Vielleicht habe ich den Kampf bereits verloren.

Freunde sind die Familie, die wir uns aussuchen. Das war es, was mir durch den Kopf schoss, als du subtil, durch die Blume, hintersinnig andeutetest, dass du es absolut unmöglich findest, wenn Homosexuelle Paare Kinder adoptieren. Du sprachest das so nicht direkt aus, sondern flohst in Ausflüchte. „Aber es könnte…“ und „Vielleicht würden die Kinder…“ und „Zu vermuten wäre…“. Ich sagte: „Aber worauf es doch ankommt, das ist Liebe.“ Bei dem Wort Liebe, da hat sich meine Stimme überschlagen. „Ich hätte kein Problem damit gehabt, zwei Mütter oder zwei Väter zu haben.“ Das war es, was ich sagte, bevor du das Thema wechselst. Was ich eigentlich sagen wollte: „Ich bin lesbisch.“ Was ich eigentlich sagen wollte: „Ich will Kinder.“ Was ich eigentlich sagen wollte: „Du hast kein Recht, dich zum Richter über richtig und falsch aufzuschwingen.“ Und: „Schon gar nicht zur Richterin über deine Enkeltochter„.
Manchmal erschöpft es mich, immer wieder in den Krieg für meine Ideale ziehen zu müssen. Manchmal erschöpft es mich, dass ich irgendwo in einer „Ich gegen den Rest“-Situation gefangen bin. Meistens aber, da erschöpfe ich mich selbst. Weil ich nicht den Mut habe, mich hinzustellen und so laut zu schreien, dass es auch der Letzte hört. Aber ich kann das nicht alleine. Ich kann das nicht, wenn niemand an meiner Seite ist. Ich kann das nicht, wenn mich niemand an die Hand nimmt. Ich bin eine Kämpferin, aber meine Waffen sind abgenutzt und ich weiß nicht, wie lange ich so noch weiterkämpfen kann. Vielleicht habe ich den Kampf bereits verloren.
Ich brauche eine Familie.

(Bild via KiltBear,
gefunden über Creative Commons)

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3 Comments

  1. Liebe Mirka, 😉
    Ich wollte mich nur mal wieder melden, nicht das du denkst ich bin vom Erdbeben verschluckt. Wortgeschichten gibt es nicht mehr und ich mache jetzt einen Blog mit mehreren Freundinnen (hautnah.blogspot.com) vielleicht schaust du ja mal vorbei.

    Zu deinem Text kann ich nur sagen, dass es mich total freut, dass du wieder mehr schreibst. Ich liebe deine Texte und obigen hast du so so eindrucksvoll geschrieben. Ich kann deinen ‚Ärger‘ verstehen über Leute, die schlecht gegen homosexuelle Beziehungen reden oder auch gegen Adoption dabei. Ich finde es wichtig und richtig, dass jeder Mensch (egal wie und wen er liebt) die Chance hat, eine Familie zu bekommen. Vielleicht kommen wir eines Tages dahin, dass es irgendwie aktzeptiert werden wird. Ich wünschte es mir.

  2. Hey,

    es ist wirklich schade, dass Intoleranz auch im 21. Jahrhundert noch so große Verbreitung findet, egal, ob sie gegen homosexuelle oder Menschen mit anderer Herkunft (und Hautfarbe) geht. Noch mehr ist es schade, wie sehr die Menschen, die davon betroffen sind, darunter leiden.
    Auch die Motive der Menschen, die eine solche Intoleranz an den Tag legen, werde ich nicht verstehen. Geschieht so etwas aus Angst vor dem Unbekannten oder woher kommen solche manchmal gar in Hass ausartende Gefühle?

  3. Hey Mirka
    ich schreibe dir gerade zum ersten mal, bin über twitter auf deinen Blog gelangt.
    wollte dir nur, da jeder, der schreibt, genau weiß, wie gut sich das anfühlt (auch wenn er das nie zugeben würde) sagen wie ausgesprochen gut mir deine texte gefallen. ausserdem vertrittst du (zumindest bei dem text den ich gerade kommentiere, ich habe ja bei weitem noch nicht alle gelesen) eine sehr vernünftige meinung, die übrigens auch eindeutig die meine ist. ich finde dass die gesamte gesellschaftliche sutiation was homosexualität betrifft eine absolute katastrophe ist… ich bin nicht schwul, nein, doch hätte ich kein problem damit, und bin gut mit anhängern verschiedenster sexualität befreundet- warum auch nicht? erfährt jedoch per zufall oder weil ich mich mit einem „was ist eigentlich dein problem mit schwulen“ in ein gespräch einbringe davon, zeigt sich wieder einmal wie falsch und kaputt die gesellschaft doch ist. sofort wird versucht, mich mit „schwul“ zu beleidigen, wobei ich nicht erkenne was daran eigentlich beleidigend ist. das wäre meiner meinung nach so als würde ich sagen „du magst tennis“ oder „du trinkst cola“. ok, das machen viele. warum also „schwul“ als beleidigung rufen?
    nj jedenfalls weiter so, sehr ansprechende texte, sehr tolle meinung. werde ab jetzt öfter hier vorbeikommen, und vielleicht das eine oder andere kommentarchen dalassen^^
    also dann, noch viel erfolg und weiter so
    gruß aus österreich
    -Renuan

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