Mr Right, Lady Di und ich oder Der Tag, an dem ich plötzlich wieder 15 war.

„Mr Right, Lady Di und ich oder Der Tag, an dem ich plötzlich wieder 15 war“ von Catriona McCloud
396 Seiten, erschienen im BasteiLübbeVerlag im Juni 2009, Frauenliteratur

Inhalt: Gestern war Janie Mitte dreißig, heute ist sie ein Teenager – über Nacht wurde sie in die Achtzigerjahre zurückkatapultiert! Nach anfänglicher Verwirrung erkennt sie ihre Chance, die Welt ein bisschen glücklicher zu machen. Ihre erste Mission: Diana Spencer vor der Heirat mit Prinz Charles zu bewahren. Kann Janie die Hochzeit verhindern? Oder richtet sie nur ein größeres Chaos an? Und was ist eigentlich mit ihrem eigenen Traumprinzen?

Lesedauer: 06. Juli bis 15. Juli

Gekauft weil/SUB-Geschichte: Bei der Mayerschen in Dortmund in der Ecke der Neuerscheinungen gesichtet. Ich wollte gerne ein Buch kaufen, das anders ist, dabei aber witzig und smart und für kurzweilige Unterhaltung sort. Bekommen habe ich dennoch etwas völlig anderes – was gut war!

Bewertung: Das Buch hat mich ungemein überrascht, weil ich etwas ganz anderes erwartet hatte. Schenkt man dem deutschen Titel Glauben, so beschäftigt die gute Janie sich auf knapp 400 Seiten mit der Rettung von Lady Di – doch weit gefehlt! Was man schon am englischen Titel erkennen kann: Growing up again. Darum geht es eigentlich. Janie wächst noch einmal auf. Wir begleiten Janie nicht nur im Jahr 1981, als sie 15 war, sondern bis zum Jahr 2001. Es ist spannend und fesselnd mitzuerleben, wie Janie alte Fehler wieder gut macht und ihren Mitmenschen Wünsche erfüllt. Und wie sie endlich erkennt. Erkennt, was die Wünsche ihrer Eltern sind, was im Leben wichtig ist und wie man alles in die richtigen Bahnen lenken kann. Immer wieder lässt sie durchblicken, was für eine unreife, egoistische, pubertäre 15jährige sie doch war – ich mit 16 kann mich damit wenig identifizieren und ich schwöre, dass ich nicht wie Janie zum zweiten Mal aufwachse und eigentlich schon 40 bin. Dann gibt es da auch noch die Kategorie „Elvis“. Sie will Elvis retten. Was ein Synonum für „Weltrettung“ zu sein scheint, denn Elvis kann nicht mehr gerettet werden, 1981 ist er schon tot. Zur „Elvisretten“-Kategorie zählen Dinge wie Tschernobyl und den 11. September zu verhindern, Mörder zu verraten und eben Diana zu retten. Die Rettung von Diana nimmt aber nur einen sehr kurzen Teil im Anfang des Buches für sich ein, aber vermutlich hat der Person, die den Titel ausgesucht hat, so etwas Glamouröses im Titel einfach nur gut gefallen. Neben Janie gibt es aber noch ein paar andere interessante Charaktere: Ihre Eltern, ihren Freund Danny, den sie in ihrer ersten Jugend vergrätzt hat, und Lawrence, ihren kleinen Bruder, den es in ihrer ersten Jugend gar nicht gab. Warum Janie ausgerechnet im Jahre 1981 landet erfährt man erst ziemlich spät – genauso wie die Fakten über ihren Ehemann Ludo. Das Ende fand ich einerseits gelungen, andererseits auch so unglaublich unbefriedigend, dass man jemanden schlagen möchte. Ein zweiter Teil wäre nach dem Ende durchaus möglich, ich halte ihn aber eher für unwahrscheinlich, wenn ich ehrlich bin. Alles in allem hat Catriona McCloud (ob das wohl ein Künstlername ist?!) einen interessanten Debütroman vorgelegt und ich wäre sofort bereit ein weiteres Buch zu lesen. Weil das Buch viel mehr zu bieten hat, als das bunte, kitschige Cover und die Zuordnung in die Frauenromanecke vermuten lassen. Eigentlich ist sie ein qualitativ besser Cecelia Ahern mit weitaus mehr Humor, Charme und Situationskomik, aber durchaus auch genug Talent, um ernste Töne anzuschneiden.

Empfehlung für: Ich empfehle das Buch allen, die nur ungern zu „schwere“ Bücher lesen, aber bei einfacher Frauenliteratur dennoch gerne eine Message zwischen den Zeilen finden möchten. In diesem Buch kann man eindeutig eine Message finden: Mach das beste aus deinem Leben, halt die Augen offen, hilf deinem Nächsten. Denn wir bekommen nicht wie Janie die Chance, alles besser zu machen, als beim ersten Mal – jedenfalls gehe ich nicht davon aus. Pragmatischen Lesern rate ich vom Kauf des Buches ab. Der Fantasyteil, die „Zeitreise“, kann abschreckend wirken, weil an einigen Stellen einfach von Seiten Janie zu sehr darüber hinweggegangen wird, wie absurd die Situation doch ist. Sie findet sich schon nach kurzer Zeit in die Situation hinein, bricht in blinden Aktionismus aus, wirkt wie ein weiblicher Jesus. Zudem wird es Pragmatikern schwer fallen, sich auf das Buch einzulassen, die Möglichkeit, dass jedem von uns das Gleiche wie Janie passieren könnte, während der Lesedauer für möglich zu halten. Ich habe es geschafft und habe wirklich etwas für meine 7 Euro 95 geboten bekommen.

Lieblingsstellen: Sie saßen immer zusammen auf der Couch. Das tun sie auch heute noch, und wenn ich so darüber nachdenke, kenne ich außer ihnen kein Paar, das um die sechzig ist und seit vierzig Jahren verheiratet und noch immer nebeneinander auf der Couch sitzt. Alle anderen haben sich längst in ihre eigenen kleinen Ohrensessel-Königreiche zurückgezogen. Ludo und ich auch. Es wäre einfach zu behaupten, dass das nur am Schnitt unseres Wohnzimmers liegt, dass der beste Platz für die Dreiercouch am Fenster ist, man den Fernseher von da aber nicht sehen kann und der Zweisitzer ein bisschen eng ist. Denn genau das ist der Punkt. Das zweisitzige Sofa sollte genau der Lieblingsplatz sein, weil es so engst ist und man denjenigen, den man liebt, dort jederzeit zum Greifen und Kuscheln nah hat. Nicht dass meine Eltern auf ihrer Couch viel kuscheln. In der Mitte war immer ein kleiner Puffer aus gefalteten Zeitungen, Büchern aus der Bücherei und Papiertücherboxen für den Schnupfen meiner Mutter im Winter und den Heuschnupfen meines Vaters im Sommer. Im Laufe der Jahre waren mehrere Brillenetuis hinzugekommen, die Fernsehbedienungen für den Fernseher und das Videogerät, und nun steht auch noch das Telefon zwischen ihnen. Und trotzdem: Wenn mein Vater im Sommer niest, streicht meine Mutter ihm über den Arm und sagt >Gesundheit!<, und wenn meine Mutter im Winter zu viel hustet, streckt mein Vater seine Hand aus und klopft ihr auf den Rücken.
Das muss es sein, was es ausmacht, oder? Meine Mutter ist vom Gemüseschneiden nicht genervt, und mein Vater sieht dem täglichen Gang zur Arbeit mit der Sandwichbox in der Aktentasche nicht mürrisch entgegen. Nicht weil sie so gleichgültig sind oder ihr leben so abläuft, wie sie es sich immer gewünscht haben, sondern weil die Liebe zwischen ihnen noch immer existiert, sie aus den Lehnsesseln hält und macht, dass sie
sich beim Niesen oder Husten umeinander kümmern und wegen dieser Liebe sind sie glücklich. (Seite 42/43)

"Kannst du vorbeikommen?", bat er schließlich zaghaft. Ich schaute zur Wohnzimmertür, die gerade aufging. Der lächelnde Mann stand dort und sah mich an. "Bitte", flehte Danny.
"Oje, Danny. Ich hoffe es sehr. Ich versuche auf jeden Fall mein Bestes zu geben."
"Du hoffst es? Du versuchst es?“
Der Schweigende erschien nun auch in der Tür.
„Ich meine, wenn ich irgendwas tun kann, dann lass es mich wissen“, sagte ich ins Telefon. „Ich könnte den Hund für ein paar Tage nehmen. Das wäre wenigstens etwas.“
„Welchen Hund?“, fragte Danny. „Was redest du …“
Das, was er dann sagte, änderte für immer alles zwischen uns. Danach war er nicht länger Orville, und er war kein Kinderfreund und auch kein Freund der Familie mehr. Das, was Danny als nächstes sagte, zeigte mir, dass er zu den Menschen gehörte, die es kapierten, ganz gleich, was es war. Er kapierte es sogar, obwohl er nicht die geringste Ahnung hatte, was los war.
„Bist du in Gefahr“, fragte er. „Im Moment, meine ich.“
„Ich weiß es nicht.“ (Seite 183)

Endpunkte: 3,9 von 5 – weil immer noch Fragen offen blieben und es an einigen Stellen doch recht unrealistisch wirkte.

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