Stellung beziehen. Dinge in die Hand nehmen.

Vor ein paar Tagen, da stellte ich noch dieses Video auf meinen Blog – als Gedankenanstoß. Weil es mich mal wieder aufgerüttelt und daran erinnert hat, dass es wichtig ist, dass wir etwas tun, dass wir nicht resignieren, weil wir das Gefühl haben, eigentlich gar nichts erreichen zu können, so gering wie unser Einfluss ist. So winzig wie wir sind, im Kontrast, im Vergleich.

Ich beschäftige mich nun schon seit einer ganzen Weile damit, herauszufinden, was ich eigentlich tun kann. Was in meiner Macht liegt. Wie ich irgendwie etwas Gutes tun kann. Auf der humanitären Ebene habe ich die Dinge, die mir bei meiner Suche begegnet sind, getan: Einen Organspendeausweis ausgefüllt, zum Blutspenden gegangen, die Typisierung für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei zu Hause vorgenommen. Aber ich würde auch gerne etwas für die Umwelt tun – weil ich weiß, dass ich da bisher viel zu ignorant war und es immer noch bin. Ich habe mich bei Greenpeace online registriert, dort wird man auf verschiedene Petitionen aufmerksam gemacht, die man unterschreiben kann – ich weiß, dass das wenig ist, aber vielleicht ein Anfang. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir noch weitere Tipps geben könntet, was ich tun kann, um mich irgendwie zu engagieren. (Als Kleinstadtmädchen ist das ja immer ein Problem, jedenfalls empfinde ich das so. Eine Ortsgruppe von Greenpeace gibt es hier in der Umgebung zum Beispiel überhaupt nicht.)

Auch zu Hause versuche ich ein bisschen bewusster zu leben: Nicht so oft das Licht einschalten, Geräte nicht im Standyby-Modus verweilen lassen, sondern ausschalten, Stecker ziehen (außer bei Telefon, Radiowecker und Receiver, die ich sonst immer neu einstellen müsste bzw. ohne die ich sonst nicht erreichbar wäre) ist auch zur Routine geworden, wenn ich einen Gegenstand nicht mehr brauche oder morgens das Haus verlasse. Recycling war mir schon immer wichtig. Ich kaufe weniger Klamotten und versuche ein bisschen darauf zu achten, wo die, die ich kaufe, herkommen – auch wenn das bei eingeschränktem Budget sauschwer ist und selbst teurere Klamotten mittlerweile irgendwo in China oder so hergestellt werden. (Ein gutes Beispiel ist dafür ja zum Beispiel Adidas.) Überhaupt weniger kaufen, hinterfragen, was man wirklich benötigt, ob es nicht Alternativen gibt. Ich weiß, dass das niemandem etwas bringt, sobald ein Atomkraftwerk uns alle verstrahlt – aber mal ehrlich: Was können wir schon großartig dagegen unternehmen, dass überall Atomkraftwerke existieren oder sogar noch gebaut werden? Wenn wir selbst in Deutschland, in einer Demokratie, die von uns gewählten Leute nicht dazu bringen können, die Atompolitik zu hinterfragen, wie soll das dann erst in Ländern wie China funktionieren?

Etwas, das mir sehr lange durch den Kopf geschwirrt ist, das war der Beitritt in eine politische Partei. Für mich kam das lange überhaupt nicht in Frage, auch vor Kurzem noch nicht. Klar: Wählen gehen und so Stellung beziehen, das war mir wichtig, aber selbst irgendwo beitreten? Das erschien mir immer als etwas, das nicht zu mir passt. Aber wenn ich ehrlich bin, dann möchte ich in irgendeiner Form auch auf dieser Ebene meinen Beitrag leisten. Klar, ich möchte weder Kanzlerin noch Ministerin etc. werden, eine hohes Amt in der Politik ist nicht das, was ich mir in meiner Zukunft vorstellen kann, aber wenigstens irgendwie auch ein bisschen politische Verantwortung übernehmen, das erscheint mir zunehmend wichtiger. Also habe ich mich in der letzten Zeit aktiver mit der Parteienlandschaft auseinandergesetzt. Dass die Junge Union von vornherein ausgeschieden ist, dürfte klar sein. Am meisten angesprochen hat mich die Grüne Jugend. Weil ihnen die Themen wichtig sind, die mir schon immer wichtig waren oder zunehmend wichtiger für mich werden. Weil sie sich Gedanken darüber machen, was wir unserer Welt eigentlich antun.

Ich will nicht mit einer unbeirrbaren Gleichgültigkeit durchs Leben irren, wie ich das bei so vielen in meinem Alter beobachten kann. Ich will nicht nur im Jetzt leben, ich will meinen Teil dazu beitragen, dass unsere Zukunft sicher ist und die unserer Kinder, vor allem die unserer Kinder. Es heißt doch immer, dass wir die Welt nur von unseren Kindern geliehen haben, aber blicke ich aus dem Fenster oder lese ich die neusten Nachrichten, dann habe ich das Gefühl, dass wir Raubbau betreiben, dass wir das, was wir uns von unseren Kindern geliehen haben, mit einer unüberbietbaren Präzision zerstören. Stellt man sich die Welt als ein Buch vor, das man aus der Leihbücherei ausgeliehen hat, dann haben wir bislang mindestens das komplette Buch mit Flecken übersät, alle Seiten herausgerissen und halten zu allem Überfluss auch noch ein Feuerzeug an die verbliebenen Buchdeckel.

(Bild via Navdeep Raj,
gefunden über Creative Commons)

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5 Comments

  1. Ich bin grad irgendwie zu mitgenommen von dem ganzen Mist, der in der Welt passiert, um irgendwas vernünftiges zu schreiben, aber ich finde das gut, was du machst. Wenn jeder im Kleinen anfängt, kann man viel verändern…

  2. Ich finde es toll, dass du dir solche Gedanken machst und im kleinen schon anfängst dich einigen bestimmten Werten/Prinzipien gemäß zu verhalten. Wenn sich mehr Leute egal welchen Alters auch mal solche Gedanken machen und entsprechenden Schlussfolgerungen ziehen würden, wäre ja schon viel gewonnen. In deinem Alter war ich noch lange nicht so weit, hab zwar auch mit den Grünen sympathisiert, bin aber erst mit Mitte 20 eingetreten und war dann lange auch „Karteileiche“. Aktiv wurde ich dann bei Grünen Protestaktionen zum Irak-Krieg und seitdem bin ich auch aktiv dabei. Jetzt gerade wieder mal mehr als normal. Leider muss man ja fast sagen, weil der Anlass ein so furchtbarer ist.

    Ich find’s auf jeden Fall super, dass du nun der Grünen Jugend beigetreten bist, denn das sind echt nette Leute, zumindest, die, die ich so kenne 🙂

  3. weil der pingback nicht zu funktionieren scheint:

    mirka,

    es sind die kleinen dinge, die zaehlen, mit denen man anfaengt, die ersten schritte. es sind die kleinen dinge, zu denen jeder faehig ist und es nur manchmal nicht weisz. nicht weisz, dass bewusstes handeln, nachdenken vor jeder tat, etwas bewegen und aendern kann.
    wie sehr rege ich mich – besonders in den letzten tagen – ueber scheinheiligkeit auf. ueber menschen, die ueber atomkraft und umweltzerstoerung meckern und selbst nichts [oder zumindest viel zu wenig] dagegen tun. die sich nicht konsequent genug mit etwas auseinandersetzen, die aus tatsachen keine schluesse ziehen.
    ich bin fast dankbar fuer die mediale ‚katastrophenflut‘ in letzter zeit [lebensmittelskandale, afrikanische buergerproteste, stuttgart21, akws], weil endlich auch mal menschen erreicht werden, die vorher die augen vor den dingen verschlossen haben, die auszerhalb ihrer welt passiert sind. ich bin mir dessen bewusst, dass viele nach jedem schock, jedem skandal wieder zurueckkehren zum alten leben, unveraendert. aber mit jedem neuen erschuetternden ereignis werden auch menschen wach, stehen auf und aendern etwas, selbst wenn es nur babysteps sind.

    was du noch tun kannst?
    informiere dich weiter, bleib offen, denke weiter nach ueber das [politische] geschehen in deutschland und der welt.
    und vor allem: teile dich mit. wecke mit deinen gedanken zweifel bei anderen. sei ein anstosz. zeige, wie einfach und wirkungsvoll die kleinen dinge sein koennen.
    es sind die richtigen schritte und das vor allem, wenn du darueber redest, wenn du anderen damit zeigst, wie leicht es doch sein kann, zumindest einen kleinen beitrag zu leisten, die augen zu oeffnen, bewusst zu konsumieren [lebensmittel, energie, kleidung], vor jedem handeln zuallererst nachzudenken, sich der auswirkungen bewusst zu sein.
    [und auch wenn das augen oeffnen und ueber den eigenen tellerrand schauen schmerzlich sein kann, so ist es das doch wert. fuer dich, deine zukuenftigen kinder, die menschen, die welt.]

    [http://queenofpain05.twoday.net/stories/14880495/]

  4. Ich möchte nicht mit einem virtuellen Zeigefinger wedeln, aber isst du Fleisch? Wenn ja, informier dich. Nicht nur, dass Fleisch essen ungesund ist, es ist schlecht für die Umwelt und vor allem nicht tragbar für die Tiere. Sowas wie ‚glückliche Tiere‘ gibt es in der Tierhaltung der heutigen Zeit nicht. Es ist ohne Ausnahmen Tierquälerei.
    Ansonsten: Geh auf die Straße. Demonstrier. Bleib nicht zuhause sitzen, weil es dir peinlich ist, auf der Straße mit fremden Menschen Parolen zu schreien. Man muss nicht mit Steinen schmeißen, von der Polizei angegriffen oder verhaftet werden, um erfolgreich zu demonstrieren. Demonstrationen gibt es in so gut wie jeder Stadt zu so gut wie jedem Thema- und sowas ist wichtig, finde ich.

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