Wann kommt der Herbst?

Beschließen, dass man die Haare wieder wachsen lässt, noch weiter als vorher, bevor man sie sich ganz kurz schneiden ließ. Und mit einer neuen Herausforderung, mit der Herausforderung, das Gefärbte herauswachsen zu lassen, zur Naturhaarfarbe zu stehen, auch wenn man dann so ein bisschen aussieht wie eine Kreuzung aus Meredith Grey (der Haarfarbe wegen) und Sandra Bullock (der man laut der eigenen Mutter irgendwie ähnlich sieht). Ein Freudentänzchen aufführen, ob eines jeden Grades weniger auf dem Thermometer. Nur noch 19 Grad, draußen pfeift der Wind ein wenig, der Himmel ist grau und vielleicht, vielleicht wird es gleich regnen. Die Ruhe vor dem Sturm. Diese unbändige Sehnsucht nach den ersten Herbsttagen, dem ersten welken Blatt, das zu Boden geht und Größeres ankündigt. Ich will Strickpullover tragen und Parkas, derbe Boots und Mützen, ich will, dass meine Haare wirr um mein Gesicht herumflattern und mir Windböen den Atem nehmen,  nur für einen kurzen Moment. Aber auch: Die luftabschnürende Panik vor dem Winter, vor Weihnachten. Weil auf den Herbst immer der Winter folgt. Wir wissen nicht viel, aber das wissen wir.

Wörter im Kopf formen und niederschreiben, die einem etwas bedeuten, die Sinn machen und eine Geschichte erzählen. Diese eine verdammte Geschichte. Ansonsten völlig uninspiriert sein, sich darüber ärgern, dass man nach 9 Ferientagen nur so wenig erreicht hat, viel zu wenig Seiten geschrieben und viel zu wenig verändert hat – obwohl es schon ein paar Seiten waren und das Schlafzimmer immer schöner wird. Dieser Drang dazu, alles klein machen zu müssen, sich viel zu wenig Erfolg und Eigenlob zugestehen zu können, zu wollen. Ich habe heute Bilder ausgedruckt, die ich bei tumblr und weheart it fand, an einem Fotoautomaten. Sie hängen jetzt an der bis dato weißen Wand über meinem Bett. Ein paar fehlen noch, ein paar werde ich definitiv noch ausdrucken. Meine liebsten Bilder sind die aus dem schönsten Film aller Zeiten: Lost in Translation. (Oder, wie andere auch sagen: Der Film, in dem nichts passiert.) Ich liebe aber auch die Mohnblumenfotografie und die schwarz-weißen Fotos von Paaren und die Bilder, die förmlich nach Urlaub schmecken. (Es wird ein Foto der vielen Fotos folgen, versprochen.) Fotos bedeuten mir so viel. Gäbe es doch nur Motive in meinem Leben, in meinem Umfeld, die es sich aufzunehmen lohnte.

Es ist Juli. Und ich habe Sehnsucht nach Oktober.

(Bild via.)

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11 Comments

  1. ich kann dich total verstehen! ich liebe den herbst auch. und den winter. mich in dicke pullis zu kuscheln, in decken, drinnen, neben dem kamin. wenn es draußen schneit und stürmt. und irgendwie genieße ich auch die wärme – mich eben NICHT in dicke pullis stecken zu müssen, auch mal kurze röcke und kleider tragen zu können. nicht zu frieren – weil mir prinzipiell IMMER kalt ist.
    jede jahreszeit hat so ihre schönen seiten. doch herbst & winter besonders 🙂

    übrigens: das mit den haaren kenne ich 😀 im sommer hab‘ ich immer den drang, sie mir ganz kurz schneiden zu lassen. im herbst bin ich dann froh, es nicht getan zu haben – sie mir bloß heller gefärbt zu haben. denn nun, im herbst, möchte ich wieder lange haare! und dunkel sollen sie werden 😀

  2. Es ist Juli. Und ich hab Angst vor dem Oktober. Ich würde den Sommer am liebsten das ganze Jahr behalten, aber ein kleines Mädchen fiebert hier seinem fünften Geburtstag entgegen und fragt jeden Tag, wann denn endlich Herbst sei…

  3. Die Sehnsucht nach dem Herbts bringt mich um. Ich vergehen noch daran. Ich liebe ihn so. Ich bin einfach ein Winterkind. Herbst und Winter. Wann kommt ihr und raubt uns den Atem?

    Und zu „Lost in Translation. (Oder, wie andere auch sagen: Der Film, in dem nichts passiert.)“ – wir haben in Französisch „Zusammen ist man weniger allein“ gesehen – auf deutsch – und ich vergöttere diesen Film. Danach kam eine Klassenkameradin an meinen Tisch und meinte: „Und um was ging’s da jetzt?“ Ich werde dann immer leicht… ungehalten. Egal. Ich weiß, worum es geht.

  4. Ich liebe den Winter. Allerdings habe ich mir in diesem Jahr vorgenommen, auch ein Sommerfan zu werden, denn ich bin es leid, mich von Migräneanfall zu Kreislaufkollaps durch Juli und August zu quälen. So machen die Sommerferien, die ich genießen möchte, keinen Spaß. Lieber möchte ich mich bräunen, T-Shirts und Shorts tragen, die Wärme genießen. Immerhin kommt der Winter noch früh genug.

    Im Übrigen ist „Lost in Translation“ ein ganz, ganz großartiger Film.

  5. Ich liebe den Sommer. Die Hitze. Top & Shorts tragen. Morgens von den Sonnenstrahlen aufgeweckt werden. Dann weiß ich einfach, dass der Tag gut wird.

  6. Sehr schön. (: Wunderbar geschrieben. Und ich kann dich auch voll und ganz verstehen. (: Auf den Herbst freu ich mich auch schon, weniger auf den Winter, weil der in letzter Zeit dazu neigt, zu kalt zu werden, aber auf September, Oktober und teilweise November freu ich mich schon tierisch. Vor allem weil Ende Oktober bei uns immer „Kalter Markt“ ist. :p Liebe Grüße. ♥♥

  7. Deine Worte.
    Purer Genuss.
    Ich hab ein Teil davon eingeweckt… damit ich im Oktober, wenn ich in Decken gehüllt durch die Wohnung schwebe zum Kaffee ein paar Wunderworte genießen kann.

    Danke!

  8. Bei Gedanken an den Herbst viezieht sich mein Gesicht in eine genervte, fast protzige Grimasse. Wer braucht sowas? Ständig Regen, ständig Kälte. Sich wieder unter dicken, unförmifen Klamotten verstecken, sich in tausend Lagen einhüllen, damit man sich nur keinen fiesen Schnupfen holt, oder starken Husten, oder am besten gleich beides zusammen. Vorbei die schöne Zeit, in der man abends Ewigkeiten draussen sein kann, in der man auch zum Ausgehen keine Jacke braucht, in der man bis tief in die Nacht mit Freunden am Lagerfeuer sitzten und die Sterne bewundern kann. Jetzt kann man zitternd die Flämmchen im Kamin bewundern und tauscht sein Bier gegen heißen Tee. Man kann depressiv von niveaulosen Fernsehsendungen werden und sich darüber ärgern, dass es zum joggen gehen schon viel zu dunkel ist. Oder zu nass. Man kann der eigenen Haurfarbe praktisch beim heller werden zusehen und erschrickt sich dann morgens trotzdem was für ein kahles Gesicht einen aus dem Spiegel herraus anstarrt. Nein ehrlich, der Herbst kann mir gestohlen bleiben.

  9. Das hast du wunderschön gesagt!
    Ich bin ein absoluter Herbstmensch…
    Wenn ich meinen Freunden sage, dass mir der Sommer gestohlen bleiben kann und ich mir sehnlichst den Herbst herbei wünsche, sagen sie mir immer, wie sehr sie den Sommer lieben und dass sie das ganze Jahr lang 30 Grad und Sonnenschein haben könnten. Ich kann das nicht verstehen, ich liebe es, im Herbst und Winter in dicke Pullis und Decken eingekuschelt in dem großen, gemütlichen Sessel in meinem Zimmer zu sitzen und mir mit einer Tasse Kaffee in der Hand alte Filme anzusehen!
    Immerhin ist es schon September und der Sommer neigt sich dem Ende zu und draußen sind es ’nur noch‘ 20-25 Grad… Für mich immer noch viel zu viel… Oh wie ich mich nach dem Herbst sehe…

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