im August)

      1. Ich mag Bay, überall wird geschrieben sie verhalte sich „bockig“ usw. Aber niemand scheint sich in ihre Lage versetzen zu können. Da erfährt man eine solche Neuigkeit und mit das erste was die eigenen Eltern unternehemn ist die biologische Tochter an der eigenen Schule rumzuführen und mit einem Anwalt zu drohen um sie wiederzubekommen. Wie bitte soll Bay sich dabei fühlen? Denn im Umkehrschluss bedeutet das doch das sie ihre Sachen packen kann um auszuziehen, denn das Sorgerecht für beide Mädchen werden sie wohl kaum bekommen.

        Konfliktpotenzial ist also genügend vorhanden.

  3. Hach, die perfekte Serie, um die Sommerpausen zu überbrücken. Ich habe die ersten beiden Episoden gesehen und bin jetzt schon begeistert davon. Auch wenn mir in der ersten Folge alles ein wenig zu schnell ging, vor allem, dass Daphne und ihre Mutter bereits in das Gasthaus von Bays Familie eingezogen sind, bin ich wiklich überrascht, wie spannend die Geschichte der beiden Familien umgesetzt ist.
    Ich konnte mich bis jetzt auch noch nicht entscheiden, wer mir sympathischer sein wid, Bay oder Daphne, da sie beide so konträr sind und zwei extrem interessante Charaktere darstellen. Auf die kommenden Folgen bin ich jedenfalls schon sehr gespannt 🙂

  4. Hallo!

    Ich würde auch gerne wissen wollen, wo Du dir die Serie anguckst?
    Würde mich ebenfalls über eine Email von Dir freuen.

    Liebe Grüße von nelefant237

  5. Hi, vielen Dank für den tollen Tipp, hab mir die ersten beiden Folgen schon angeguckt und finde sie toll 🙂
    (Und im Gegensatz zu den anderen Meinungen hier, habe ich Bay schon vom ersten Augenblick an geliebt. Aber das ist denke ich Geschmackssache, ich steh nicht so auf die netten Charaktere^^)
    Werde die Serie auch bestimmt weiterhin gucken, tolle Empfehlung!

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