Federn durch den Raum pusten.

Nicht oft war es so gewesen. Nicht oft war es okay gewesen, jemandem gegenüberzusitzen und einfach mit ihm zu schweigen. Versprechungen, die man nicht halten konnte oder Gedanken, die man nicht recht formulieren konnte, waren immer im Weg gewesen, hatten zwischen einem gestanden.
Und dann warst da plötzlich du.
Wenn wir miteinander sprachen, dann war alles so leicht, so, als würden wir eine Feder quer durch den Raum pusten, vom einen zum anderen. Was vorher immer schwer gewesen war und manchmal anstrengend, kompliziert und schnell seltsam, das war bei uns anders. Es war so, als wären wir die beiden übrigen Puzzelteile, die, die in der Mitte fehlten und genau zusammenpassen, das Gesamtbild komplettierten, aber genug Raum für den Rest ließen.
Manchmal haben wir einfach nur nebeneinander auf dem Polster auf der Wohnzimmerfensterbank gesessen und den Wolken zugeschaut oder gelesen, Kakao getrunken oder auf den Abend gewartet, sind unseren eigenen Gedanken nachgehangen, haben alles ausgeblendet, sogar das Vogelzwitschern vom Dachstuhl und das Jalousienrappeln der Nachbarn.
Wir konnten so gut miteinander schweigen, dass die anderen zuweilen dachten, wir hätten die Anwesenheit des anderen vergessen. Dabei hatten wir nur die anderen vergessen, in völligem Einklang. Es gibt Menschen, bei denen macht Schweigen Lärm. Bei uns nicht. Nie.
Vielleicht war das zwischen uns zu leicht. Zu leicht, um darauf ein Fundament für mehr zu bauen. Vielleicht hätten wir es darauf ankommen lassen müssen, uns auf eine Diskussion einlassen müssen, die mit „Aber du hast doch gesagt“ und „Verdreh mir nicht das Wort im Mund“ gestaltet werden kann. Wo nichts gesagt wird, da kann zwar angenehm geschwiegen werden, aber das Fortkommen ist unmöglich.
Ich vermisse es, Federn mit dir durch den Raum zu pusten.

(Bild via.)

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4 Comments

  1. Oh, ist das schön! Ein herrlicher Text.

    Schon bin ich 2 Tage lang nicht intensiv am Computer bastelst du komplett an deinem Layout herum und schreibst auch noch so viel, haben wir ja gerne 🙂
    Schöne Ferien schon mal, auch wenn wir sicherlich voneinander hören werden und ich dir auch immer noch eine E-Mail Antwort schulde. Tut mir leid.

  2. Ich find den Text auch gut, nur sollte er ergänzt bzw. ausgeweitet werden, damit die richtige Botschaft nicht nur für einige, sondern für viele oder gar alle Lese ankommt. Für mich ist gemeinsames Schweigen gleich wichtig wie das gemeinsame Kommunizieren. Wichtig ist, dass Gleichgewicht herrscht. Vielleicht liegt dem einen das Schweigen mehr als das Quatschen, nur müsste dann dieser Schweigende genau so einen Partner finden, der das Schweigen viel mehr bevorzugt als das große Reden.

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