Einen Anfang machen.

Ich habe gerade meine letzte H&M-Rechnung bezahlt, online, versteht sich. Ich habe es gerade, ebenfalls online, so eingestellt, dass ich keine Newsletter oder Prospekte mehr bekomme. Und wenn das Geld bei H&M eingegangen, die Rechnung beglichen ist, dann werde ich meinen Account löschen – natürlich: Online.

In diesem Artikel soll es aber nicht darum gehen, was ich alles online tue, darüber schrieb ich ja schon zur Genüge. Nein. In diesem Artikel soll es um wahllose und bewusstes Konsumieren gehen, um Fair Trade und Ausbeutung, um ein Experiment, das ich voller Spannung ausprobieren möchte:

Ich werde bis zum 31.12.2011 nicht mehr bei H&M einkaufen. (Und auch nicht bei Zara, Pimkie und Konsorten. Alle Accounts sind gelöscht. Aber da ich primär bei H&M gekauft habe, in den vergangenen Jahren, steht das Experiment eher unter dem Motto H&M.)

In letzter Zeit steht mein Blog vor allem unter dem Motto Veränderung. Veränderung des Denkens und Handelns. Und der Hinterfragung meiner Lebensumstände. Was kann ich anders machen, um besser im Einklang mit mir zu sein? Was kann ich geben, damit andere und auch ich selbst davon profitieren können? Wie kann ich die Welt so mitgestalten, dass ich es in zehn oder zwanzig Jahren immer noch als richtig empfinde, Kinder in sie zu setzen? Was ist gesunder Egoismus und macht Geben nicht überhaupt viel glücklicher?

Mein Experiment soll also bis zum 31.12.2011 gehen. Aber warum hat dieses Experiment überhaupt eine Deadline? Warum sage ich nicht einfach: „Nie wieder. Ich werde nie wieder bei H&M einkaufen.“ Weil ich so etwas brauche. Egal worum es geht: Ich brauche eine Deadline. Außerdem finde ich es schöner, ein solches Experiment über einen bestimmten Zeitraum betrachten zu können. Das hat sich damals schon als sehr effektiv herausgestellt, als ich mir vornahm drei Monate kein neues Buch zu kaufen. Am Anfang war das schwer, es hat bei jedem Besuch einer Buchhandlung gekribbelt, ich wollte einfach nur kaufen. Kaufen, des Kaufen willens. Im Verlauf dieser drei Monate wurde es zunehmend leichter, ich merkte, dass es viel schöner ist, ein Buch zu lesen, das schon eine halbe Ewigkeit undankbar im Bücherregal vor sich hin staubt, als ständig neue Bücher mit nach Hause zu bringen, Bücher, bei deren Kauf ich gar nicht hinterfragt habe, ob ich sie wirklich unbedingt lesen will, ob ich zu Hause nicht vielleicht noch etwas habe, das ich viel dringender lesen möchte. Als Belohnung für das Durchstehen dieser drei Monate hatte ich mir den Kauf von drei Büchern gesetzt – innerhalb der drei „Fastenmonate“ war ich auf der Suche nach diesen drei Büchern. Ich habe auf meinem Amazonwunschzettel Bücher hin und her geschoben, ich habe mir Buchtitel in Buchhandlungen aufgeschrieben, ich habe Rezensionen in Zeitungen gelesen. Die drei Bücher, die ich schlussendlich auswählte, habe ich sofort verschlungen, bewertet, weiterempfohlen. Mir haben diese drei Monate gezeigt, wie viel schöner es ist, sich aktiv damit auseinander zu setzen, was man kauft und warum. Mir haben sie gezeigt, dass ich durchhalten kann, was ich mir vornehme. Mir haben sie auch gezeigt, dass ich kontinuierlich etwas verändern möchte – und das erhoffe ich mir auch von diesem Experiment.

Im Mai vergangenen Jahres habe ich mein Buchkaufverhalten umgestellt. Ich habe seit September kein neues Buch mehr gekauft. (Im September waren es die erwähnten drei ersehnten Bücher.) Neuen Lesestoff ergattere ich in unregelmäßigen Abständen durch Leseexemplare. Von meinen Geburtstagsgutscheinen habe ich bislang nur ein Buch bestellt, das ich auch sofort las, weil ich mir bei der Auswahl wieder große Mühe gegeben hatte. Und ansonsten versuche ich Bücher zu lesen, die ich sträflich vernachlässigt habe, die seit Jahren auf mich warten. So hoffe ich auch nach dem Klamotten-Versuch weiterzumachen: Dass es nach diesen 9 Monaten fast schon zur Selbstverständlichkeit geworden ist, dass ich nur Klamotten kaufe, deren Herstellungsweg ich zurückverfolgen kann, von denen ich weiß, dass nicht irgendwelche armen Kinder aus Bangladesh sich ihre Gesundheit für die Herstellung ruiniert haben, von denen ich weiß, dass jeder, der an der Herstellung beteiligt war, seinen fairen Lohn bekommen hat.

Was mich bisher von solch einem Experiment abgehalten hat, von einem Umdenken in diesem Bereich? Das Geld, natürlich das Geld. Das, was wir im Moment bei der Atomlobby sehen, haben wir doch in klein auch irgendwie in unserem Kleiderschrank. Der Atomlobby geht es darum, so viel Profit wie möglich zu machen. Uns geht es darum, unseren Kleiderschrank so voll wie möglich zu stopfen. Sieht man einmal davon ab, dass man sowieso nur seine Lieblingsteile trägt, ein Drittel der Klamotten zu eng sitzt und ein weiteres Drittel rutscht, hat man sich doch noch nie wirklich die Frage gestellt: Brauche ich das? Macht mich das glücklich? (Und wenn die Antwort ein gekreischtes „JA!“ auf ‚Macht mich das glücklich?‘ ist, dann sollte man vielleicht mal hinterfragen, mit was für Wertvorstellungen man eigentlich Tag für Tag durchs Leben stolpert. Ich denke, es ist sehr gefährlich, sich über Besitz und Konsum zu definieren.
Ich selbst war Modebloggerin. Das ist mein Ursprung, das ist mir nicht peinlich, jeder hat irgendeine Geschichte. Ich habe damals sehr viel gekauft – ohne wirklich zu hinterfragen, zu welchen Anlässen ich das tragen könnte, ob ich nicht schon genug Used-Look-Jeans habe, ob mir das überhaupt richtig steht. Als ich kürzlich beim Öffnen meines Kleiderschranks fast von einem Stapel T-Shirts, die ich kaum mehr als einmal getragen habe, erschlagen wurde, da wusste ich: Ich muss etwas tun, etwas verändern, das anpacken. Ich habe irgendwann schon einmal darüber geschrieben, dass ich proportional zum Weggeben von Dingen glücklicher werde, dass ich die geborene Minimalistin bin. Für mich ist Mode immer noch irgendwie wichtig, eine Form des Ausdrucks – aber ich denke mittlerweile, dass es Wichtigeres gibt, dass man sich auch im Bezug auf die Modeindustrie mehr Gedanken machen sollte.

Im Moment ist der Plan, dass ich versuche, einen Großteil meiner H&M-Sachen zu versteigern (meine Lieblingsteile werde ich behalten und so lange tragen, bis sie auseinanderfallen, versprochen!) oder anderweitig zu verkaufen, was übrig bleibt oder was vermutlich sowieso keiner haben will, werde ich für einen guten Zweck spenden. Den größten Teil des Geldes, das ich mir durch den Verkauf meiner Sachen verspreche, wird in eine kleine, aber abwechslungsreiche Fair Trade Garderobe investiert werden, einen gewissen Teil möchte ich für humanitäre Zwecke spenden – vielleicht an die DKSM.

Natürlich könnt ihr euch jetzt fragen: „Warum macht sie das? Wird sie jetzt völlig zum Ökofreak?!“ Aber vielleicht löst mein Prozess der Veränderung ja auch in euch etwas aus. Und selbst wenn ihr „nur“ etwas bewusster beim Shopping darüber nachdenkt, ob ihr das wirklich braucht und jedes dritte potenzielle neue Kleidungsstück im Geschäft hängenbleibt: Das ist ein Anfang. Und es ist wichtig, einen Anfang zu machen.

(Bild via Klearchos Kapoutsis
Creative Commons)

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26 Kommentare

  1. Deine Idee gefällt mir sehr gut.
    Ich selbst habe mir einen kleineren Zeitraum vorgenommen, ich selbst „faste“ bis Ostern, das heißt, das ich bis Ostern nichts außer Lebensmitteln einkaufe. Zu Beginn war es schwerer als ich es mir vorgestellt hatte, aber schon jetzt ist es viel leichter, in ein Geschäft zu gehen und nichts zu kaufen. Auch ich kauf(t)e oft genug um des Kaufens willen.
    Ich werde dein Projekt mit Spannung und Neugier verfolgen und auch bei mir selbst schauen, wie es nach Ostern für mich weitergeht.

  2. Finde ich gut.
    Wollte ich auch machen, aber ich werde leider viel zu schnell schwach. Aber ich würde es sehr interessant finden, wenn du weiter von deinen Erfahrungen erzählst. Vielleicht machen sie mir Mut, dass ich auch das mal schaffen werde.
    Mein Kleiderschrank ist bis zum Bersten gefüllt. Habe letztens ein Oberteil mit Preisschild gefunden, meine Bücher fallen halb aus dem Regal und zu viele Schmink und Beautysachen habe ich auch.
    Ich hoffe du bist, und bleibst stark. Ich werde es, denke ich mal, auch wieder versuchen.
    Liebe Grüße

  3. Super Sache! Freu mich auf Berichte und weitere Ideen!!
    Zusatzoption: Mode welchen Ursprungs auch immer, die schon mal auf dem Markt rumfliegt (oder besser gesagt in irgendwessen Schränken), kann man auch für Andere auftragen. Hab mir im Zwecke einer Stilentwicklung gerade für recht wenig Geld recht viele Röcke auf Ebay gekauft, die auch fast alle passen und gefallen, schont die studentische Kasse und die Textilherstellung.
    UND es gibt echt schöne faire Mode – die allerdings schont das studentische Budget eher nicht. Kauf ich aber auch, aber eben zwangsläufig ausgewählt.
    Und ich trag ein paar H&M-Sachen seit zehn Jahren, manche geflickt und imme rnoch gut, manche T-Shirts nur noch im Winter unterm Pullover. Wenn Sachen auseinander fallen, nehm ich sie als Flicken oder Schuh- oder Fahrradputzlappen.
    Bisschen was anderes: man kann fast jedes unnütze Papier doch noch ein bisschen nutzen: Alle sinnlosen Infobriefe von der Krankenkasse u.ä., die nur einseitig bedruckt sind, eignen sich als Schmierpapier, einseitig beschriebenes Papier, das man nciht mehr braucht auch, die Einzelkuverts von Teebeuteln reiß ich auf und benutz sie als Einkaufszettel, to-do-lists, was auch immer.

  4. „Super Sache! Freu mich auf Berichte und weitere Ideen!!“

    …dem kann ich mich nur anschließen. Ich denke, dass bei vielen in diesem Bereich gerade ein Umdenken stattfindet (außer bei etlichen Bloggern – die wüssten ohne Konsumräusche ja gar nicht, worüber sie schreiben sollten).

    Ich „versuche“ nun auch schon seit einem halben Jahr, bewusster einzukaufen, aber ich bin wohl tatsächlich ein bisschen kaufsüchtig… traurig, aber wahr. Aber ich hatte mir gestern vorgenommen, einen neuen Versuch zu starten – werde nachher auch darüber auf meinem Blog schreiben & deinen Artikel verlinken, wenn ich darf, denn du schreibst, wie so oft, alles, was ich mir sowieso denke, nur viel schöner & präziser 🙂 Danke dafür!

  5. Mir gefällt deine Idee. Das ganze ist wirklich sehr Lobenswert.
    Du hast es auf jeden Fall geschafft, einen Denkanstoß zu geben.

  6. Mir gefiel dieser Artikel bis zum letzten Absatz sehr gut, denn im Prinzip fordert selbiger (im Einklang mit deiner verlinkten Formspringme Antwort „Das sollte jeder von uns tun – aber leider sind die wenigsten bereit dazu.“) dazu auf, sich an dir ein Beispiel zu nehmen. Grundsätzlich ist das nichts Schlimmes, aber es sollte einmal bedacht werden, dass gewisse Ideale tatsächlich Luxusgut sind.
    Natürlich würde ich unterschreiben, dass wir alle Fairtrade Produkte kaufen sollten, Ökostrom beziehen und Lebensmittel erwerben, zu deren Gunsten kein Tier leiden musste. Das ist nicht nur vernünftig, sondern auch ethisch korrekt. Aber es ist leider auch eine Sache der Finanzen. Wenn man nicht gerade gut verdient oder von zu Hause unterstützt wird, werden all diese guten Vorsätze sehr schnell zu einem Strick.
    Der durchschnittliche Student lebt heutzutage mit weniger als dem Hartz IV Satz (und ich möchte hier diesbezüglich keine Hartz Debatte lostreten). Das bedeutet, dass der Grundbedarf gedeckt und die Wohnung bezahlt wird, aber selbst für Lebensmittel nicht sonderlich viel übrig bleibt. Gerade im Bachelor/Master System ist es dann auch noch fraglich, ob man in der Lage ist, nebenbei zusätzlich Geld zu verdienen, da man häufig von 10-20h in der Uni sitzt und sich daraus ein rein logistisches Problem ergibt. Entsprechend sind die finanziellen Mittel knapp – und das nicht nur bei Studenten. Wenn wir jetzt also so jemanden haben, dessen Jeans oder Jacke leider plötzlich ein Loch kriegt, und das im tiefsten Winter, dann wäre es schlichtweg weltfremd ihm vorzuwerfen, die neuen Sachen für einen Zehner bei einer Kette erworben zu haben, deren Produktionsweg weder nachvollziehbar, noch ganz koscher ist.
    Ich finde Ideale wundervoll und wichtig und ich bin sehr für ökologisches Bewusstsein und Achtsamkeit. Ich finde aber auch, bevor man versucht, andere zu missionieren, sollte man darüber nachdenken, dass nicht jeder Mensch in der gleichen vorteilhaften Ausgangssituation lebt.

    1. Ich hätte vielleicht am Ende des Artikels nochmal deutlicher sagen müssen, dass ich der Meinung bin, dass jeder im Rahmen seiner Mittel versuchen sollte etwas zu verändern, etwas in Gang zu setzen. Mir ist klar, dass viele ökologische Produkte teuer und für einen Großteil nicht regelmäßig oder überhaupt nicht bezahlbar sind – und das ist auch okay so. Ich selbst könnte mir das auch nichts ohne die Unterstützung meiner Eltern, ohne meinen Job und ohne den Verkauf alter Klamotten leisten. Ich denke einfach, dass es schön wäre, wenn jeder irgendetwas täte – nicht unbedingt nur auf Konsumveränderung oder -hinterfragung bezogen. Sich ehrenamtlich engagieren, zum Beispiel bei einem Verein oder in einem Tierheim oder Seniorenheim oder oder oder… An Demonstrationen teilnehmen. Spenden, wenn man gerade mal was übrig hat. Blutspenden gehen. Irgendetwas. Jeder sollte da individuell das heraussuchen, was für ihn passt, was er sich auch finanziell leisten kann. Tut mir leid, dass das etwas missverständlich (und missionierend, Hilfe, langsam werde ich mir selbst gruselig!) rübergekommen ist.

  7. Ich sehe das irgendwie etwas kritisch. Einerseits finde ich es natürlich super, dass du dir vorgenommen hast bewusster zu konsumieren und dich nicht verführen zulassen. Aber …

    Ich finde trotzdem, dass man das nicht allzustreng halten sollten. Jedenfalls sollte man dann eine Ausnahme machen, wenn einem wirklich etwas super gut gefällt. Sagen wir mal du siehst da dieses eine Kleid im Schaufenster. Du weißt, dass du es dir leisten kannst und du denkst dir „Dieses Kleid passt einfach zu mir. Ich könnte es mit den Schuhen mal tragen oder mal mit der und der Jacke. Ich würde es sooft anziehen bis es zerfetzt ist, weil es dann so oft getragen wurde.“

    Man sollte sich nicht komplett einschränken. Es ist richtig, dass man nicht wahllos jeden Trend mitmachen soll und ja, einem gefallen immer so viele Sachen. Aber wenn du es fühlst, dass dieses Etwas einfach zu dir passt, dann darfst du auch mal eine Ausnahme machen.

    Ich schreib das nur, falls du mal in dieser Situation kommst in diesem Jahr. Du würdest ja deine Regeln nicht unbedingt brechen, weil eigentlich willst du dieses Kaufzwang einfach unterdrücken, der in den vergangen Jahren zur Sucht wurde. Man sollte aber einfach auch genießen dürfen.

    Diäten klappen ja oft nicht wegen dem Heißhunger. Und wegen dem Vegetarier… Ich hab nichts dagegen, dass du das machst oder irgendwer macht. Aber ihr wisst schon, dass euer Körper Fleisch braucht oder? Dass unser Magen dafür konzepiert ist Fleisch zu essen und es auch leicht verträglich verdauen kann? Obst und Gemüse dagegen sind schwer verdaulich, weil wir eigentlich eher Fleischfresser sind. Denk drüber nach ob du da wirklich was gesundes für dich selbst tust.

    Und wenn es wegen den Tieren ist.. Klar. Ich finde auch nicht gut, wie die Tiere behandelt werden in diesen Zuchtfarmen. Bin ich auch voll dagegen. Aber sagen wir mal, die Welt wäre nicht so „zivilisiert“ (wie der Mensch es so schön nennt) sondern es wäre noch so wie in der Steinzeit. Da galt das Gesetz „Fressen oder Gefressen“ werden. Da würden die dich auch verspeisen, weil es einfach ihr Instinkt ist (und weil sie starken Hunger hätten, denn wir stehen nicht auf dem Speiseplan von vielen Tieren durch unseren knochigen Körper).

    Bitte nicht mich falsch verstehen. Ich find wirklich gut, was du machst und das du den Schritt wagst etwas zu ändern. Nur waren das so 2 Punkte, wo ich denke, dass man da doch noch 2 Mal überlegen sollte, ob das wirklich glücklich oder gesund macht ^^

    1. Zu dem Argument „Aber sagen wir mal, die Welt wäre nicht so „zivilisiert“ (wie der Mensch es so schön nennt) sondern es wäre noch so wie in der Steinzeit. Da galt das Gesetz „Fressen oder Gefressen“ werden.“ möchte ich mich doch fragen, ob dir bewusst ist, dass die Steinzeit vorbei ist. Und wir uns in jedem anderen Lebensbereich einen Nutzen darauß machen und das genießen – die Möglichkeite, die sich durch die Zivilisation und unsere wachsende Intellingenz ergeben. Wie können wir ein Leben voller Entwicklung und Verbesserungen leben und uns beim Essen so weit zurückwerfen lassen? Wie können wir unseren Verstand und unsere Möglichkeiten GEGEN die Tiere verwenden? (Eine Ausführung, wie intelligent Tiere sind und wie menschlich, darin möchte ich mich jetzt nicht ergehen, aber eins ist unbestreitbar: Tiere empfinden Schmerzen, Angst, Hilflosigkeit und Panik. Das alles fügen wir ihnen zu. Grundlos.) Warum verwenden wir unsere Möglichkeit, frei zu entscheiden, Dinge zu änderrn – die in einem Land wie Deutschland so deutlich gegeben sind – nicht für sie? Warum hinterfragen wir nicht mit ihnen? Und ändern uns? So wie wir uns seit der Steinzeit immer geändert haben. Zum Glück.

      Es ist so einfach, mit Evolution zu kommen. Aber die Evolution ist gerade, in diesem Moment, noch im Gange. Und vielleicht halten wir sie ja auf? Und selbst wenn nicht geht es darum, die Chance zu nutzen, etwas besser zu machen. Und sie nicht zu nutzen – dafür gibt es kein gutes Argument.

      1. Danke Fee. So ähnlich wollte ich das auch in meinem Kommentar zu dem Kommentar sagen, aber ich habe es bei Weitem nicht so schön hinbekommen. 😉 Nett finde ich hier auch immer dieses Gedankenspiel: Was, wenn irgendwann eine noch höhere Rasse als der Mensch die Erde bevölkert – und es uns immer noch gibt. Hat er dann das Recht, uns zu essen?

    2. Zu der Klamottensache: Klar, vielleicht komme ich in so eine Situation. Aber ich habe in den letzten Monaten sowieso schon nur sehr, sehr wenig Klamotten gekauft und gemerkt, dass mir das nicht schwer fällt. Anders als bei der Büchersache geht es also hier nicht darum, nichts zu kaufen, mir nichts zu „gönnen“, sondern mir andere Dinge zu gönnen, Klamotten, von denen ich weiß, wo sie herkommen. Als ich vorgestern meine erste Fair Trade Hose auspackte, die auch noch perfekt saß, war ich glücklicher als beim Kauf der letzten drei H&M-Hosen, die rutschten und bei deren Kauf ich im Hinterkopf hatte: „Welches arme Schwein die wohl hergestellt hat?“ Mir geht es ja sogar darum, in den nächsten Monaten neue Dinge zu kaufen. Ich bin auch eher eine Online-Bestellerin, als eine Schaufenster-Laden-Bummlerin, was daran liegt, dass ich in einer Kleinstadt lebe und es hier einfach nirgendwo wirklich die Auswahl und Vielfalt, die ich mir wünsche, also wird es nicht schwer, Fair Trade zu kaufen – weil ich einfach nur solche Online-Shops ansteuern werde, wenn ich etwas Neues haben möchte, nicht die, die ich sonst so angeklickt habe.

      Zu der Vegetariersache: Ich lebe jetzt schon seit fast einem Jahr mit einem Minimum an Fleisch (auch vorher habe ich kaum Fleisch gegessen) und als ich letztens beim Blutabnehmen war, waren meine Werte super und ich fühle mich auch sehr gut. Dieses Instinkt-Argument empfinde ich in der heutigen Zeit als Schwachsinn – wie sind ja eben keine Steinzeitmenschen mehr, wir sind ja glücklicherweise zivilisiert, wenn ich esse, dann nicht mit dem Hintergedanken „ICH MUSS ÜBERLEBEN!“. Dafür bin ich im Übrigen auch sehr dankbar, da viele Menschen in ärmeren Ländern immer noch unter der täglichen Angst leiden, verhungern zu müssen/keine Nahrung zu finden. Mir ist bewusst, das es zu Eisenmangel kommen kann, wenn man wenig Fleisch isst – Eisen und andere in Fleisch enthaltene Nährstoffe findet sich aber auch in anderen Nahrungsmitteln (zum Beispiel in Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten und Milch) wieder und es spricht doch absolut nichts dagegen, zweimal oder dreimal im Jahr eine Eisenkur aus dem Reformhaus zu nehmen. Ich empfehle dir zu dem Thema übrigens „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer zu lesen. Ich bin selbst zwar noch nicht so weit, aber es rüttelt auf. (Wie es auch jede Dokumentation im Fernsehen tut, nach der man am Liebsten eine Gemüsegarten anlegen und eine Kuh zur Milchgewinnung und Hühner für den Eiervorrat im Garten halten würde…)

  8. Zu dem vegetarisch Essen kann ich dir auch nur raten, auf jeden Fall nach einigen Wochen mal ein Blutbild machen zu lassen. Frauen haben von Natur aus weniger Eisen im Blut und viele (z.B. ich) leiden schon an Eisenmangel, ohne auf Fleisch zu verzichten. Natürlich gibt es Ergänzungspräparate und ich müsste eigentlichselbst ständig Eisentabletten nehmen, aber das ist keineswegs die perfekte Problemlösung, da sich (zumindest bei mir und ich weiß das auch von anderen) ständige Nebenwirkungen wie Magen- und Darmbeschwerden einstellen. Ich habe bestimmt mehrere Dutzend Präparate versucht – es ist überall der gleiche Mist.

    1. Ich esse jetzt sowieso schon kaum Fleisch, habe aber absolut keine Probleme. Und ab und an nehme ich mal Eisentabletten – die bei mir glücklicherweise gar keine Nebenwirkungen haben. Das dürfte in die Richtung gehend also keine Probleme geben, wenn ich wirklich zu 100 Prozent vegetarisch leben sollte!

  9. Ich lebe jetzt seit 4 Monaten vegetarisch. (Bist auf diesen einen Ravioli-Rückfall, den ich wirklich nicht hätte haben müssen.) Und ich bin unglaublich stolz auf mich. Mein Fleischkonsum war unglaublich hoch und nachdem ich einige Filme und viele Texte darüber gesehen und gelesen habe, konnte ich so nicht weitermachen. Und habe es auch nicht, denn darum geht es – sich hinterfragen. Das ist wichtig, daran muss ich arbeiten und das tue ich gerne.

    Was Fair Trade Klamotten angeht bin so… frustriert. Weil ich es gerne tun würde, sehr gerne, weil ich mich gerne auch mit gutem Gewissen und vorallem bewusst kleiden würde, aber ich kann es nicht. Zumindest nicht in dem Maß, in dem ich es tun will. Ich kauf auch so – trotz Modebloggerdasein – wenig Kleidung und selbst wenn ich dieses Verhalten noch reduzieren würde, könnte meine Eltern (ich) es sich nicht leisten, mir eine Jeans für 100€ zu kaufen oder eine Jacke für 80€. Allerdings möchte ich , wenigstens vereinzelt, mehr darauf achten und werde vermutlich auf eine Armed Angels Bestellung sparen. Und ein Shirt von German Garment hätte ich auch sehr, sehr gerne. (Das könnte dir auch gefallen.) Das Problem das ich ganz persönlich noch habe, dass ich mein Taschengeld lieber in Bücher, DVD’s und Musik investiere als in Kleidung… Und dann noch irgendwo Geld abzapfen wird hart. Aber es wichtig. Es ist so wichtig, sich zu entscheiden. Und danach zu leben, soweit man kann. (Ich hasse mein Leben. Warum ist es mir nicht möglich, nur Produkte zu konsumieren, nach deren Konsum ich auch noch in den Spiegel sehen kann… Argh. Prioritäten setzen, Felicitas…)

    (Der Text gefällt mir gut. Ich denke, klar verfallen viele mal kurzzeitig in diese Öko-Schiene, aber selbst, wenn es nur eine Phase ist: Die Phase hat etwas geändert. Für den Moment. Und wenn es keine Phase ist, ist es noch sehr viel großartiger. :))

  10. Wollte nur kurz was zum Vegetarierdasein sagen:
    Ich hasse dieses Rumgeheule wegen der Eisenwerte. Klar – es gibt Leute, die haben Eisenmangel, aber ganz oft sind das auch welche, die Fleisch essen. Von den Vegetariern, die ich kenne, hat keiner Eisenmangel. Und, meine Güte, selbst wenn man eventuell einen Mangel bekommen sollte, dann äußert der sich mit Symptomen, die jeder an anderer Stelle nachlesen kann und niemand fällt gleich tot vom Ast.

    an vanilleyumiie:
    Du schreibst: „Aber ihr wisst schon, dass euer Körper Fleisch braucht oder? Dass unser Magen dafür konzepiert ist Fleisch zu essen und es auch leicht verträglich verdauen kann? Obst und Gemüse dagegen sind schwer verdaulich, weil wir eigentlich eher Fleischfresser sind. Denk drüber nach ob du da wirklich was gesundes für dich selbst tust.“
    Das stimmt nicht. Menschen sind von Natur aus _keine_ Fleischfresser. Dafür lassen sich genug Argumente finden. Schau dir allein unser Gebiss an, die Länge unseres Darms, die Enzyme, die wir im Mund haben und vergleich das mit den Entsprechungen bei richtigen Fleischfressern. Es würde ewig dauern, das auszuführen, wenn es dich interessiert kannst du es in jedem guten und aktuellen Biobuch oder im Internet nachlesen.
    Ich kann mir sogar vorstellen, dass es eher gesund ist, kein Fleisch zu essen, wenn man an Dioxin denkt, wenn man an die Antibiotika denkt, mit denen die Tiere und damit auch die Menschen gefüttert werden. Oder denk an die Krankheiten, die es ohne Massentierhaltung gar nicht (in diesem Ausmaß) geben würde. In den letzten paar Jahren waren da allein BSE, Vogel- und Schweinegrippe. Nebenbei erwähnt, haben Vegetarier ein wesentlich geringeres Risiko an Darmkrebs zu erkranken, als Fleischesser.

    Wie auch immer. Ich esse seit zwei Jahren keine Tiere mehr und kann schwören, dass ich es nie wieder tun werde. Für die Tiere und für mich.

    1. „Rumgeheule wegen der Eisenwerte“
      Das finde ich ziemlich daneben, ganz ehrlich. Wenn du mal einen wirklich starken Eisenmangel hattest, dann hast du einen Grund zu heulen. Das ist nämlich wirklich kein Zuckerschlecken, wenn du morgens plötzlich neben Strähnen deiner langen Haare aufwachst und du Angst hast, sie zu waschen, weil du sie dann ausgefallen in den Händen hälst. Es ist kein schönes Gefühl, wenn du plötzlich in den Spiegel schaust und hast kahle Stellen. Und es ist auch nicht unerheblich, wenn du ständig müde und erschöpft bist und Schwindelanfälle bekommst.
      Natürlich ist das nicht tödlich, aber bis sich das alles wieder regelt dauert das lange. Ich spreche da aus Erfahrung.
      Ich habe nichts gegen Vergetarier – bevor das mir angekreidet wird- und denke auch nicht, dass jeder sofort Eisnemangel bekommt, aber ich fand den Kommentar ziemlich daneben.

      1. Sehe ich genauso. Wirklicher Eisenmangel ist nichts, was man irgendwem wünscht. Nicht nur körperlich, es kann auch zu depressionsähnlichen Zuständen führen, mit starker Müdigkeit, Antriebslosigkeit usw.

        Und das ist auch unabhängig vom Fleischkonsum: ich bin selber seit über einem halben Jahr wieder Vegetarierin, und meine Eisenwerte waren völlig unabhängig vom Fleischessen bzw. nicht essen.

      2. Meine Mutter hat auch mit Eisenmangel zu kämpfen, so schlimm, dass sie deswegen schon ins Krankenhaus musste, um Bluttransfusionen zu kriegen. Sie hatte vor allem Probleme damit, Treppen zu steigen, längere Strecken mit etwas mehr Tempo zu gehen und Sport ging gar nicht. Eisentabletten hat sie aber überhaupt nicht vertragen. (Sie hat übrigens hin und wieder Fleisch gegessen, wenn auch nicht sehr viel.) Also kann ich schon verstehen, dass Menschen sich darum echt Gedanken machen und das in ihre Entscheidungsfindung bezüglich Fleisch miteinbeziehen. Abtun sollte man es nicht – wenn man aber allerdings keine Probleme mit den Eisenwerten hat und solche Eisentabletten im Notfall auch vertragen würde, dann steht meiner Meinung nach einer fleischlosen Ernährung nichts im Wege. (Es gibt ja auch wirklich einige gesundheitliche Vorteile hinsichtlich Fleischverzichts.)

  11. Ich find super was du da machst.
    Ich war anfang Jahr einen Monat in Zentralamerika reisen. Seit ich zurück bin, habe ich ebenfalls ein ähnliches Projekt wie deins am Laufen: 1. Ich kaufe mir keine neuen Kleider mehr, die nicht unbedingt nötig sind (wohl vergleichbar mit deinen H&M-Einkäufen) und auf „hätte ich gerne“ und „wäre noch schön“ wird halt schweren Herzens verzichtet. 2. Lebensmittel werden mit sorgfalt ausgewählt damit nichts (wie in vergangenen Zeiten zu oft) weggeworfen werden muss. Dabei kann man auch mal die Preise genauer prüfen und sich für das günstigere entscheiden oder z.b. viel mehr Gemüse kaufen (billig und gesund). 3. Mahlzeiten für mein Mittagessen werden hautpsächlich am Abend zuvor zuhause vorbereitet und dann am Folgetag in der Büromikrowelle aufgewärmt. So spare ich täglich schon fast 10-15 Euro und es ist erstaunlich wie oft man plötzlich einen Bankomat aufsuchen muss :-).
    Find ich also super dein Entschluss. Meine einzige Schwäche habe ich noch beim Bücherkauf aber auch da versuche ich, mich etwas zurückzuhalten :-).
    Lg
    La Piratesse

  12. Ich bin beeindruckt, wie viele Gedanken du dir machst und sie dann auch noch konsequent in die Tat umsetzt. Ich würde mich auf jeden Fall freuen, von dir vielleicht ein paar Tipps zum Thema günstige Fair-Trade-Kleidung o.ä. zu lesen. 🙂

  13. Wirklich eine gute Idee!
    Seit dem ich im Herbst in London war, habe ich mir selbst nichts mehr bei H&M bewusst gekauft. Überhaupt sind mir Klamotten und Konsum unwichtiger geworden, ich war einfach gar nicht mehr shoppen, und wenn nur sehr ungern. Ich empfehle dir hessnatur, die Klamotten sind zwar wirklich nicht in der Preisklasse, wie wir sier von H&M kennen, aber das ist bei Fair-Trade Kleidung schließlich auch sinnig! Außerdem ist die Qualität nicht vergleichbar.

  14. Ja das Argument mit der Steinzeit war schon ein wenig suspekt von mir ^^ Aber ich wollte damit eigentlich nur sagen, dass das irgendwie unsere Natur ist Fleisch zu essen. Ich kann im Gegensatz aber auch euer Handeln verstehen, wenn ihr darauf verzichten wollt.

    Und wegen meinem Argument, dass unser Körper Fleisch braucht:

    Ich habe nur damals mal ein Gespräch mit meinem Biolehrer geführt weswegen ich daraufhin immer der Ansicht war, dass der Mensch Fleisch braucht. Nun gut ich habe mich da getäuscht, hatte aber nicht ganz unrecht mit meiner Aussage, dass wir Fleisch besser verdauen können.

    (Der Artikel beschreibt das kurz: „http://www.br-online.de/ratgeber/ernaehrung/fleischkonsum-DID1299759273038/fleisch-gesundheit-flisch-fleischverzicht-ID1233150570457.xml?_requestid=131050“ )

    Aber ihr hattet auch Recht. Man kann auch ohne Fleisch leben ^^ Deshalb entschuldige ich mich für meine Aussage, dass ihr euch überlegen solltet, ob das wirklich gesund sei.

    @ Mirka. Achso meinst du das. Hatte das beim ersten Mal Lesen nicht ganz verstanden, aber jetzt weiß ich wie du das meinst mit dem „Klamotten kaufen“ ^^

  15. Ich würde gerne lesen, wie es dir dabei geht und vorallem, wo du jetzt einkaufst, wenn du einkaufst.

    Aber den ganzen Blog durchlesen, dazu habe ich gerade keine Zeit. Gibt es dazu eine Möglichkeit?

    Grüße aus Hamburg

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