Ich bin die, auf die es ankommt.

vom 24. Juli, als Entwurf gespeichert – Fiktion, wirklich

Ich bin die Frau, die im Supermarkt an der Kasse hinter dir steht und um deinen Kopf herum greift, um noch schnell eine Packung Kaugummi aus dem Regal zu fischen, bevor man deine Sachen abkassiert und bevor sie dran kommt und für ihren Kopfsalat bezahlt und für den roten Nagellack und den farblosen Labello.

Ich bin die, die da ist, wenn es drauf ankommt. Die, die nicht lieber ihren eigenen Angelegenheiten nachgeht, wenn es dir schlechtgeht und du jemanden brauchst, der dich in den Arm nimmt und dir sagt, dass es schon wieder werden wird – vielleicht nicht gut, aber irgendwie eben. Ich bin die, die bis zum Ende bleibt.

Ich bin die Frau, die erst interessant ist, wenn man genauer hinsieht, wenn man das erste Mal mit ihr gesprochen hat, das winzige Grübchen neben dem Mund wahrgenommen hat. Keine Piercings, keine Tattoos, keine Narben. Glatte, pickelfreie Haut, ein Hauch Make-up, ein freundliches Lächeln, aber keines, das ankündigt, man wäre in Stimmung die Welt zu umarmen, jetzt, auf der Stelle. Oder in naher Zukunft.

Frauen wie ich sind überall. Ohne uns wäre die Welt eine andere. Postbotinnen und Kassiererinnen, Bankangestellte und Radiomoderatorinnen, Chemikerinnen und Zahnärztinnen. Die Welt würde ohne uns nicht funktionieren und dann würde erst auffallen, wer fehlt, wer wirklich die Strippen zieht. Vielleicht wäre es dann zu spät.

Ich bin die Frau, die ihre Haare zu einem Pferdeschwanz zusammen nimmt, die der Klofrau immer 50 Cent gibt und nie mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus landet. Ich bin die Frau, die du eines Tages heiraten wirst. Aber Abenteuer, die erlebst du lieber mit einer anderen.

(Bild via.)

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8 Comments

  1. Ich wäre froh, hätte ich so eine, wie dort beschrieben. Keine Tattoos, keine Piercings, dezentes Makeup, etwas Parfum (das darf dann gern auch etwas teurer sein), selbstständig, zuverlässig, mitdenkend. Perfekt.

  2. Der tollste Text, dern du bisher geschrieben hast, meiner Meinung nach!

    Ich lese ja soviel (wahrscheinlich zuviel, also quasi schon Überkonsum), dass es wenig gibt, was mich beeidnruckt – aber ich liebe liebe liebe deine Texte, und dieser hier – wow!

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