„We’re almost there and nowhere near it.“

„We’re almost there and nowhere near it. All that matters is we’re going.“ Eines meiner Lieblings-Lorelai-Zitate aus der zweiten Staffel der Gilmore Girls. In dieser Folge hatte Lorelai sich dazu entschlossen, ihren Verlobten Max doch nicht zu heiraten und war um fünf Uhr morgens überstürzt mit Rory zu einer Reise aufgebrochen. Das, was Lorelai sagte, lässt sich eigentlich perfekt auf unser aller Leben übertragen. Wir sind auf einer ewigen Reise, ohne zu wissen, wo wir ankommen werden. Ob wir überhaupt ankommen werden. Ob Ankommen nicht vielleicht völlig überbewertet ist. Ich habe schreckliche Angst davor, je anzukommen. Was kommt nach dem Ankommen? Stagnation? Das zwanghafte Gefühl, sich wohl fühlen zu müssen? Weil man es ja eigentlich so wollte und ja irgendwie auch so bekommen hat, wie gewünscht war? Ich bin ein Mensch, der sich stetig neu orientieren und weiterentwickeln muss. Ich will nicht irgendwann mit angezogener Handbremse leben, mich in irgendwelchen Lebensumständen ausruhen. Für mich spielt der Ausgang meiner stetigen Reise keine Rolle – weil ich nicht Gefahr laufe, in der nächsten Zeit anzukommen. Meine Reise beginnt gerade erst und ich fühle mich, als wäre ich dabei, einen Reiseführer zu lesen. Ich lerne das Leben zu verstehen, jeden Tag ein winziger Teil eines furchtbar winzigen Puzzleteils mehr, das irgendwann ein atemberaubend großes Gesamtpuzzle werden soll, das mir vielleicht ein wenig das Leben erklären kann. Irgendwann, wenn der Reiseführer gelesen, die nötigen Impfungen aufgefrischt, der Rucksack gepackt und die Familie ein letztes Mal umarmt ist, kann die Reise losgehen. Ich bin jetzt schon bereit, meine Reise anzutreten, dem Leben zu begegnen, aber es ist noch zu früh. Weil eben noch nicht alles da ist, was für den Aufbruch benötigt wird – außer der Wille, endlich aufzubrechen, die Ungeduld, die sonst nur auf dem Flur wartende werdende Väter empfinden können, die zu feige waren, die Geburt selbst mitzuerleben. Die Vorfreude ist aber auch erfüllend. Zu wissen, dass die Welt auf einen wartet, ohne zu ahnen, dass man im Begriff ist, aufzubrechen, ist schön. Der Gedanke, eines Tages um fünf Uhr morgens über eine leere Autobahn zu brettern, das Auto voller Klamotten, die man nicht braucht (das Teeservice zum Beispiel), die Straßenkarte zu Hause vergessen, obwohl man die Strecke kaum kennt, das Handyakku leer, weil man einfach mal nicht immer erreichbar sein will, das Lächeln auf den Lippen, das nur Abenteuerer kennen. All das läuft nicht weg. Es wird nur noch besonderer, je länger man sich darauf freut.

(Bild via ?)

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4 Comments

  1. *seufz* Ach wären die Straßen um 5 Uhr morgens nur leer 🙂 Nein, Spaß bei Seite. Ich möchte auch erst unterwegs sein, aber ich möchte auch ankommen. Zu mindest so, dass ich weiß, wo ich hin kann, wenn ich müde bin.

  2. Das gleiche Gefühl kenne ich. (:
    John Green hat dazu auch eine schöne Stelle in „Eine wie Alaska“ (Looking for Alaska) geschrieben: „Imagining the future is a kind of nostalgia. (…) You spend your whole life stuck in the labyrinth, thinking about how you’ll escape it one day, and how awesome it will be, and imagining that future keeps you going, but you never do it. You just use the future to escape the present.“ Er zieht es damit zwar ins Negative, aber nicht jeder schafft es, seine Reise überhaupt erst anzutreten…

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