Nick, Norah, 80 Minuten, 216 Seiten, eine Nacht, Where’s Fluffy und ich.

Nick und Norah – Soundtrack einer Nacht
von Rachel Cohn & David Levithan
216 Seiten

„Nick und Norah – Soundtrack einer Nacht“ könnte man vermutlich zu meinen absoluten Lieblingsbüchern zählen. Ich würde behaupten, es ist das beste Jugendbuch, das ich bislang gelesen habe. Von dem Film kann man das leider nicht behaupten. Das Buch kaufe ich im Urlaub in Weimar und las es innerhalb von nicht einmal 24 Stunden. Diese Bewertung schrieb ich für das Buch – und auch heute sehe ich es immer noch so. Normalerweise ist es ja so, dass man mit einigen Wochen Abstand zum Lesen des Buches ein wenig an Begeisterung gewinnt und die Schwächen deutlicher sieht, aber das ist hier nicht der Fall.

Inhalt: Nick: »Das klingt jetzt vielleicht etwas seltsam, aber könntest du für die nächsten fünf Minuten meine Freundin spielen?«
Norah: Als Antwort auf seine Frage lege ich meine Hände um seinen Hals und ziehe sein Gesicht zu mir runter.
Aus fünf Minuten werden sieben und dann eine ganze Nacht, in der Nick & Norah durch Clubs und Straßen ziehen, sich verlieren, verlieben und sich alles erzählen. ER, Bassist und Songschreiber einer New Yorker Undergroundband, immer noch nicht über Tris hinweg. SIE, Tochter eines Musikproduzenten, noch immer an der Trennung von Tal knabbernd, die bei IHM erstmals erfährt, was eine aufregende Romanze wirklich bedeuten kann…

Lesedauer: 23. Mai bis 24. Mai

Gekauft weil/SUB-Geschichte: Ich kaufe das Buch, weil ich es schon seit einer halben Ewigkeit kaufen und lesen wollte, es aber immer zu Gunsten anderer Bücher doch noch in der Buchhandlung liegen ließ. Ein Fehler, wie ich heute sagen kann. Eine SUB-Geschichte gab es nicht, ich habe sofort begonnen zu lesen.

Bewetung: Verzaubert, ja, verzaubert, das ist das Wort, das am Besten zu diesem Buch und zu Nick und Norah passt. Die beiden Hauptprotagonisten, die Atmosphäre, die Wortwahl der beiden Autoren, die Bilder im Kopf entstehen ließ und einen zum Lächeln brachte, die Intensität der ganzen Situation, die tiefe Liebe zum Punk… Dieses Buch ist wohl eines der besten Jugendbücher, das es gibt. Ich habe es atemlos verschlungen, immer in der Hoffnung, es möge gut ausgehen. Dass man dieses Meisterwerk atemlos verschlingt, mag auch daran liegen, dass auf über 200 Seiten nur eine einzige Nacht geschildert wird – und ich liebe die Nacht. (Sagt das Mädchen, das um 9 Uhr 12 morgens geboren wurde.) Als ich die letzten Seiten dieses Buches las, war ich beselt, todtraurig, aufgewühlt, glücklich und schrecklich, schrecklich einsam. Ich will auch mitten in der Nacht mit einem völlig Fremden in einem Kostümraum einer Disko rumknuschten, Bortsch essen, in einem Getränkeraum eines Hotels von einem alten Ehepaar erwischt werden und todmüde die ganze Nacht durchreden. Aber nur, wenn dieser Fremde Nick ist. Während des Lesens dieses Buches habe ich immer nur gedacht: Wer, zum Teufel, war nochmal Edward Cullen? Auch wenn der Fokus stark auf Nick und Norah liegt, hat man in Tris einen wirklich starken Nebencharakter geschaffen, den man vermutlich eigentlich hassen sollte, was einem aber definitiv sehr schwer gemacht wird. Auch die anderen Nebenfiguren, wenn auch blasser, gefallen. Einerseits wünsche ich mir aus tiefstem Herzen einen 2. Teil, aber andererseits weiß ich, dass das alles kaputt machen würde und dass die Autoren davon lieber die Finger lassen sollten. (Was sie bislang auch taten, sie haben nämlich ein neues Buch mit völlig anderen Hauptprotagonisten geschrieben, das ich wohl auch kaufen werde.) Die Autoren haben nämlich einen Weg gewählt, der uns allen die Möglichkeit bietet, einen zweiten Teil zu erschaffen. Einen zweiten Teil im Kopf. Und unsere Fantasie ist doch grenzenlos, nicht wahr?

Empfehlung für: Ich empfehle das Buch allen, die auf konventionelle Liebe scheißen, die Abenteuer lieben, die mehr als die üblichen Handlungsstränge in doch sehr platten Liebesromanen ala Susan Elizabeth Phillips oder Rachel Gibson von einem Buch bekommen möchte. Dieses Buch gibt so viel. Es ist eines der wenigen Bücher, das ich sofort nochmal lesen würde, eines der wenigen Bücher, das ich all meinen weiblichen Bekannten empfehle – es ist aber durchaus auch was für Jungs! -, das mich bis heute nicht loslässt.

Lieblingsstelle: Wir küssen uns im Flur, an die Wand gelehnt.
Wir küssen uns im Glasaufzug. Wir fahren rauf und runter, rauf und runter und küssen uns die ganze Zeit. Draußen vergeht die Zeit, aber drinnen, bei uns im Aufzug, steht sie still. Wir haben unseren eigenen Rhythmus aus Küssen, Lachen, Atmen, Flüstern, Wollen, Hoffen. Uns mögen.
Ich kenne diese Norah gar nicht. Norah die Abenteuerin. Norah, die den Nervenkitzel sucht. Ich bin ein nettes, wohlerzogenes jüdisches Mädchen aus Englewood Cliffs, New Jersey. Kann sein, dass ich ein freches Mundwerk hab, aber ich lass mich doch nicht bei unerlaubten sexuellen Handlungen in einem Marriott erwischen. Niemals! Ein Ritz-Carlton oder ein Four Seasons, das wäre eher mein Stil, aber ein Marriott – garantiert nicht! Doch jetzt bin ich hier. Und möchte mit keinem anderen Ort auf der Welt tauschen. Hat dieser Junge mich verhext?
Ich kenne diese neue Norah noch nicht sehr gut, aber ich mag sie. Ich hoffe, sie bleibt noch eine ganze Weile bei mir, vielleicht beantragt sie ja auch eine permanente Aufenthaltsgenehmigung.
Die Aufzugtür öffnet sich im Erdgeschoss, wo wir von Security-Typen in Empfang genommen und hinausgeleitet werden, und ich unterdrücke mein dringendes Bedürfnis, mit ihnen eine Diskussion über die Grundrechte dieses Landes und bürgerliche Freiheiten anzufangen, weil das nur Zeit kosten würde – meine Zeit mit Nick.
Und so stehen Nick und ich wieder draußen im Freien und halten uns an der Hand und lachen ununterbrochen, und wir sind nass vom Regen und nass geschwitzt von unseren Begegnungen in dieser Nacht. Mir ist ganz schwindlig, weil der Morgen dämmert, weil wir im Mittelpunkt der Welt stehen und weil wir der Mittelpunkt unserer eigenen Universums sind, weil der Frühling da ist, weil die Luft so feucht und frisch und sauber riecht. Gott schütze Manhattan, ganz ehrlich. Es ist sechs Uhr früh an einem Sonntagmorgen, die Straßenreinigungswagen sind schon unterwegs, und am Times Square räumen die Müllmänner in ihren leuchtorangenen Jacken die Exzesse der Nacht weg, und nicht mal der Duft des Frühlingsregens kann den Times-Square-Geruch nach Urin/Abfall/Kotze überdecken – aber wir sind hier, in diesem Augenblick, und die Welt ist schön.
„Wohin jetzt?“, fragt Nick und ich sage: „Nach Hause.“ (Seite 198/199)

Endpunkte: 5.0 von 5.0 – weil mir beim besten Willen keine negative Kritik einfallen mag. Außer vielleicht, dass das Buch fast ein bisschen zu kurz war – was letztlich auch wieder für das Buch spricht: Weil man nicht genug von ihm bekommen kann!

Film-Inhalt: Eine Nacht in New York, ein Junge und ein Mädchen und viel Musik. Nick (MICHAEL CERA) stürzt sich als Bassist der Band The Jerk Offs kopfüber in die pulsierende Rockszene New Yorks, um zu vergessen, dass ihm gerade das Herz gebrochen wurde. Norah (KAT DENNINGS) steht kurz vor dem Wechsel ins College und stellt ihr gesamtes Leben in Frage. Und dann prallen die beiden verlorenen Seelen aufeinander. Obwohl sie zunächst nichts miteinander verbindet als der gleiche Musikgeschmack, begeben sich Nick und Norah zusammen in eine völlig unerwartete Nacht. Was als turbulente Suche nach dem Ort beginnt, an dem ihre Lieblingsband ein geheimes Konzert gibt, entwickelt sich rasant zu einem tollen ersten Date, nach dem nichts mehr ist, wie es davor gewesen war…

In der Tradition von Kultfilmen wie „Juno“, „High Fidelity“ oder „Before Sunrise“ ist NICK & NORAH – SOUNDTRACK EINER NACHT eine Ode an die erste Liebe, die Jugend, die Macht des Schicksals und New York. Begleitet von einem unvergesslichen Soundtrack mit angesagten Bands wie Vampire Weekend, Band of Horses und den Shout Out Louds erwartet Film- und Musikfans ein unvergessliches Kino-Erlebnis.

Quelle: Sony Pictures

Vergleich Buch/Film: Es war keine sonderlich gute Idee, erst das Buch zu lesen und dann den Film zu sehen. Gäbe es die wundervolle Romanvorlage nicht, die mir wirklich unglaublich viel bedeutet, dann hätte ich mich besser auf diesen Film einlassen, mich in ihm verlieren können, denn: Schlecht ist er nicht. Er besticht durch witzige Texte – zum Teil witziger als im Buch, dafür aber viel poesieloser. Und die Poesie war das, was mich dazu gebracht hat, das Buch so sehr zu lieben. Nick wirkt blasser als im Buch, Norah erkennt man eigentlich ziemlich gut wieder. Sie ist das, was ich mir aus dem Buch für meine Vorstellungen zusammengelesen habe. Caroline ist im Film definitiv besser als im Buch in Szene gesetzt, was vielleicht auch an der umwerfenden Schauspielerin liegen mag, aber auch daran, dass ihr mehr Raum geboten wird. Was aber auch negativ zu werten ist: Im Film bekommen die Nebenrollen, die Bandkollegen von Nick zum Beispiel, zu viel Raum. Während Nick und Norah im Buch die ganze Nacht lang reden und eigentlich ununterbrochen miteinander alleine sind, sind sie hier im Film oft von den Nebenrollen begleitet. Das stört ein wenig und nimmt zu viel von den 80 Minuten ein. Und: Ich bin stinksauer, dass meine Lieblingsstelle fehlt. Die Szene im Hotel, als sie in einem Getränkeraum von einem alten Paar dabei erwischt werden, wie sie halbnackt herumknutschen. Die Szene, die man dem Zuschauer als Ersatz vorsetzt, ist billig und wirkt leicht albern. Positiv aufgefallen ist mir die vermittelte Intensität bezüglich „Where’s Fluffy“, der – fiktiven – gemeinsam Lieblingsband von Nick und Norah. Das kam genauso gut wie im Buch rüber.

Besetzung: Ich finde, die Rolle der Norah ist unglaublich gut besetzt, so ähnlich habe ich sie mir auch vorgestellt, beim Lesen. Nick hingegen ist unter meinen Erwartungen. Zum einen, weil er überhaupt nicht mein Typ ist – blond, klein, niedlich -, zum anderen, weil er neben Norah einfach viel zu jung wirkt. Obwohl das vielleicht den Charme der ganzen Geschichte ausmacht. Caroline ist, meiner Meinung nach, die beste Schauspielerin in dem ganzen Film. Sie hat mir mehrere hysterische Lachanfälle beschert und ist mir sofort im Gedächtnis geblieben – am Montag nachdem ich den Film gesehen hatte, entdeckte ich nämlich, dass sie in „Fringe“ die Schwester von Olivia spielt. Zufälle gibt’s! Enttäuscht war ich auch ein wenig von Tris. Sie wirkt viel niedlicher und It-Girl-mäßiger, als sie im Buch rüberkommt, was aber auch an ihrem Text liegen mag. Ansonsten sind die Nebenfiguren eigentlich eher unwichtig für die Geschichte, sie sind aber durchaus gut besetzt.

Film-Bewertung: Es fällt mir sehr schwer, eine abschließeden Bewertung für den Film zu schreiben – eben weil ich mich dem Buch so verbunden fühle und weil meine Erwartungen an diesen Film imens hoch waren – so hoch, dass ich eigentlich nur enttäuscht werden konnte. Objektiv betrachtet ist aber auch der Film gut. Er bietet viele witzige Szenen, er ist selbstironisch und er spielt in der Punkszene, für die ich mich eigentlich erst richtig seit dem Buch interessiere. Wer also auf der Suche nach einer tiefgründigeren Teenagerkomödie ist und genug von diesem ganzen Teeniemusicalgedudel hat – als „High School Musical“, „Camp Rock“…, der darf sich diesen Film nicht entgehen lassen, der mit 80 Minuten leider ein wenig zu kurz geraten ist. Der Geschichte hätte ein wenig mehr Zeit für Gespräche zwischen Norah und Nick, die im Buch eigentlich die Grundlage von allem sind, gut getan und ihr noch mehr Tiefgang beschert. Tiefgang, den ich mir vorher erhofft hatte.

Endpunkte: 3,3 von 5,0 Punkten – weil ich das Buch vorher las und ich Nick als ein klein wenig fehlbesetzt empfand.

Trailer:






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