Haarige Angelegenheiten.

Dies hier wird ein knallharter Tatsachenbericht. Über haarige Angelegenheit. Da ich hier ja ganz jugendschützerisch bin – jedenfalls an den anständigen Tagen – geht es natürlich um die auf dem Kopf. Was Sie schon wieder dachten!

18 Jahre liegen hinter mir – und fast genauso viele leidvolle Friseurerfahrungen. Ich hatte schon so ziemlich jede natürliche Haarfarbe und auch sonst alles, was die Friseurwelt so hergibt, scheußliche Strähnchen zum Beispiel, vor allem die dicken. Mit 11 oder 12 habe ich mit Strähnchen angefangen, danach viel in die Blondrichtung experimentiert, dann honigrotblond, danach echte Rottöne, zunehmend immer dunkler, bis ich bei dunkelbraun angelangte. Zwischenzeitlich gab es zwei missglückte Aufhellungsversuche seitens meiner Friseurin, bei denen ich eigentlich hellbraun auf dem Kopf haben wollte, aber mit seltsamen orangebraun aus dem Laden ging.

Das Problem: Meine Naturhaarfarbe ist aschblond, je nach Lichteinfall mal dunkler und mal heller. Aschblond ist ja erstmal noch kein übermäßig großes Problem, wenn man betrachtet, wie viele Menschen das als Naturhaarfarbe vorzuweisen haben. Das Problem ist bloß: Ich bin für dunkelbraune Haare geboren. Ich bin einfach eine Brünette. Ich habe sehr, sehr dunkle braune Augen, dunkel Wimpern und auch die Augenbrauen sind etwas dunkler als meine Naturhaarfarbe, sodass sie super mit sämtlichen Rotbraun- und Dunkelbrauntönen harmonisierten. Wo jetzt das Problem ist, mag man sich fragen. Das Problem: Meine Haare sind zickig, meine Kopfhaut ist es auch. Das Färben hatte meine Haare bis zum Februar 2009 so sehr umgebracht, dass ich sie mir damals zu einem ziemlich kurzen Bob schneiden ließ. Stand mir auch, ich habe ein Gesicht für Bob oder für lange Haare, aber nicht für kürzer und leider, so musste ich in den darauf folgenden Monaten erkennen, auch für keine länge zwischen Bob und lange Haare. Ein halbes Jahr war ich ungefähr mit dem Bob zufrieden, ließ ihn nachschneiden und irgendwann wich der Seitenscheitel einem Pony, der meinem Gesicht anscheinend schmeichelt. Nach diesem halben Jahr tauchten allerdings überall wunderschöne Frauen mit wunderschönen langen Haaren auf – und da ich ein Mensch bin, der immer genau das haben will, wogegen sich eigentlich gerade entschieden hat („Ich nehme ein Eis!“ Die Begleitung bestellt ein belegtes Brötchen. Plötzlich kann ich mir nichts Köstlicheres als ein belegtes Brötchen vorstellen…), lasse ich mir seitdem die Haare wieder wachsen, was das anstrengendste ist, das ich je getan habe. Ich hatte die Haare seit dem Kindergarten nicht mehr so kurz (mit 11 gingen sie mir sogar mal bis zur Hüfte!) und hatte absolut keine Ahnung, wie beschissen Haare liegen können, wenn sie genau so lang sind, dass man beim Schlafen im Nacken alles zum Abstehen in siebentausenddreihunderneunundachtzig Richtungen bringt.

Ein anderes Problem war natürlich wieder das Färben. Ich habe, nach vielen verunglückten Friseurfärbungen, irgendwann begonnen, meine Haare selbst zu färben, mit diesen Drogerie-Supermarkt-Chemiekeulen, die so billig sind, dass da ja irgendwas faul sein muss. Hat zwar insgesamt zufriedenstellendere Ergebnisse erzielt, als das, was ich beim Friseur so geboten bekommen hatte (sieht man von dem einen mal ab, wo meine Haare zwei Wochen lang schwarz waren, weil die Tönung vor den ersten Haarwäschen doch recht … extrem war und die Menschen mich fragten, was denn mit mir los sei, die Farbe müsse ja irgendwas über mein Seelenleben aussagen). Danach habe ich eine ganze Weile mit Pflanzenfarben und Henna experimentiert, das meine Haare wunderbar gepflegt hat, aber nicht wirklich toll gefärbt hat. Mag daran liegen, dass es einfach nicht in der Lage war, die Chemie zu überdecken oder aber es färbt einfach wirklich nicht so, wie ich das gerne hätte. (Und der Gestank. Ich bin zwar eher ländlich aufgewachsen, aber alles, das nach Pferdestall riecht, sorgt dafür, dass mir ganz anders wird.) Und im vergangenen August beschloss ich dann, das mit dem Färben einfach ganz sein zu lassen. Nachdem ich ungefähr sechs Jahre meine Naturhaarfarbe gar nicht mehr zu Gesicht bekommen hatte, alle 3 Monate beim Friseur gehockt oder selbst Hand angelegt hatte. Bis zu einem gewissen Punkt war es echt teuflisch schwer, nicht einfach wieder was drüber zu klatschen, weil es so ungewohnt war, einen Ansatz zu haben. Mittlerweile sind ungefähr 8 Zentimeter rausgewachsen und der Kontrast ist zu dem gefärbten, leicht gescheckten Dunkelrotbraun eigentlich gar nicht so krass. Es hat mich jedenfalls noch niemand darauf angesprochen, wie abscheulich das auf meinem Kopf doch aussieht und ich selbst kann auch damit leben. Obwohl mich Colorationsregale noch immer ein wenig in Panik versetzen, genau wie es Mängelexeplartische lange taten, nachdem ich beschlossen hatte, mein Buchkaufverhalten umzustellen. Sind aber erstmal ein paar Monate rum, ist das alles eigentlich nur halb so schlimm.

Außerdem habe ich, um meinen Haaren etwas Gutes zu tun, vor bestimmt über einem Jahr nach und nach meine Haarpflege umgestellt. Ich benutzte nur noch Naturkosmetikprodukte, seitdem die Haare wieder eine Länge haben, in der sie nicht mehr zurechtgeföhnt werden müssen, habe ich auch das Föhnen eingestellt. Und: Meine Haar lieben es. Meine ganze Haarstruktur hat sich verändert. Waren sie früher eher glatt und ohne Volumen, wellen sie sich jetzt von selbst und fühlen sich sehr dick und gesund an – was auch daran liegen mag, dass ich alle paar Monate eine Haarkur mit farblosem Henna anwende. Stinkt zwar immer noch, aber da muss ich dann einfach durch.

Seit vergangenem Dezember gehe ich gar nicht mehr zum Friseur. Damals wollte ich eigentlich nur die Spitzen geschnitten haben, da die mit Chemiefarbe gefärbten Enden wieder anfingen, Spliss zu bilden – die Friseurin, die ich zu dem Zeitpunkt ausprobierte, hatte allerdings etwas flotte Hände und es mussten mehr Zentimeter dran glauben, als ich wollte. Und mein Pony war hinterher ein zickzwackiges Desaster, sodass ich ungefähr drei Wochen lang komische Haarklammerfrisuren zur Schau stellte, dir selbst nicht ganz behagten. Also war mein Plan: 2011 nicht zum Frisur zu gehen. 2011 kein traumatisches Erlebnis in die Galerie einzureihen. Seitdem ich bei einer sehr lieben, kompetenten Zahnärztin bin, finde ich selbst Zahnarztbesuche irgendwie angenehmer als Friseurbesuche. Und ich habe wirklich, da ich auch auf dem Gebiet einige Traumata aufzuarbeiten habe, recht große Angst vor Zahnärzten und hätte bei jedem kleinen Loch, das beseitigt werden muss, gerne eine Vollnarkose und eine stationäre Aufnahme für zwei Wochen. Ungelogen.

Es ist jetzt April und bisher war ich wirklich noch nicht beim Friseur. Den Pony schneide ich selbst, das funktioniert auch ganz gut, da ist schließlich nicht viel bei. Sollten die Spitzen irgendwann mal wieder kaputt gehen, dann lasse ich meine Mutter da ran – der vertraue ich da mehr, als jeder Friseurin mit abgeschlossener Ausbildung. Weil die versteht, was ich mit „Aber nur die Spitzen schneiden“ meine: Keinen ‚trendigen‘ Stufenschnitt mit Assi-Pony.

Das bisherige Fazit des „Versuchs“: Zur Naturhaarfarbe zu stehen ist knorke. Naturkosmetik ist knorke. Selber Schneiden verhindert böse Überraschungen. Friseure meiden spart Geld und Nervenzusammenbrüche. Fazit 2: Der Versucht geht weiter. Und irgendwann gibt es dann vielleicht auch mal ein Foto von der Haarpracht. (Nagelt mich darauf aber nicht fest. Ich bin bei sowas ja ein wenig schwierig.)

(Bild via anemoneprojectors,
gefunden über Creative Commons)

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12 Comments

  1. Von wegen Haarschnitt und so…bist das auf dem ,,Gravatar“-Bild oder auf Twitter dann Du mit langen Haaren?? Oder sind das nur schöne Bilder aus dem Netz gezogen? 🙂

      1. Was heißt hier leider? Ich denke Du bist trotzdem eine Hübsche, irgendwie merkt man das an dem was Du schreibst, finde ich…obwohl das ja eigentlich ausgeschlossen ist, nicht wahr, daß man das an Worten ablesen kann…

        Also zumindest hast Du eine schöne Seele, Du strahlst auf eine gewisse Art durch das was Du schreibst…ganz selten sowas.

  2. „Sollten die Spitzen irgendwann mal wieder kaputt gehen, dann lasse ich meine Mutter da ran – der vertraue ich da mehr, als jeder Friseurin mit abgeschlossener Ausbildung. Weil die versteht, was ich mit „Aber nur die Spitzen schneiden“ meine: Keinen ‘trendigen’ Stufenschnitt mit Assi-Pony.“

    Haha, du bist genial!

  3. ich hab auch alle längen durch, habe aber erst zweimal in meinem langen leben mit chemie gefärbt. ansonsten nehme ich nur henna. ist ne sauerei im bad, aber mit etwas übung gehts immer leichter.
    man kann die farben auch untereinander mischen, wenn man den überraschungseffekt mag 😉
    fönen -> nur in notfällen! abends waschen, zusammenbinden und morgens mit halbnassen haaren los, wunderbar, meine haare lieben es!

  4. ein sehr netter Eintrag. Schon mit den ersten Worte dachte ich, hey, da kenne ich noch jemanden, dem’s so geht. Ebenfalls mit 11/12 angefangen drei Strähnen zu tragen, dann schön experiementiert. Bin nur sehr froh, dass meine Frisöse mich immer davon abgehalten hat, meine Haare zu blondieren. Und mir mit schwarz gleich rot dazu gefäbt hat (da war das mit den zwei Farben total modern – unten dunkel, Deckhaar hell) Mir steht nämlich leider nur braun und das auch eher im Mittelbereich. Irgendwann hatte ich das auch satt, meine Haare sind seitdem nich viel dünner und von den Haarschnitten , ohjemine.
    Momentan geht es mir wie dir. Ich hatte ebenfalls eine Bob, einen asymetrischen. Jetzt sollen sie wieder lang werden, daraufhin das sie nicht länger als Schulter wachsen… Aber damit bin ich schon zufrieden. Zumal ich gerade diese doofe Länge, die überhaupt nicht liegt, überstanden habe.

    Ich bin so froh, dass es noch andere gibt, denen es so geht wie mir und die irgendwie das Gleiche durch gemacht haben. Das mit dem nicht föhnen, probiere ich jetzt auch mal aus. Ich hüte mich schon immer, nicht eine Rundbürste zu nehmen, außer es steht was besonderes an. Und was ist das genau für eine Kur die du benutzt? Wenn sie bei dir hilft, hilft sie bei mir vll auch.

    Entschuldige bitte, dass ich so einen Roman geschrieben habe, aber ich bin von deinen Worten gerade so beflügelt =)

    Liebe Grüße,
    Tina

    1. Ich hatte eigentlich gehofft, dass die leise Ironie, die in diesem Text mitschwingt, eindeutig zu erkennen ist. Ich erkläre sie aber gerne trotzdem: Ich mache mich in diesem Artikel definitiv darüber lustig, dass mich meine Haare manchmal fürchterlich in den Wahnsinn treiben, dass sie jahrelang vor allem durch irgendwelche Friseurunglücke viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben. Das heißt nicht, dass sie mein Lebensinhalt sind. Himmel. Wenn du meine anderen Blogartikel kennst, dann dürftest du wissen, dass ich nicht ein Mensch der Äußerlichkeiten bin, schon lange nicht mehr. Dass mein Leben eigentlich eher von ernsthaften Themen bestimmt wird. Dass mir Zivilcourage wichtig ist und Engagement, dass ich hoffe, durch mein Schaffen und Wirken eines Tages ein wenig die Welt, oder zumindest meine Ecke, meinen Platz, verbessern zu können. Und letztlich können wir bei so ziemlich jedem Blogthema sagen „Es ist/sind nur XYZ“. Ein Blog ist schließlich vor allem eines: Subjektiv. Wenn mir danach ist, über meine Haare zu schreiben, dann tue ich das. In aller Ausführlichkeit und in epischer Breite. Manchmal ist mir danach, etwas Entspannendes zu schreiben, etwas Ironsiches und Humorvolles und Klischeehaftes und Mädchenhaftes. Auf meinem Blog kann ich alles sein. Darum geht es hier doch. Dass man seine Gedanken mitteilt. Wer möchte, der liest es. Wer nicht möchte, der liest eben besser Shakespeare.

  5. Großartiger Text, ich fühle mit dir. Meine Haare und ich führen eine sehr innige Hassliebe. Bis heute konnte ich nicht die richtige Pflege für sie finden. Mit den Naturprodukten von dm bin ich leider gar nicht klargekommen.
    Aber egal, darum geht es ja auch eigentlich nicht. Kurzum: mal wieder sehr toll geschrieben!

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