Es ist warm.

Es ist warm unterm Dach. Wir liegen nebeneinander, ohne uns anzusehen; wir müssen uns schon lange nicht mehr sehen. Weil wir die Anwesenheit des anderen spüren können. Weil wir wissen, ob der andere im Raum ist oder weit weg, zu weit. Weil wir uns ein wenig zu sicher sind, dass der andere noch da ist, wenn wir doch mal hinsehen. Weil wir uns nicht vorstellen können, wie es ist, wenn die Seite neben einem plötzlich leer und kalt ist, obwohl da doch gerade noch was war. Obwohl da doch gerade noch der Mensch lag, der eine richtige Mensch.
Manchmal berühren wir uns, versehentlich. Wir wissen, wie der andere sich anfühlt und riecht und schmeckt. Wir wissen, was der andere denkt, meistens. Wir sind einander selbstverständlich geworden und das ist vielleicht das Problem. Dass wir bei 37 Grad nebeneinander liegen und den anderen spüren, aber uns selbst nicht mehr so ganz. Weil es nur noch dieses Uns gibt, diese Symbiose, nicht aber mehr Dich und Mich. Eine Einheit, aber nicht zwei Individuen.
Es ist warm.
Wir haben ein Problem.

(Bild via.)

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5 Comments

  1. Du beschreibst gerade etwas, das ich schon so erlebt habe. Außer dass wir uns nicht selbstverständlich waren, sondern einfach…verrückt nacheinander. Auf jede erdenkliche Art. Und auf eine ungesunde Art.Und wie du schon sagst: Wenn man so fühlt, hat man ein Problem. Ein gefährliches. Man kann darüber wirklich verrückt werden.

  2. Es ist so dunkel hier in deinem Theme!

    Ich mag die Geschichte. Oder den Text. Oder den Auszug. Wie es warm anfängt und zum Problem wird und man das alles nachvollziehen kann. Ja, das mag ich. Die Stimmung, Atmosphäre, wie auch immer man das nennen mag. ich will mehr lesen! Aber jetzt halte ich die Klappe und hör auf davon zu reden, dass mir das da oben gefällt. Viel zu gut gefällt.

    1. (Ich bin immer noch auf der Suche nach dem perfekten Theme. Aber das scheint schlichtweg nicht zu existieren. Wenn ich irgendwann reich bin, dann kaufe ich mir eines – und eine eigene Domain.)
      Danke mal wieder für das Kompliment. Es handelt sich diesmal mehr um einen Gedankenfetzen, etwas, das ich geschrieben habe, um mich für meine Frankie-Lene-Paul-Geschichte zu inspirieren. Schön, dass es dir gefällt.

  3. sehr guter text. wer das einmal erlebt hat, ist froh, wenn er es beim nächsten anlauf (neue liebe! – neues glück?) schafft, ein ich und ein du zu bewahen und trotzdem ein wir zuzulassen. deswegen finde ich den text toll, weil er ausdrückt was selbstverständlichkeiten mit einem tun.

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