Aber die Nacht kommt.

Wenn wir nicht weiter wissen und die Nacht kommt, dann ziehen wir uns zurück, bemitleiden uns selbst, haben das Gefühl, dass dieser Schmerz für immer bleiben wird.

Manche von uns haben den Mut, am nächsten Morgen vor die Tür zu gehen, wenn die Dunkelheit einem neuen Tag gewichen ist, der einen vielleicht mit kaltem Wind begrüßt und ohne die Verheißung, einer von denen, die wir eines Tages erinnern werden, zu werden. Aber wir haben es vor die Tür geschafft und wenn wir genau hinschauen, dann werden wir erkennen, dass wir nicht alleine sind. Dass da diese vielen Menschen sind, die stehen bleiben und tief Luft holen und trotzdem noch aussehen, als wären sie dort angelangt, wo nie ein Mensch je sein wollte: Am Ende. Dass wir nicht alleine sind, in unserem Schmerz und unserer Unsicherheit. Dass wir Gefährten auf unserem unsicheren Weg haben, die mit uns stolpern und die uns vielleicht aufhelfen können, wenn sie mal für einen Moment fest stehen können. Ihr Gleichgewicht gefunden haben.

In diesen Momenten vergessen wir, dass wir die meisten Scheidewege erreichen, weil wir einst glücklich waren und mehr wollten. Die meisten Scheidewege erreichen wir, weil wir uns dafür entschieden haben, unser Glück loszulassen, um es zu quadrieren. Obwohl wir wissen, dass Mehrwollen und -bekommen vielleicht nur ein einziges Mal im Leben funktioniert. Obwohl wir wissen, wie unsinnig quadrieren schon einst in der Schule war.

Am Tag können wir es ertragen, dass wir nicht weiter wissen, solange wir das Wissen um jede neue Nacht, die folgen wird, die uns den Atem nehmen wird, für eine Weile in die Schachtel packen können, in der wir all das, dem wir uns nicht stellen wollen, aufbewahren.

Aber die Nacht kommt, immer und immer wieder. Tief ins uns drin ist vielleicht immer Nacht.

Wann hast du das letzte Mal die Sonne in dir aufgehen gespürt?

(Bild via.)

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8 Comments

  1. Soeben habe ich zwei Stunden und vierzehn Minuten damit verbracht, deinen Blog zu lesen.
    (Und habe hiermit deine Ergüsse hoffentlich hinreichend gewürdigt.)

  2. Uff..
    Wunderschöner Post, sogleich er auch irgendwie.. erdrückend ist. Man liest deine Worte und plötzlich wird das Herz irgendwie schwerer, weil es ja Tag ist und man wieder erfolgreich geschafft hat, alles für den Tag in eine Schublade zu stecken und wenn man dann so quasi auf frischer Tat ertappt wird.. Uff.

  3. Ich war auch mal hoffnungslos positiv. Aber dann gibt es plötzlich Gründe, es nicht mehr zu sein. Das Leben ist schwer, jedes Leben, aber manchmal ist das Wissen, dass es weitergeht, das Wissen, dass man weitermachen kann und wird, nicht mehr genug, um aufrecht zu gehen. Plötzlich ist alles viel zu schwer. Und es gibt nichts, dass es erleichtert. Ich glaube, wir alle fallen und es ist egal, wie tief wir fallen, aber es kommt darauf an, ob wir uns noch abfangen können – oder wurden uns schon die Arme gebrochen? Und ich habe das Gefühl, mir wurde jeder einzelne Finger gebrochen, jeder Knochen. Ich weiß nicht, ob ich einfach die falsche Sicht auf die Dinge habe, aber ich habe keine Lust, etwas schön zu reden, dass nicht schön ist. Meine Gefühle tragen kein „aber alles wird wieder gut“ oder „aber all das lohnt sich“ in sich. Sie sind pur, vollkommen pur und verdammt dunkel. Ich meine, klar gibt es gute Momente, natürlich, aber sie überwiegen nicht. Sie überwiegen schon so verdammt lang nicht mehr. Niemand hat es leicht und ich sage nicht, ich hätte es schwerer, denn so schwer habe ich es weiß Gott nicht, aber… wenn etwas schlecht ist, dann ist es schlecht. Wenn sich das Leben schwarz anfühlt, dann ist es schwarz. Ganz furchtbar und scheiße und zum kotzen. Wenn es hellblau, rosarot ist, dann ist es das auch. Es ist immer extrem. Aber wenn es wehtut, dann tut es weh. Dann will ich nicht hören, es würde besser, der Schmerz lehre mich etwas, denn was ändert das daran, dass es in diesem Augenblick wehtut? Nichts. Und das ist nun mal die Wahrheit.

  4. (Aber ich freue mich unheimlich, eine kleine Hilfe zu sein. Echt. Das ist so dermaßen cool!!! *hust* Und ich hoffe, ich… vergraule dich nicht mit meiner emorigen Weltanschauung, aber ich wollte dir sagen, wie ich darüber denke, weil mir wichtig ist, dass du es weißt. Weil ich dir so dankbar bin, für jedes Mal, wenn du mir sagst, es lohnt sich, positiv zu sein, weil ich das ja auch irgendwann lernen muss. ;))

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