Hürdenläufer.

Fragt ihr euch nicht auch manchmal, wie glücklich ihr sein könntet? Wie viel da so rauszuholen ist, aus dieser Koalition mit dem Leben? Wir jammern. Wir klagen. Wir bemitleiden uns. Weil eben nicht immer alles so läuft, wie man es gerne hätte. Aber liegt das nicht auch oft daran, dass wir dem Leben mit der falschen Erwartungshaltung entgegentreten? Dass wir das Maximum erzwingen wollen, aber dafür nur ein Minimum geben wollen? Uns selbst überhaupt nur ein Minimum kennen? Wie sollen wir mit uns arbeiten, wenn wir uns selbst kaum kennen? Wenn wir unsere Grenzen nicht ausloten und unsere Ziele nicht stecken, wenn wir lethargisch ins Morgen hineinleben, obwohl Heute irgendwann auch mal Morgen war. Wenn wir unsere Sehnsüchte und Hoffnungen in einem Kästchen verschließen, das wir kaum je zu öffnen wagen?

Niemand erwartet, dass wir mit riesengroßen Schritten und voller Anmut und Leichtigkeit jede Hürde meistern. Es kommt eigentlich nur darauf an, dass wir überhaupt irgendwelche Hürden meistern. Meinetwegen auch kopfüber oder mit dem Po zuerst. Jede Hürde birgt ein Stück Lebenserfahrung, treibt an, macht Beine, beflügelt. Was Glück genau ist, das können wir vielleicht nicht einmal kurz vor unserem Tod richtig in Worte fassen. Weil Glück nichts Greifbares ist, aber harte Arbeit. Weil Glück kommt und geht und man nicht erklären kann, wann es kommt und wann wieder geht und warum. Unsere Veranlagungen spielen eine Rolle, ob wir ein positiver Mensch sind oder ein depressiver, unsere Sozialisierung spielt eine entscheidende Rolle, unsere daraus resultierende Persönlichkeit. Vielleicht sind ein paar von uns zum Hürdenläufer geboren und ein paar von uns zum Hürdenverweigerer oder -vermeider. Auf Dauer ist vielleicht weder das eine noch das andere der perfekte Lebensentwurfen. Vielleicht ist es am Besten, wenn wir uns irgendwo dazwischen einrichten – nicht jede Hürde, aber die wichtigen. Ein paar blaue Flecke, aber keinen Genickbruch.

(Bild via.)

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10 Comments

  1. ein super Artikel, ich mag diesen blog!!

    ich glaube der Song passt etwas dazu:
    F.R. – Wer bist du? – http://t.co/4nxfLU2 #iTunes

    dieser Artikel thematisiert eines der größten Probleme unserer Gesellschaft

    *Daumen hoch*

  2. In den Frankiegeschichten hat man Dir Deine Jugend wenig angemerkt. In den letzten Wochen hingegen sehr. Aber is ja nicht schlimm, die eignen Erkenntnisse sind einem selbst immer neu und Anderen in ähnlichem Alter vielleicht auch.
    Freu mich, wenn ich mal wieder schöne Fiktion von Dir lese, aber manchmal muss man leben und nicht (was anderes) schreiben, kenn ich auch.

  3. das problem ist doch eigentlich nur, dass wir uns immer viel mehr daran erinnern wie es war als wir unglücklich waren und die zeit in der wir glücklich sind nehmen wir gar nicht mehr richtig war.

  4. Ich mag dich wirklich gerne und das weißt du hoffentlich auch, ich habe dich immer bewundert und ich tue es, denn du hast das Talent und viele andere Dinge, die ich z.B. nicht habe, aber: Du hast nicht annähernd so viel Ahnung vom Leben, wie du glaubst. Welche Hürden musstest du schon überspringen? Du bist 17, du hast noch nie dein heimatliches Nest verlassen – das Leben ist nicht das, wofür du es hälst. Ich kann dir auch nicht sagen, was es ist, ich bin mindestens genauso ahnungslos wie du, aber… du kannst nicht sagen, du wüsstest, wie das hier alles geht. Das weiß niemand. Wirklich niemand.

    (Und, bitte, glaube mir um Himmels Willen, dass ich nicht auf Bitchfight ausbin. Kleine Schwester, you know?)

    Fee.

  5. Glück ist eine Ausnahme. Wird Glück zur Motivation, muss es dauerhaft als Energie da sein. Glück ist allerdings nicht dauerhaft. Da liegt der Irrglaube. So werden falsche Erwartungen erschaffen.
    Dauerhaftes Glück wird uns aber von unseren Mitmenschen und Medien suggeriert, in Form synthetischer Freiheiten.
    Wie heißt eigentliche die Vorstufe von Glück? Die „Nachstufe“ hieße wohl Ernüchterung.
    PS: Keine Sorge, man kann meinen Kommentar immer noch löschen

    Mikkai

  6. Ich bezeichne mich regelmäßig als „den glücklichsten Menschen der Welt“ und das meine ich ohne einen einzigen Tropfen Ironie. Weil es wirklich so ist. Wenn ich in mich blicke, meine Ruhe habe und mein Kopf nicht mit dem Alltagsstress vollgestopft ist, dann spüre ich Glück in mir. Tiefstes, reinstes Glück. Kribbeln im Herzen und in den Wangen. Ich muss lächeln.
    Einfach weil ich lebe. Weil ich hier sein darf, das ganze verquirrlte Gefühlsleben eines Menschen „mitmachen“ darf. Ich bin der Typ Mensch, der mitten auf einem belebten Platz voller hektischer Menschen stehen bleibt um in den wunderschönen Himmel zu gucken. Auch, wenn man von meinem Blog und meinen Tweets her anderes erwarten würde, bin ich der glücklichste Mensch der Welt. Und ich versuche dieses Glück täglich mit anderen zu teilen. Denn wir leben. Wir alle. Und wenn das nicht der Hauptgrund zum Glücklichsein ist, dann weiß ich es auch nicht.

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