Die Jahreszeiten dazwischen.

Feli stellte auf ihrem Blog 8 Fragen, die ich nur zu gerne beantworten möchte.

Wie gut schätzt ihr eure Fähigkeit als Freund/in ein? Ich denke, dass ich eine gute Freundin sein kann – und auch bin, obwohl ich kein Mensch bin, der es sich vorstellen könnte, ständig Heerscharen von Freunden um sich zu scharen. Man kann sich auf mich verlassen. Ich bin da, wenn ich gebraucht werde. Ich kann gut zuhören, obwohl das an seine Grenzen stößt. (Probleme, die ich absolut nicht nachvollziehen kann, solche, die ich für hausgemacht halte, treiben mich zum Beispiel schnell in den Wahnsinn.) Mit mir kann man Spaß haben – wenn auch nicht im Sinne von „Party, Saufen, Filmriss“. (Kinomarathon, DVD-Abend, Backorgie oder Shoppingbeutezug funktionieren hingegen super. Oder Road-Trips.) Sagen wir so: Ich bin jemand, den man vermutlich nicht mehr loswird, wenn man ihn einmal in sein Leben gelassen hat. Ich bin so jemand, der vielleicht eines Tages beim positiven Schwangerschaftstest mitheult und dann sagt, dass man gemeinsam eine Lösung findet. Der Patin des Kindes wird oder mit dem man gemeinsam einen Hund aus dem Tierheim adoptiert. Mit dem man die perfekten Möbel für die WG aussucht oder mit dem man sich Tage in der Unibibliothek um die Ohren schlägt. Als beste Freundin für die Pubertät wäre ich aber insgesamt eher ungeeignet gewesen.

Ohne was könntet ihr nicht leben? Ohne Kultur; ohne Bücher und ohne Serien. Was auch immer ist, diese Welten vermögen es immer und immer wieder mich aufzufangen. Und ohne meine Mutter. (Ein bisschen wie die Gilmore Girls sind wir schon.)

Wie nah gehen euch Unglücksnachrichten (z. B. Erdbeben in Haiti)? An dieser Stelle möchte ich etwas zitieren, das Sarah Kuttner einmal auf die Frage „Was wird besser?“ antwortete: „Schwierig in Zeiten, in denen es vor medialer Widerwärtigkeit mal wieder nur so aus dem Fernseher schleimt. Oder anders gesagt: Die derzeitige Berichterstattung über die Flutkatastrophe verstellt in ihrer penetrant-widerlichen Kotzbeuteligkeit den Blick auf einiges, was sich vielleicht gerade bessern mag. Braucht ein hanebüchener RTL-Bericht über die Ausmaße der Katastrophe tatsächlich Zeitlupen und unterlegte Synthie-Streicher? Muss eine frisch in den Big-Brother-Container eingelieferte Dumpfnudel, die sich zum Unglückszeitpunkt vor Ort aufhielt, tatsächlich einen weiteren sinnlosen Augenzeugenbericht abliefern? Ich glaube, in einer Welt, in der die Anteilnahme von Menschen noch durch Zeitlupen und Synthie-Geigen potenziert werden muss, wird gerade nicht allzu viel besser.“ Ich stimme dem zu einhundert Prozent zu – die Medien stumpfen uns auf diese Art und Weise der Berichterstattung so weit ab, dass wir kaum noch ein Auge für die kleinen Katastrophen haben. Damit wir Interesse haben, müssen schon tausende von Menschen sterben. Das Leid vor der eigenen Haustür nehmen wir kaum noch wahr. Und irgendwann wird sich diese „Höher, weiter, schlimmer“-Mentalität auch auf die großen Katastrophen ausweisen und wir werden auch diese kaum noch wahrnehmen. Weil sie zum Alltag gehören und wir einfach zur Tagesordnung übergehen können. Ich muss zugeben, dass ich zwar betroffen bin von solchen Schreckensmeldungen, aber sie mir nicht zu nahe gehen. Es ist schrecklich, keine Frage, aber eigentlich wartet man ja nur darauf, dass am nächsten Tag noch ein schlimmeres Desaster auftaucht. Die Medien scheinen ganze Arbeit geleistet zu haben.

Euer absolutes Lieblingsbuch? Warum? Das ist eine dieser schwierigen Fragen, auf die man irgendwie gar keine Antwort finden kann, wenn man viel liest. (Dieses Jahr sind es schon 40 Bücher und viele tolle waren darunter.) Stark geprägt hat mich natürlich die Harry Potter Reihe, die ich momentan auf Englisch erneut lese. All die wundervollen Charaktere von J.K. Rowling haben meine Kindheit geprägt und mich begleitet, wie ich auch schon hier ausführte. Freundschaft und Liebe, Hingabe und Aufopferung, Kampfesgeist und Willensstärke, Mut und Tapferkeit, den Umgang mit Verlust und Niederlagen, Gegnern und Katastrophen – all das haben mich sieben Bücher gelehrt. Eine Freundin schrieb einmal folgendes: „Ich liebe Harry Potter. Es mag albern erscheinen. Aber diese Bücher bedeuten mir die Welt und haben mich geprägt. Was für andere Jesus ist, das sind für mich Harry, Ron und Hermione. And I wouldn’t want to have it any other way.“ Definitiv. Diese sieben Bände haben mich mehr gelehrt, als es die Bibel jemals vermocht hätte. (Nachdem ich Religion abgewählt hatte und meinen Kirchenaustritt besiegelte, stützt diese in meiner Wohnung ein Möbelstück. Gemeinsam mit alten Mathebüchern.) Lieblingsbücher aus diesem Lesejahr sind ansonsten bisher:
No & Ich – Delphine de Vigan
Und im Zweifel für dich selbst – Elisabeth Rank
Der Mann schläft – Sibylle Berg
Lila, Lila – Martin Suter
Durch den Wind – Annika Reich
Das Wörterbuch der Liebenden – David Levithan
Ruhm – Daniel Kehlmann
Die Unperfekten – Tom Rachmann
Ich habe Freunde mit gebracht – Lucy Fricke
Mit nackten Händen – Simonetta Greggio
Sieht man von drei absoluten Enttäuschungen ab (Bernhard Schlink mit „Der Vorleser“, Dora Held mit „Urlaub mit Papa“ und Helene Hegemann mit „Axolotl Roadkill“), war das Lesejahr 2010 wirklich ein sehr erfolgreiches. Viele Bücher die ich las, haben Geschichten erzählt, die mit viel mit auf den Weg gegeben haben – und zu den meisten findet man auch eine Rezension auf diesem Blog. (Mit dem Buch von Simonetta Greggio bin ich erst gerade fertig geworden, die Rezension folgt morgen.)

Engagiert ihr euch irgendwie (ehrenamtlich)? Ich bin Teil einer AG, die sich für ein Dorf in Kenia einsetzt. Meine ehemalige Englischlehrerin leitet die AG und ich kümmere mich primär um die „Pressearbeit“. Gelegentlich schneide ich aber auch schonmal Sterne aus rotem Tonpapier aus. Oder mache Pudding für Spendenbuffets. Ich weiß, dass das alles nicht viel ist, dass ich eigentlich noch mehr machen könnte, aber ich glaube, das werde ich vorerst auf später vertagen. Dann würde ich mich nämlich gerne in irgendeiner Form für sozial benachteiligte Kinder (eigentlich hasse ich diesen Ausdruck) einsetzen. Und ganz allgemein Kindern das Lesen und die fabelhafte Welt der Bücher näher bringen. Hätte das meine Mutter damals nicht bei mir so gemacht, dann wäre ich heute nicht der Mensch, der ich geworden bin. Vielleicht wäre ich dafür dann aber besser in Mathe…

Dein hilfreichster/bester/liebster Internet-Account? Das ist eine sehr schwierige Frage. Ich habe meinen Twitteraccount sehr gern, wie hinlänglich bekannt sein dürfte. Ansonsten mag ich auch so kleine, süße Seiten, die einen in irgendeiner Form weiterbringen – 43Things, FutureMe und seit neustem auch listography. Eine Seite, die mich wirklich geprägt hat, möchte ich hier allerdings nicht so gerne preisgeben (die Fragenstellerin Fee kennt sie sowieso, über sie haben wir uns nämlich kennen gelernt, als sie 2008 dazustieß). So viel sei gesagt: Ein tolles Forum, in dem eine ganze Armee von Mädchen Geschichten erfindet, ihr eigenes Paralleluniversum könnte man sagen. Über dieses Forum habe ich viele Freundinnen gefunden, mit denen ich mein Leben teile, die die gleichen Bücher und Serien lieben wie ich, die mich mit ihren Brüdern verheiraten wollen und daran glauben, dass ich eines Tages den Pulitzerpreis gewinne (oder wenigstens den noch zu erfindenden Preis „Hoffnungsvolle Schreibfeder Oer-Erkenschwick“).

Winter oder Sommer? Die Jahreszeiten dazwischen. Meine Liebe zu Veränderungen spiegelt sich hier wohl wieder: Ich mag den Frühling, weil der Winter weicht, der mich immer wieder so deprimiert und lähmt, und etwas Neues wächst, alles grün wird und ich mich automatisch besser und viel … tatkräftiger fühle. Und ich liebe den Herbst, weil alles bunt wird und der natürliche Verfall einsetzt, ein Kreislauf, der im Frühling begonnen hat, sich schließt. Solange kein Schnee fällt, ist die Welt für mich in Ordnung und in meinem Kopf Herbst. Danach wünschte ich, der Mensch wäre in der Lage, Winterschlaf zu halten. Und warte auf meinen Lieblingsmonat März.

Wie verbringt ihr Weihnachten/Neujahr? Ach, ich bin ja nicht so das Feiertagsmädchen. Aber darüber habe ich im letzten Jahr zu gegebenem Anlass und im Herbst, in Anbetracht des nahenden Winterfeiertagskollers, schon genug gejammert. Weihnachten verbringe ich mit meinen Eltern. Da meine eine Oma mittlerweile im Heim lebt, wird es dieses Jahr vom Ablauf her ein völlig anderes Fest sein, was vermutlich an Seltsamkeit kaum zu überbieten sein wird. Ansonsten gibt es noch meine andere Oma, die wir besuchen werden. Bescherung fällt in diesem Jahr aus, ich habe im Oktober ein Auto bekommen, was ich jetzt aber nicht als Weihnachtsgeschenk sondern als „Ganzjahresgeschenk“ deklarieren würde, auch, weil ich für mich beschlossen habe, kein Weihnachten mehr zu feiern. Insgesamt habe ich mir aber vorgenommen, Weihnachten ganz entspannt anzugehen und mich nicht in irgendwelche Verbitterung hineinzusteigern. Silvester und Neujahr werde ich zu Hause verbringen. Ich werde entweder sentimental werden oder, wovon ich eher ausgehe, die halbe Nacht lesen und DVDs gucken und irgendwelchen seltsamen Fruchtsaft trinken. (Letztes Jahr war es Grapefruitsaft und ich hatte die halbe Nacht Nasenbluten, was ich aber bemüht war, nicht als Omen für das vor mir liegende Jahr zu werten…) Meine bisherige Lieblingsidee war aber, einfach um 22 Uhr schlafen zu gehen, aber ich glaube, das fände selbst meine Familie, die viel von mir gewöhnt ist, irgendwie zu seltsam.

Falls ihr auch Lust habt, 8 Fragen zu beantworten, habe ich mir hier 8 für euch ausgedacht. Fragen, die ich so auch gerne mal beantwortet hätte, die aber so noch nie einer gestellt hat:

Stell dir vor, wir schrieben den 11. Dezember 2020 oder 2030. (Gewünschtes Jahr kann ausgewählt werden. Oder beides beantwortet werden.) Wo siehst du dich? Mit wem? Wie ist dein Leben?
Welche Sache hat dich am meisten geprägt? (Ein Mensch, eine Serie, ein Buch, eine Religion…) Warum?
Du hättest die Möglichkeit, auf einmal sehr viel Geld zu besitzen – glaubst du wirklich, dass dich das auf Dauer glücklich machen würde?
Wie siehst du die Welt in 50 oder 100 Jahren? Utopie oder Dystopie? Warum?
Welche Kleinigkeit macht dich unbeschreiblich glücklich?
Hast du manchmal das Gefühl, dass alles aus dem Ruder läuft, du in gewissen Belangen den falschen Weg eingeschlagen hast?
Welche Eigenschaften ärgern dich an dir? Welche an anderen?
Schicksal oder Zufall?

Ich würde mich freuen, wenn ihr euren Blogpost hier in den Kommentaren verlinkt, damit ich eure Antworten lesen kann.

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4 Comments

  1. Ich bin krank, und stöbere in deinem Blog rum, und weil ich keinen Blog habe, antworte ich hier … (vielleicht, weil ich mich so selbst besser kennenlerne):
    1. Ich bin Ärztin. Endlich, Kinderärztin, und arbeite in einer Klinik. Ich habe vier Kinder – Emilia, Luis, Paul und Emma – und einen Mann, den ich liebe und der mich liebt. Ich arbeite viel und lerne viel und das vor allem von meinen Kindern. Ich weiß, dass das das Klischee von der Hausfrau zumindest zu Teilen erfüllt. Aber ich möchte es. Ich möchte Kinder und Familie und mit meinem Mann zusammenbleiben und in einem kleinen Haus in der Freiburger Innenstadt leben, das blau ist mit Blumen daran. Ein Haus, in dem man Geschichten entdecken kann, für meine Kinder, und für mich. Und ich will Kinderärztin sein und den Schmerz spüren, aber auch die Freude… Und das ist alles zwar ein Traum, aber auch ein Plan.
    2. Meine Mama – ohne, dass ich lange nachdenken müsste, ist mir das klar. Weil sie für mich da ist, wann immer ich sie brauche. Weil zwischen uns etwas ist, was ich nicht erklären kann und will, weil sie mir gezeigt hat, wie man sich die Schuhe bindet und ich jedes Mal, wenn ich mir die Schuhe binde, an sie denke.
    3. Nein. Viel Geld würde mich nicht auf Dauer glücklich machen. Aber dazu beitragen, das könnte es schon. Ich könnte mir das leisten, was ich in Frage 1 beschrieben habe, und in finanzieller Hinsicht würde ich keine Sorgen haben. Aber letztendlich würde ich mir doch nur einen Haufen Wolle kaufen und Mützen und Handschuhe und Decken und Schals für meine Familie stricken.
    4. Weder noch – weil ich weiß, dass die Welt niemals perfekt sein wird. Aber ich weiß auch, dass, solange es Menschen gibt, die Liebe verbreiten, niemals Dystopie herrschen wird.
    5. Heidelbeeren. Sie schmecken nach Leben: Bittersüß, und man ich will immer mehr davon. Ich kann nie genug von ihnen bekommen, aber wenn ich zu viele zu schnell auf einmal esse, kriege ich Bauchschmerzen. Das Leben.
    6. Nein. Bisher nicht. Weil ich bisher nur einmal vom Weg abgewichen bin – ich weiche gerade ab, dieses Jahr – und sich diese Entscheidung als goldrichtig erwiesen hat, bis jetzt. Aber wie gesagt, große Entscheidungen hatte ich noch nicht zu treffen.
    7. An mir ärgert mich manchmal mein Geltungsbewusstsein, und dass ich oft so nervös bin. Und an anderen kann ich nicht leiden, wenn sie unzuverlässig sind. ich will mich auf andere verlassen können, ich bin in dieser Hinsicht ein Kontrollfreak, und wenn ich das nicht kann, werde ich nervös. Was mich nervt.
    8. Schicksal ist Zufall, oder nicht?

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